Cannabis bei neuropathischen Schmerzen: Cochrane Review
Hintergrund
Chronische neuropathische Schmerzen betreffen etwa 6 bis 10 Prozent der Bevölkerung. Da etablierte medikamentöse Therapien oft nur bei einer Minderheit der Betroffenen eine ausreichende Linderung erzielen, besteht ein hoher Bedarf an neuen Behandlungsansätzen.
In den Medien werden Cannabis-basierte Medikamente zunehmend als Therapieoption bei chronischen Schmerzen diskutiert. Der aktuelle Cochrane Review aus dem Jahr 2026 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Präparate bei Erwachsenen.
Die analysierten Studien umfassen THC-dominante, CBD-dominante sowie THC/CBD-balancierte Medikamente. Diese wurden in Form von Mundsprays, Tabletten, Cremes oder als verdampftes pflanzliches Cannabis mit einem Placebo verglichen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zu Placebo:
Vergleich der Cannabis-basierten Medikamente
| Medikamentenklasse | Schmerzlinderung (≥ 50 %) | Unerwünschte Ereignisse (Nervensystem) | Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| THC-dominant | Keine klare Evidenz | Mögliche Zunahme (z. B. Schwindel) | Keine klare Evidenz für Unterschied |
| THC/CBD-balanciert | Keine klare Evidenz | Unklare Evidenz | Mögliche Zunahme |
| CBD-dominant | Keine klare Evidenz | Unklare Evidenz | Unklare Evidenz |
Detaillierte klinische Endpunkte
-
Für THC/CBD-Kombinationspräparate wird eine möglicherweise geringfügige Erhöhung der Personen beschrieben, die eine Schmerzlinderung von mindestens 30 Prozent erfahren (niedrige Vertrauenswürdigkeit).
-
Bei CBD-dominanten Präparaten sind die Ergebnisse zu klinischer Besserung und schwerwiegenden Nebenwirkungen stark begrenzt und widersprüchlich.
-
Für keine der drei Medikamentenklassen konnte eine klare Evidenz für eine Reduktion schwerwiegender unerwünschter Ereignisse festgestellt werden.
Einschränkungen der Evidenz
-
Die Vertrauenswürdigkeit der Gesamtevidenz wird von den Autoren als gering bis sehr gering eingestuft.
-
In vielen eingeschlossenen Studien fehlten laut Analyse ausreichende Angaben zur methodischen Durchführung.
-
Personen mit schweren Begleiterkrankungen, wie Herz-, Leber- oder psychischen Erkrankungen, waren von den Studien ausgeschlossen.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review weist darauf hin, dass die aktuelle Evidenz für Cannabis-basierte Medikamente bei neuropathischen Schmerzen sehr schwach ist und ein klarer Nutzen nicht belegt werden kann. Es wird hervorgehoben, dass insbesondere bei THC-haltigen Präparaten vermehrt mit unerwünschten Wirkungen auf das Nervensystem zu rechnen ist. Zudem wird betont, dass Patienten mit schweren kardialen, hepatischen oder psychiatrischen Begleiterkrankungen in den bisherigen Studien nicht untersucht wurden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem aktuellen Cochrane Review gibt es keine klare Evidenz dafür, dass Cannabis-basierte Medikamente eine Schmerzlinderung von 50 Prozent oder mehr bewirken. Die Vertrauenswürdigkeit der bisherigen Studien wird als sehr gering eingestuft.
Die Analyse zeigt, dass THC-dominante Medikamente im Vergleich zu Placebo möglicherweise die Anzahl unerwünschter Wirkungen auf das Nervensystem erhöhen. Dazu gehört beispielsweise das Auftreten von Schwindel.
Der Review stellt fest, dass es für CBD-dominante Medikamente unklar ist, ob sie eine relevante Schmerzlinderung erzielen. Die Ergebnisse der verfügbaren Studien sind widersprüchlich und die Evidenz ist stark begrenzt.
Die Autoren des Reviews weisen darauf hin, dass Menschen mit schweren körperlichen Begleiterkrankungen, wie Herz- oder Lebererkrankungen, aus den bisherigen Studien ausgeschlossen wurden. Daher liegen für diese Personengruppe keine verlässlichen Sicherheitsdaten vor.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults (Cochrane, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.