Cannabis bei Multipler Sklerose: Cochrane Review
Hintergrund
Multiple Sklerose (MS) geht häufig mit belastenden Symptomen wie Spastik und chronischen neuropathischen Schmerzen einher. Diese Beschwerden schränken die Lebensqualität und Alltagsaktivitäten der Betroffenen erheblich ein.
Herkömmliche antispastische und analgetische Medikamente zeigen oft nur eine begrenzte Wirksamkeit oder werden schlecht vertragen. Daher besteht ein hohes Interesse an der symptomatischen Behandlung mit medizinischem Cannabis.
Pflanzliche und synthetische Cannabinoide entfalten ihre Wirkung primär über das Endocannabinoid-System. Der vorliegende Cochrane Review (2022) untersucht den Nutzen und die Risiken dieser Wirkstoffe bei Erwachsenen mit MS.
Empfehlungen
Der Review fasst die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabinoiden bei Multipler Sklerose zusammen.
Spastik
Die Auswertung zeigt, dass das Oromukosalspray Nabiximols die wahrgenommene Schwere der Spastik wahrscheinlich signifikant reduziert (moderate Evidenzqualität). Es wird als Zusatztherapie bei mittelschwerer bis schwerer Spastik bewertet, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken.
Schmerzen und Lebensqualität
Die Studienlage zeigt unterschiedliche Effekte auf Schmerzen und das allgemeine Wohlbefinden:
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Bezüglich chronischer neuropathischer Schmerzen ist die Evidenz sehr unsicher, ob Cannabinoide eine Schmerzlinderung bewirken (sehr niedrige Evidenzqualität).
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Das subjektive Wohlbefinden (Patient Global Impression of Change) wird durch Cannabinoide wahrscheinlich verbessert (moderate Evidenzqualität).
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Auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität haben die Wirkstoffe laut Review möglicherweise kaum bis keinen Einfluss (niedrige Evidenzqualität).
Unerwünschte Ereignisse
Bei der Anwendung von Cannabinoiden müssen mögliche Risiken beachtet werden:
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Cannabinoide erhöhen möglicherweise leicht die Abbruchrate der Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen (niedrige Evidenzqualität).
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Es zeigt sich möglicherweise ein Anstieg von Störungen des Nervensystems sowie von psychiatrischen Störungen.
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Bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SAE) besteht laut Review möglicherweise kaum ein Unterschied zu Placebo.
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Die Evidenz zur Entwicklung einer Medikamententoleranz ist derzeit sehr unsicher.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass der potenzielle Nutzen von Cannabinoiden bei Spastik gegen die psychotropen Effekte abgewogen werden sollte. Es wird betont, dass mögliche langfristige Nebenwirkungen wie kognitive Beeinträchtigungen und psychiatrische Störungen in der klinischen Praxis sorgfältig evaluiert werden müssen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz bezüglich der Linderung chronischer neuropathischer Schmerzen durch Cannabinoide sehr unsicher. Es liegen nicht genügend belastbare Daten vor, um eine klare Wirksamkeit in diesem Bereich zu belegen.
Die Auswertung zeigt, dass Nabiximols (ein THC/CBD-Spray) die Schwere der Spastik bei MS-Betroffenen wahrscheinlich signifikant reduziert. Die Evidenzqualität für diesen Effekt wird als moderat eingestuft.
Der Review berichtet über eine mögliche Zunahme von Störungen des Nervensystems und psychiatrischen Störungen. Zudem brechen Behandelte die Therapie unter Cannabinoiden etwas häufiger aufgrund von unerwünschten Ereignissen ab als unter Placebo.
Die vorliegenden Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide möglicherweise wenig bis keinen direkten Einfluss auf die messbare gesundheitsbezogene Lebensqualität haben. Allerdings wird das subjektive Wohlbefinden der Betroffenen wahrscheinlich verbessert.
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Quelle: Cochrane Review: Cannabis and cannabinoids for symptomatic treatment for people with multiple sclerosis (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.