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Ernährungs-Interventionen bei MS: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vermutlich auf einer Fehlregulation des Immunsystems beruht. Da konventionelle medikamentöse Therapien oft nur teilweise wirksam sind, greifen viele Betroffene auf komplementäre und alternative Medizin (CAM) zurück.

Ernährungs-Interventionen gehören zu den am häufigsten genutzten komplementären Ansätzen. Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht die Wirksamkeit verschiedener Diäten und Nahrungsergänzungsmittel auf MS-spezifische Endpunkte.

Ausgeschlossen von dieser Analyse ist Vitamin D, welches in einem separaten Review behandelt wird. Die eingeschlossenen Studien weisen laut den Autoren häufig methodische Mängel auf, was die Aussagekraft der Ergebnisse limitiert.

Empfehlungen

Die Meta-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zu verschiedenen Ernährungs-Interventionen bei Multipler Sklerose:

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFAs)

Laut Review gibt es keine ausreichende Evidenz für einen signifikanten Nutzen von PUFAs im Vergleich zu einfach ungesättigten Fettsäuren (MUFAs). Dies betrifft sowohl die Schubrate als auch das Fortschreiten der Behinderung.

Auch der direkte Vergleich verschiedener PUFAs (Omega-3 versus Omega-6) zeigt keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich klinischer Endpunkte oder der Läsionslast im MRT.

Antioxidantien und weitere Supplemente

Die Auswertung von Studien zu Antioxidantien im Vergleich zu Placebo ergab keinen signifikanten Vorteil für die untersuchten Präparate.

Die Autoren betonen, dass sich keine positiven Effekte auf folgende Parameter nachweisen ließen:

  • Reduktion der MS-Schübe

  • Verzögerung der Krankheitsprogression

  • Verringerung Gadolinium-aufnehmender Läsionen im MRT

Spezifische Diätprogramme und Biotin

Die untersuchten Ernährungsprogramme (wie z.B. Paleo-Diät oder fettarme pflanzliche Ernährung) waren methodisch zu heterogen für eine gepoolte Analyse. Einzelne Pilotstudien deuten jedoch auf eine mögliche Verbesserung der Fatigue hin.

Für hochdosiertes Biotin (MD1003) gibt es laut Review erste Hinweise auf einen möglichen Nutzen bei progredienten MS-Formen. Größere Folgestudien stehen hierzu noch aus.

Vergleich der untersuchten Interventionen

InterventionVergleichsgruppeEffekt auf SchubrateEffekt auf ProgressionEvidenzgrad (GRADE)
PUFAsMUFAsKein signifikanter UnterschiedKein signifikanter UnterschiedSehr niedrig
Omega-3-FettsäurenOmega-6-FettsäurenKein signifikanter UnterschiedKein signifikanter UnterschiedNiedrig bis moderat
AntioxidantienPlaceboKein signifikanter UnterschiedKein signifikanter UnterschiedSehr niedrig bis niedrig
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💡Praxis-Tipp

Der Review verdeutlicht, dass Ernährungs-Interventionen und Nahrungsergänzungsmittel bei Multipler Sklerose derzeit keine evidenzbasierte Alternative zur etablierten medikamentösen Therapie darstellen. Es wird hervorgehoben, dass weder PUFAs noch Antioxidantien einen nachweisbaren Einfluss auf die Schubrate oder die Krankheitsprogression haben. Bei der Aufklärung über komplementäre Ansätze sollte diese unzureichende Datenlage transparent kommuniziert werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Meta-Analyse gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in Bezug auf die Schubrate. Die Evidenz reicht nicht aus, um einen klinischen Nutzen zu belegen.

Der Review zeigt keinen signifikanten Vorteil von Antioxidantien gegenüber Placebo hinsichtlich der Krankheitsprogression. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird als sehr niedrig eingestuft.

Einzelne Pilotstudien zu modifizierten Paleo-Diäten oder fettarmer pflanzlicher Ernährung berichten über eine mögliche Verbesserung der Fatigue. Die Autoren betonen jedoch, dass die methodische Qualität dieser Studien gering ist und weitere Forschung benötigt wird.

Eine im Review erwähnte kleine Studie liefert erste Hinweise, dass hochdosiertes Biotin (MD1003) das Fortschreiten der Behinderung bei progredienten MS-Formen verringern könnte. Zur Bestätigung dieser Ergebnisse laufen derzeit größere randomisierte kontrollierte Studien.

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Quelle: Cochrane Review: Dietary interventions for multiple sclerosis-related outcomes (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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