Pentoxifyllin bei Neugeborenensepsis: Cochrane Review
Hintergrund
Sepsis und nekrotisierende Enterokolitis (NEC) bei Neugeborenen gehen trotz potenter Antibiotikatherapien weiterhin mit einer hohen Mortalität und Morbidität einher. Entzündungsmodulierende Wirkstoffe könnten die klinischen Ergebnisse in dieser vulnerablen Gruppe verbessern.
Ein solcher Wirkstoff ist der Phosphodiesterase-Hemmer Pentoxifyllin (PTX). Ein aktueller Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von intravenösem PTX als Ergänzung zur Antibiotikatherapie bei Verdacht auf oder bestätigter Sepsis sowie bei NEC.
Die Meta-Analyse schloss sechs randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 416 Neugeborenen ein. Alle eingeschlossenen Studien untersuchten Neugeborene mit Sepsis, während keine Daten zu Neugeborenen mit NEC identifiziert werden konnten.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende zentrale Ergebnisse zur adjuvanten Therapie mit Pentoxifyllin:
Mortalität und Krankenhausaufenthalt
Die adjuvante Gabe von PTX zur Standard-Antibiotikatherapie kann die Gesamtmortalität während des Krankenhausaufenthalts bei Neugeborenen mit Sepsis möglicherweise senken (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Die Number Needed to Treat for an additional Beneficial Outcome (NNTB) wird mit 13 angegeben.
Zudem zeigt die Auswertung, dass die PTX-Gabe die Dauer des Krankenhausaufenthalts reduzieren kann (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). In den untersuchten Studien traten laut den Autoren keine unerwünschten Nebenwirkungen durch die Intervention auf.
Langzeitfolgen und Komplikationen
Hinsichtlich schwerer Komplikationen der Frühgeburtlichkeit und Sepsis bleibt der Nutzen von PTX unklar. Es besteht eine sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bezüglich der Auswirkungen auf:
-
Chronische Lungenerkrankung (CLD)
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Schwere intraventrikuläre Hämorrhagie (sIVH)
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Periventrikuläre Leukomalazie (PVL)
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Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)
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Frühgeborenen-Retinopathie (ROP)
Vergleich mit anderen adjuvanten Therapien
Die Autoren verglichen PTX zudem mit IgM-angereicherten intravenösen Immunglobulinen (IVIG). Die Effekte auf Mortalität und NEC-Entwicklung bleiben in diesen Konstellationen sehr ungewiss.
| Vergleichsintervention | Effekt auf Mortalität | Effekt auf NEC | Vertrauenswürdigkeit |
|---|---|---|---|
| PTX + Antibiotika vs. Placebo + Antibiotika | Mögliche Reduktion (RR 0.57) | Sehr ungewiss | Niedrig bis sehr niedrig |
| PTX + Antibiotika vs. PTX + Antibiotika + IgM-IVIG | Sehr ungewiss | Sehr ungewiss | Sehr niedrig |
| PTX + Antibiotika vs. IgM-IVIG + Antibiotika | Sehr ungewiss | Sehr ungewiss | Sehr niedrig |
💡Praxis-Tipp
Obwohl die Datenlage auf eine mögliche Senkung der Mortalität durch Pentoxifyllin hindeutet, wird in der Praxis darauf hingewiesen, dass die Evidenzqualität gering ist und vier von sechs Studien ein hohes Bias-Risiko aufweisen. Es wird betont, dass für eine routinemäßige Anwendung bei Neugeborenensepsis oder NEC weitere gut konzipierte, multizentrische Studien erforderlich sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review kann die adjuvante Gabe von Pentoxifyllin zur Antibiotikatherapie die Gesamtmortalität möglicherweise senken. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.
Die aktuelle Meta-Analyse konnte keine Studien identifizieren, die den Einsatz von Pentoxifyllin spezifisch bei Neugeborenen mit NEC untersuchten. Der Effekt auf die Entwicklung einer NEC bei Sepsis-Patienten gilt als sehr ungewiss.
In den eingeschlossenen Studien wurden die unerwünschten Wirkungen von Pentoxifyllin evaluiert. Laut den Autoren wurden in den Interventionsgruppen keine unerwünschten Effekte berichtet.
Die Auswertung zeigt, dass die zusätzliche Gabe von Pentoxifyllin die Dauer des Krankenhausaufenthalts bei Neugeborenen mit Sepsis reduzieren kann. Auch hierbei handelt es sich um Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit.
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Quelle: Cochrane Review: Pentoxifylline for treatment of sepsis and necrotising enterocolitis in neonates (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.