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Progrediente MS Therapie: Cochrane Review

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die progrediente Multiple Sklerose (PMS) ist durch eine kontinuierliche Verschlechterung der neurologischen Symptome gekennzeichnet. Im Gegensatz zur schubförmig remittierenden Form stehen für die PMS deutlich weniger zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung.

In den letzten Jahren wurden verschiedene krankheitsmodifizierende Medikamente (Disease-Modifying Treatments, DMTs) für die Behandlung der PMS zugelassen. Es mangelt jedoch an direkten Vergleichsstudien, um den relativen Nutzen und die Sicherheit dieser Immunmodulatoren und Immunsuppressiva abschließend zu bewerten.

Dieser systematische Cochrane Review aus dem Jahr 2024 analysiert 23 randomisierte kontrollierte Studien mit über 10.000 Teilnehmenden. Ziel der Netzwerk-Metaanalyse ist es, die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Wirkstoffe im Vergleich zu Placebo oder anderen aktiven Substanzen zu evaluieren.

Empfehlungen

Der Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zur Therapie der progredienten Multiplen Sklerose:

Einfluss auf die Schubrate

Die Analyse zeigt, dass nur wenige Medikamente die Anzahl der klinischen Schübe im Vergleich zu Placebo signifikant reduzieren können:

  • Rituximab verringert die Schubrate nach 24 Monaten wahrscheinlich leicht (moderate Evidenz).

  • Interferon beta-1b führt nach 36 Monaten wahrscheinlich zu einer leichten Reduktion der Schübe (moderate Evidenz).

  • Für alle anderen untersuchten Wirkstoffe liegt keine Evidenz von moderater oder hoher Sicherheit vor, die eine Überlegenheit gegenüber Placebo belegt.

Krankheitsprogression und Behinderung

Hinsichtlich der Verzögerung der fortschreitenden Behinderung (Disability worsening) nach 24 oder 36 Monaten besteht laut den Autoren große Unsicherheit. Für keine der untersuchten krankheitsmodifizierenden Therapien konnte eine moderate oder hohe Evidenzsicherheit im Vergleich zu Placebo nachgewiesen werden.

Sicherheit und Therapieabbrüche

Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse zeigt deutliche Unterschiede in der Verträglichkeit der Medikamente. Es wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Wirkstoffe häufiger zu einem Therapieabbruch führen:

WirkstoffRisiko für Therapieabbruch wegen NebenwirkungenEvidenzsicherheit
Interferon beta-1aErhöhtHoch
Interferon beta-1bWahrscheinlich erhöhtModerat
RituximabWahrscheinlich erhöhtModerat
GlatirameracetatWahrscheinlich erhöhtModerat
FingolimodWahrscheinlich erhöhtModerat
SiponimodWahrscheinlich erhöhtModerat

Zudem wird betont, dass auch bei Immunglobulinen, Natalizumab und Ocrelizumab das Risiko für einen Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse wahrscheinlich leicht erhöht ist (moderate Evidenz).

Limitationen der aktuellen Studienlage

Die Autoren weisen auf erhebliche methodische Einschränkungen der bisherigen Forschung hin:

  • Die Nachbeobachtungszeit der meisten Studien ist mit 12 bis 24 Monaten zu kurz, um langfristige Effekte oder seltene schwere Nebenwirkungen zu erfassen.

  • Es fehlen direkte Vergleichsstudien (Head-to-Head) zwischen den aktiven Wirkstoffen.

  • Ein potenzieller Bias durch die Finanzierung vieler Zulassungsstudien durch Pharmaunternehmen kann nicht ausgeschlossen werden.

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💡Praxis-Tipp

Der Review verdeutlicht, dass bei der Verordnung von Immunmodulatoren bei progredienter MS die hohe Rate an Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen berücksichtigt werden sollte. Insbesondere bei Interferon beta-1a ist dieses Risiko laut Evidenzlage signifikant erhöht, während der nachweisbare Nutzen auf die langfristige Behinderungsprogression bei den meisten Wirkstoffen derzeit noch unklar ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review reduzieren Rituximab nach zwei Jahren und Interferon beta-1b nach drei Jahren wahrscheinlich leicht die Anzahl der klinischen Schübe. Für andere Wirkstoffe fehlt hierfür eine moderate oder hohe Evidenzsicherheit.

Die aktuelle Studienlage lässt hierzu keine sicheren Schlüsse zu. Der Review fand für keines der untersuchten Medikamente eine moderate oder hohe Evidenz dafür, dass sie die Verschlechterung der Behinderung im Vergleich zu Placebo signifikant aufhalten.

Die Analyse zeigt, dass insbesondere Interferon beta-1a mit hoher Sicherheit zu vermehrten Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Ereignissen führt. Auch bei Wirkstoffen wie Rituximab, Fingolimod und Siponimod ist dieses Risiko wahrscheinlich erhöht.

Der Review bemängelt das Fehlen von direkten Head-to-Head-Studien. Die meisten bisherigen Untersuchungen vergleichen die aktiven Wirkstoffe lediglich mit einem Placebo, was die Wahl der optimalen Therapie in der Praxis erschwert.

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Quelle: Cochrane Review: Immunomodulators and immunosuppressants for progressive multiple sclerosis: a network meta-analysis (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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