Ceritinib bei ALK+ NSCLC: Indikation und Dosierung
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung (A15-24) untersucht den Zusatznutzen des Wirkstoffs Ceritinib. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Patienten mit fortgeschrittenem, Anaplastische-Lymphomkinase (ALK)-positivem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), die bereits mit Crizotinib vorbehandelt wurden.
Für die Bewertung wird die Patientenpopulation anhand ihres Allgemeinzustandes (ECOG Performance Status) in zwei Gruppen unterteilt. Dies dient der Festlegung der jeweiligen zweckmäßigen Vergleichstherapie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).
Da der pharmazeutische Unternehmer keine direkt vergleichenden Studien vorlegen konnte, basierte das Dossier auf nicht adjustierten historischen Vergleichen. Diese wurden vom IQWiG hinsichtlich ihrer methodischen Eignung zur Ableitung eines Zusatznutzens geprüft.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zur Therapie und Überwachung:
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Laut Bericht richtet sich die Vergleichstherapie nach der Eignung der Patienten für eine Chemotherapie:
-
Bei Patienten, für die Docetaxel oder Pemetrexed infrage kommt (ECOG-PS 0, 1 und ggf. 2): Docetaxel oder Pemetrexed.
-
Bei Patienten, für die diese nicht infrage kommen (ECOG-PS 3, 4 und ggf. 2): Best Supportive Care (BSC).
Bewertung des Zusatznutzens
Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Ceritinib für beide Patientengruppen nicht belegt ist.
Die vom Hersteller vorgelegten historischen Vergleiche wurden als nicht interpretierbar eingestuft. Es wird darauf hingewiesen, dass die Vergleiche von Crizotinib-vorbehandelten mit Crizotinib-naiven Patienten ein zu hohes Verzerrungspotenzial aufweisen.
Qualitätsgesicherte Anwendung und Monitoring
Für die sichere Anwendung von Ceritinib werden im Bericht folgende Überwachungsmaßnahmen genannt:
-
Vor Behandlungsbeginn und danach monatlich sind Leberfunktionstests durchzuführen.
-
Es wird eine regelmäßige Kontrolle des Nüchternblutzuckers empfohlen.
-
Bei Patienten mit Herzinsuffizienz, Bradyarrhythmie oder Elektrolytstörungen sind EKG und Elektrolyt-Status regelmäßig zu überwachen.
-
Es wird empfohlen, auf pulmonale Symptome zu achten, die auf eine Pneumonitis hindeuten könnten.
Dosierung
Die Dosierungsangaben basieren auf den Vorgaben zur qualitätsgesicherten Anwendung im Bericht:
| Wirkstoff | Dosierung | Einnahmehinweis |
|---|---|---|
| Ceritinib | 750 mg 1-mal täglich | Mindestens 2 Stunden vor und nach der Nahrungsaufnahme |
Die Behandlung sollte laut Bericht so lange fortgesetzt werden, wie ein klinischer Nutzen besteht. Bei Unverträglichkeiten kann eine Dosisreduktion oder eine zeitweilige Unterbrechung erforderlich sein.
Es wird darauf hingewiesen, dass Ceritinib abgesetzt werden sollte, wenn eine Dosis von 300 mg täglich nicht vertragen wird.
Kontraindikationen
Der Bericht nennt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen für die Anwendung von Ceritinib:
-
Bei einer behandlungsbedingten Pneumonitis ist das Medikament abzusetzen.
-
Bei lebensbedrohlicher Bradykardie ist die Therapie zu beenden, sofern keine andere Ursache identifiziert wird.
-
Bei einer QTc-Verlängerung auf über 500 ms sollte die Behandlung unterbrochen werden. Bei Auftreten von Torsade de pointes oder polymorpher ventrikulärer Tachykardie ist Ceritinib komplett abzusetzen.
Zudem wird von der gleichzeitigen Anwendung starker CYP3A-Inhibitoren oder -Induktoren sowie dem Verzehr von Grapefruit oder Grapefruitsaft abgeraten. Die Anwendung bei angeborenem Long-QT-Syndrom sollte vermieden werden.
Ceritinib darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der klinische Zustand der Frau erfordert dies zwingend. Männer und Frauen müssen während und bis mindestens drei Monate nach der Therapie eine sichere Verhütungsmethode anwenden.
💡Praxis-Tipp
Laut Bericht ist bei der Einnahme von Ceritinib strikt auf den zeitlichen Abstand zur Nahrungsaufnahme zu achten. Es wird betont, dass die Einnahme mindestens zwei Stunden vor und zwei Stunden nach dem Essen erfolgen muss. Zudem wird auf das sehr häufige Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen hingewiesen, die eine entsprechende Überwachung und symptomatische Behandlung erfordern.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Ceritinib bei Crizotinib-vorbehandeltem ALK-positivem NSCLC nicht belegt. Die vom Hersteller vorgelegten historischen Vergleiche wurden aufgrund methodischer Mängel als nicht interpretierbar eingestuft.
Die empfohlene Dosis beträgt 750 mg einmal täglich. Die Einnahme muss zwingend mit einem Abstand von mindestens zwei Stunden vor und nach der Nahrungsaufnahme erfolgen.
Es wird empfohlen, vor Behandlungsbeginn und danach in monatlichen Abständen die Leberfunktionstests zu kontrollieren. Zudem rät der Bericht zur regelmäßigen Überwachung des Nüchternblutzuckers und der Elektrolyte.
Bei einer QTc-Verlängerung auf über 500 ms sollte die Behandlung laut Bericht unterbrochen werden, bis der Wert unter 481 ms sinkt. Treten zusätzlich Torsade de pointes oder schwere Arrhythmien auf, ist die Therapie dauerhaft abzusetzen.
Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A-Inhibitoren oder -Induktoren sollte vermieden werden. Ebenso wird von der Kombination mit Wirkstoffen abgeraten, die bekanntermaßen eine Bradykardie verursachen oder das QT-Intervall verlängern.
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Quelle: IQWiG A15-24: Ceritinib - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung) (IQWiG, 2015). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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