GBS-Prophylaxe Neugeborenensepsis: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Ein generelles GBS-Screening (vaginal/rektal) wird für alle Schwangeren zwischen 35+0 und 37+0 SSW empfohlen.
- •Mittel der Wahl zur subpartalen Prophylaxe ist Penicillin G i.v. (Erstdosis 5 Mio. IE, dann 2,5 Mio. IE alle 4h).
- •Bei unbekanntem GBS-Status erfolgt die Antibiose risikobasiert (Frühgeburt, Blasensprung ≥ 18h, Fieber ≥ 38,0 °C).
- •Neugeborene von GBS-positiven Müttern ohne Infektionszeichen müssen mindestens 48 Stunden engmaschig klinisch überwacht werden.
Hintergrund
Streptokokken der Gruppe B (GBS, Streptococcus agalactiae) gehören zu den häufigsten Ursachen für schwere Infektionen bei Neugeborenen. Die Leitlinie fokussiert sich auf die frühe Form (Early-Onset Sepsis), die innerhalb der ersten 72 Lebensstunden auftritt. Die Infektion erfolgt meist intrauterin über kolonisiertes Fruchtwasser. Klinisch äußert sich die Infektion als Sepsis, Pneumonie oder seltener als Meningitis.
Risikofaktoren für eine frühe GBS-Sepsis
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko einer kindlichen Infektion signifikant:
- Nachweis von GBS im Ano-Genitalbereich der Schwangeren zum Zeitpunkt der Geburt
- GBS-Bakteriurie während der Schwangerschaft (Zeichen hoher Keimdichte)
- Blasensprung ≥ 18 Stunden vor der Geburt
- Fieber der Mutter unter der Geburt ≥ 38,0 °C
- Frühgeburt < 37+0 SSW
- Vorausgegangene Geburt eines an GBS erkrankten Kindes
GBS-Screening in der Schwangerschaft
Die Leitlinie empfiehlt ein generelles Screening aller Schwangeren:
- Zeitpunkt: Zwischen 35+0 und 37+0 SSW
- Methode: Kombinierter Abstrich (vaginal und rektal)
- Diagnostik: Kulturelle Anlage auf antibiotikahaltigen Selektivmedien (erhöht die Nachweisrate um bis zu 100 % im Vergleich zu normalen Blutagarplatten)
Hinweis: Von Schnelltests ohne vorherige Erregeranreicherung wird aufgrund zu geringer Sensitivität abgeraten.
Subpartale Antibiotikaprophylaxe (Mutter)
Bei Nachweis einer GBS-Besiedlung erfolgt keine sofortige Therapie in der Schwangerschaft, da die Rekolonisierungsrate hoch ist. Die Prophylaxe erfolgt als subpartale intravenöse Antibiose (IAP) mit Wehenbeginn oder nach Blasensprung. Die erste Gabe sollte idealerweise > 4 Stunden vor der Geburt erfolgen.
| Wirkstoff | Initialdosis | Erhaltungsdosis (bis zur Geburt) | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Penicillin G | 5 Mio. IE i.v. | 2,5 Mio. IE i.v. alle 4h | Mittel der Wahl |
| Ampicillin | 2 g i.v. | 1 g i.v. alle 4h | Wirksame Alternative |
| Cefazolin | 2 g i.v. | 1 g i.v. alle 8h | Bei Penicillinallergie |
| Clindamycin | 900 mg i.v. | 900 mg i.v. alle 8h | Nur bei Cefazolin-Allergie und nachgewiesener Sensibilität |
Besondere klinische Situationen:
- Unbekannter GBS-Status: Antibiose nur bei Vorliegen von Risikofaktoren (Frühgeburt < 37+0 SSW, Blasensprung ≥ 18h, Fieber ≥ 38,0 °C).
- Primäre Sectio: Bei intakter Fruchtblase und ohne Wehentätigkeit wird auf eine GBS-Prophylaxe verzichtet.
- GBS-Bakteriurie / Z.n. GBS-Kind: Immer subpartale Prophylaxe, ein vorheriges Screening ist verzichtbar.
Vorgehen beim Neugeborenen
Das Management des Neugeborenen richtet sich nach der Klinik und dem mütterlichen Risikoprofil:
| Klinische Situation | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|
| Klinische Infektionszeichen | Sofortige Diagnostik, Therapie & Verlegung in Kinderklinik (unabhängig von Prophylaxe) |
| Keine Symptome, Mutter GBS-positiv/unbekannt | Engmaschige klinische Kontrolle für mindestens 48 Stunden |
| Keine Symptome, Mutter GBS-positiv/unbekannt + Risikofaktoren | Kontrolle ≥ 48h + ggf. Labordiagnostik (Diff-BB, IL-6/IL-8, CRP) |
| Keine Symptome, Mutter GBS-negativ | Normale Neugeborenenversorgung |
Definition engmaschige Kontrolle: Mindestens alle 4 Stunden Dokumentation von Allgemeinzustand, Atmung, Trinkverhalten, Hautkolorit und Temperatur.
💡Praxis-Tipp
Ein primärer Kaiserschnitt (ohne Wehen und ohne Blasensprung) erfordert keine GBS-Prophylaxe, auch bei positivem Abstrich. Denken Sie daran, bei Penicillinallergie und geplanter Clindamycin-Gabe zwingend eine Resistenztestung im Labor anzufordern.