Bakterielle Vaginose: Amsel-Kriterien und Therapie
Hintergrund
Die bakterielle Vaginose (BV) ist die weltweit häufigste urogenitale Störung bei Frauen im sexuell aktiven Alter. Sie ist durch eine stark erhöhte Bakterienzahl, insbesondere von Gardnerella species, und eine hohe bakterielle Diversität an anaeroben Bakterien gekennzeichnet.
Ein entscheidender pathogenetischer Faktor ist die Bildung eines bakteriellen Biofilms auf dem Vaginalepithel, der die protektiven Laktobazillen verdrängt. Dieser Biofilm führt häufig zu Therapieversagen und chronisch-rezidivierenden Verläufen.
Typische Symptome umfassen einen dünnflüssigen, homogen gräulichen Ausfluss mit fischigem Amingeruch und einen alkalischen vaginalen pH-Wert. Bei einem Teil der betroffenen Frauen fehlen diese Beschwerden jedoch gänzlich, weshalb die Erkrankung oft unbemerkt bleibt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass die im Biofilm vorhandenen Gardnerella species häufig Resistenzen gegen Metronidazol aufweisen, was ein wesentlicher Grund für Therapieversagen ist. Bei chronisch-rezidivierenden Verläufen wird daher der Einsatz von lokalen Antiseptika oder eine suppressive Erhaltungstherapie empfohlen. Zudem wird betont, dass eine alleinige Therapie mit Milchsäure oder Laktobazillen zur Heilung einer manifesten bakteriellen Vaginose nicht ausreicht.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfolgt die orientierende Diagnostik über die Amsel-Kriterien und den mikroskopischen Nachweis von Schlüsselzellen (clue cells). Zur Labordiagnostik wird eine Gram-Färbung mit Auswertung nach dem Nugent-Score oder Hay-Ison-Score empfohlen.
Es wird eine Therapie mit oralem oder topischem Clindamycin oder Metronidazol empfohlen. Alternativ können gemäß Leitlinie lokale Antiseptika wie Dequaliniumchlorid oder Octenidin eingesetzt werden.
Eine routinemäßige Partnerbehandlung wird nicht generell empfohlen. Bei chronisch-rezidivierenden Verläufen kann eine Mitbehandlung des Partners laut Leitlinie jedoch erwogen werden.
Die Leitlinie empfiehlt bei symptomatischen Schwangeren primär eine Therapie mit Clindamycin oder vaginalen Antiseptika. Auch asymptomatische Schwangere mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten sollten behandelt werden.
Milchsäure und Probiotika können komplementär nach einer antibiotischen oder antiseptischen Therapie angewendet werden. Sie scheinen sich positiv auf die Regeneration der Vaginalflora und die Rezidivprophylaxe auszuwirken.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Bakterielle Vaginose (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen