Bauchschmerzen bei Morbus Crohn: Cochrane Review
Hintergrund
Morbus Crohn und andere chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) gehen häufig mit stark beeinträchtigenden Bauchschmerzen einher. Diese können durch einen Krankheitsschub, Medikamentennebenwirkungen, chirurgische Komplikationen oder Strikturen verursacht werden.
Auch in der Abwesenheit dieser Faktoren leiden laut dem Cochrane Review noch 20 bis 50 % der Betroffenen in der Remissionsphase an Schmerzen. Die Behandlung dieser Beschwerden stellt eine große klinische und finanzielle Herausforderung dar.
Der vorliegende Review untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener medikamentöser und nicht-medikamentöser Interventionen zur Schmerzbehandlung bei Morbus Crohn und CED.
Empfehlungen
Der Cochrane Review wertete 14 Studien mit insgesamt 743 Teilnehmenden aus. Aufgrund der geringen Studien- und Teilnehmerzahlen sowie der klinischen Heterogenität ist die Evidenz für die meisten Interventionen sehr schwach.
Transkranielle Gleichstromstimulation
Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist die einzige Intervention, für die ein möglicher Nutzen identifiziert wurde. Es liegt Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit vor, dass tDCS im Vergleich zu einer Scheinbehandlung die Schmerzintensität verbessern kann.
Weitere untersuchte Interventionen
Für alle anderen untersuchten medikamentösen und nicht-medikamentösen Ansätze konnte keine verlässliche Schlussfolgerung zur Wirksamkeit gezogen werden. Die Evidenz bezüglich Schmerzintensität, Schmerzfrequenz und Behandlungserfolg wird als sehr unsicher eingestuft.
| Intervention | Vergleichsgruppe | Effekt auf Schmerzintensität | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Transkranielle Gleichstromstimulation | Scheinbehandlung | Mögliche Verbesserung | Niedrig |
| Low-FODMAP-Diät | Schein-Diät / normale Diät | Sehr unsicher / unklar | Sehr niedrig |
| Achtsamkeit & kognitive Verhaltenstherapie | Keine Behandlung | Sehr unsicher | Sehr niedrig |
| Stressmanagement | Standardbehandlung | Sehr unsicher | Sehr niedrig |
| Osteopathie (sanft, nicht-manipulativ) | Keine Behandlung | Sehr unsicher | Sehr niedrig |
| Olorinab (100 mg vs. 25 mg) | Dosisvergleich | Sehr unsicher | Sehr niedrig |
| Enterisch freisetzendes Glyceroltrinitrat | Placebo | Unklar | Sehr niedrig |
| Kefir-Diät (Laktobazillen) | Keine Intervention | Sehr unsicher | Sehr niedrig |
Kontraindikationen
Der Review berichtet über unerwünschte Ereignisse bei einigen der untersuchten medikamentösen Interventionen. Bei enterisch freisetzendem Glyceroltrinitrat traten im Interventionsarm vermehrt unerwünschte Ereignisse auf.
Auch in der Studie zu Olorinab wurden in der Gruppe mit der höheren Dosierung (100 mg) mehr unerwünschte Ereignisse beobachtet als in der Niedrigdosis-Gruppe. Bei den nicht-medikamentösen Interventionen waren die Raten unerwünschter Ereignisse tendenziell sehr gering oder lagen bei null.
💡Praxis-Tipp
Bei der Behandlung von Bauchschmerzen bei Morbus Crohn und CED in der Remissionsphase sollte beachtet werden, dass die aktuelle Studienlage für die meisten spezifischen Schmerzinterventionen unzureichend ist. Es wird deutlich, dass etablierte Ansätze wie spezielle Diäten oder Entspannungsverfahren in klinischen Studien bisher keine belastbare Evidenz für eine signifikante Schmerzreduktion liefern konnten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es lediglich für die transkranielle Gleichstromstimulation Hinweise auf eine mögliche Verbesserung der Schmerzintensität. Für alle anderen untersuchten Ansätze reicht die Evidenz derzeit nicht für eine Beurteilung aus.
Die Auswertung der vorliegenden Studien zeigt, dass der Effekt einer Low-FODMAP-Diät auf die Schmerzintensität sehr unsicher ist. Es können daraus aktuell keine klaren Empfehlungen zur Schmerztherapie abgeleitet werden.
Auch wenn keine akuten Entzündungszeichen, Strikturen oder chirurgischen Komplikationen vorliegen, leiden etwa 20 bis 50 % der Betroffenen in der Remissionsphase weiterhin an Bauchschmerzen.
Bei medikamentösen Ansätzen wie Glyceroltrinitrat und hochdosiertem Olorinab wurden in den Studien vermehrt unerwünschte Ereignisse festgestellt. Nicht-medikamentöse Verfahren zeigten hingegen kaum oder keine Nebenwirkungen, wobei die absolute Ereignisrate in den Studien sehr gering war.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for the management of abdominal pain in Crohn's disease and inflammatory bowel disease (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.