Chronische Schmerzen: Diagnostik & multimodale Therapie
Hintergrund
Chronische Schmerzen, definiert als Schmerzen mit einer Dauer von mehr als 12 Wochen, stellen eine große klinische Herausforderung dar. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und sind mit einer signifikanten Krankheitslast verbunden.
Die vorliegende SIGN-Leitlinie 136 fokussiert sich auf die Behandlung von Erwachsenen mit chronischen, nicht-malignen Schmerzen im nicht-spezialisierten Bereich. Ein multimodaler Ansatz ist entscheidend, da chronische Schmerzen komplexe biopsychosoziale Ursachen haben.
Ziel der Behandlung ist es, die Funktion und Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dabei spielt neben der medikamentösen Therapie auch die Förderung des Selbstmanagements eine zentrale Rolle in der Langzeitbetreuung.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management chronischer Schmerzen:
Diagnostik und Beurteilung
Es wird eine präzise Anamnese, Untersuchung und biopsychosoziale Beurteilung für alle Personen mit chronischen Schmerzen empfohlen. Dabei sollen die Schmerzart (neuropathisch, nozizeptiv oder gemischt), der Schweregrad und die funktionellen Auswirkungen erfasst werden.
Medikamentöse Therapie
Es wird empfohlen, Personen unter analgetischer Therapie mindestens einmal jährlich zu überprüfen. Bei einer Änderung der Medikation oder Begleiterkrankungen sollte dies häufiger erfolgen.
Für spezifische Substanzklassen gelten folgende Empfehlungen:
-
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können bei chronischen, unspezifischen Kreuzschmerzen erwogen werden.
-
Paracetamol wird allein oder in Kombination mit NSAR bei Hüft- oder Kniearthrose empfohlen.
-
Topische NSAR sollten bei muskuloskelettalen Schmerzen in Betracht gezogen werden.
-
Starke Opioide können bei chronischen Kreuzschmerzen oder Arthrose erwogen werden, sofern eine anhaltende Schmerzlinderung erzielt wird.
Neuropathische Schmerzen
Bei neuropathischen Schmerzen wird der Einsatz von Gabapentin oder Pregabalin als Erstlinientherapie empfohlen. Alternativ können trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Duloxetin eingesetzt werden.
Nicht-medikamentöse Therapien
Es wird empfohlen, Betroffene zur Teilnahme an multidisziplinären Schmerzbewältigungsprogrammen zu überweisen. Kognitive Verhaltenstherapie sollte als psychologische Behandlungsoption in Betracht gezogen werden.
Zusätzlich wird körperliches Training in jeglicher Form für das Management chronischer Schmerzen empfohlen. Bei chronischen Kreuzschmerzen sollte neben der Bewegungstherapie auch der Rat gegeben werden, im Alltag aktiv zu bleiben.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsrichtlinien für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen und Fibromyalgie:
| Medikament | Startdosis | Zieldosis / Maximaldosis | Indikation |
|---|---|---|---|
| Amitriptylin | 10-25 mg/Tag | 25-125 mg/Tag | Neuropathischer Schmerz, Fibromyalgie |
| Gabapentin | 300 mg zur Nacht | 1200-3600 mg/Tag | Neuropathischer Schmerz |
| Pregabalin | 75 mg zweimal täglich | bis zu 300 mg zweimal täglich | Neuropathischer Schmerz, Fibromyalgie |
| Duloxetin | 60 mg/Tag | 60-120 mg/Tag | Diabetische Neuropathie, Fibromyalgie, Arthrose |
| Carbamazepin | 100-200 mg/Tag | bis zu 1600 mg/Tag | Trigeminusneuralgie, Neuropathischer Schmerz |
Es wird eine langsame Auftitration empfohlen, um Nebenwirkungen zu minimieren.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:
-
Trizyklische Antidepressiva sollen nicht zur Behandlung von chronischen Kreuzschmerzen eingesetzt werden.
-
Bei der Verschreibung von NSAR müssen kardiovaskuläre und gastrointestinale Risiken zwingend berücksichtigt werden.
-
Eine fachärztliche Überweisung wird empfohlen, wenn die Opioiddosis 180 mg Morphinäquivalent pro Tag überschreitet oder eine schnelle Dosissteigerung ohne ausreichende Schmerzlinderung auftritt.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist eine regelmäßige, mindestens jährliche Überprüfung der analgetischen Therapie essenziell. Es wird zudem nachdrücklich darauf hingewiesen, bei einer benötigten Opioiddosis von über 180 mg Morphinäquivalent pro Tag oder bei rascher Dosissteigerung ohne ausreichenden Effekt eine fachärztliche Expertise hinzuzuziehen.
Häufig gestellte Fragen
Es wird empfohlen, die analgetische Therapie mindestens einmal jährlich zu überprüfen. Bei einer Änderung der Medikation oder bei veränderten Begleiterkrankungen sollte die Kontrolle häufiger erfolgen.
Starke Opioide können bei chronischen Kreuzschmerzen oder Arthrose erwogen werden. Voraussetzung ist, dass dadurch eine anhaltende Schmerzlinderung erzielt wird und regelmäßige Kontrollen stattfinden.
Nein, ein bloßer Rat zur Bewegung ist nicht ausreichend. Es wird empfohlen, den Rat, im Alltag aktiv zu bleiben, stets mit einer konkreten Bewegungstherapie zu kombinieren.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: SIGN 136: Management of bladder cancer (SIGN, 2005). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen