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Urethritis beim Mann: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Häufigste Erreger sind C. trachomatis, N. gonorrhoeae und M. genitalium.
  • Die Klassifikation in gonorrhoische (GU) und nicht-gonorrhoische Urethritis (NGU) erfolgt primär anhand der Ausfluss-Qualität.
  • Eine NAT auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis aus Erststrahlurin oder Abstrich ist diagnostischer Standard.
  • Bei Ausfluss soll zusätzlich eine mikrobiologische Kultur auf N. gonorrhoeae zur Resistenztestung angelegt werden.
  • Die empirische Therapie erfolgt bei GU mit Ceftriaxon und Doxycyclin, bei NGU mit Doxycyclin.
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Hintergrund

Die Urethritis (Harnröhrenentzündung) ist eine Entzündung der urethralen Mukosa. Sie äußert sich durch subjektive Symptome und klinische Anzeichen, wobei ein erheblicher Anteil der Infektionen auch asymptomatisch verlaufen kann.

Typische Symptome und Anzeichen:

  • Urethraler Ausfluss
  • Dysurie oder Algurie
  • Brennen, Juckreiz oder Schmerzen im Bereich der distalen Urethra oder des Meatus urethrae externus
  • Erythem im Bereich des Meatus urethrae externus
  • Inguinale Lymphadenopathie

Erregerspektrum und Koinfektionen

In der überwiegenden Mehrheit wird die Urethritis durch sexuell übertragene bakterielle Pathogene verursacht. Koinfektionen sind häufig (z. B. liegt bei 21 % der N. gonorrhoeae-Nachweise eine Koinfektion mit C. trachomatis vor).

ErregerHäufigkeit bei UrethritisBemerkung
C. trachomatis18 %Häufigster Erreger
N. gonorrhoeae14 %Hohes Koinfektionsrisiko
M. genitalium13 %Zunehmende Resistenzen (Makrolide/Fluorchinolone)
U. urealyticum15 %Relevanz als Auslöser im Einzelfall zu prüfen

Differenzialdiagnosen

Besonders bei vorrangiger Angabe von Dysurie sollen eine Zystitis und eine Infektion der oberen Harnwege ausgeschlossen werden. Folgende Kriterien sprechen gegen eine unkomplizierte Urethritis und erfordern eine entsprechende Differenzialdiagnostik:

  • Pollakisurie, Nykturie, imperativer Harndrang, Inkontinenz
  • Makrohämaturie, Trübung des Urins
  • Suprapubische Schmerzen
  • Fieber, Schüttelfrost, Minderung des Allgemeinzustands
  • Anamnese früherer Zystitiden
  • Fehlende Sexualkontakte

Klinische Klassifikation

Zur Auswahl einer adäquaten empirischen antibiotischen Therapie wird die Urethritis initial klassifiziert. Die Einteilung ersetzt jedoch nicht die Erregerdiagnostik.

KlassifikationAusfluss-QualitätMikroskopie (optional)
Gonorrhoische Urethritis (GU)Purulent (gelblich-grünlich)Intraleukozytäre Diplokokken nachweisbar
Nicht-gonorrhoische Urethritis (NGU)Mukoid (wässrig-klar) oder mukopurulent (weißlich-undurchsichtig)Keine intraleukozytären Diplokokken

Hinweis: Wenn kein Ausfluss erkennbar ist, aber sonstige klinische Anzeichen oder Symptome vorliegen, soll die Urethritis initial als NGU klassifiziert werden.

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich auf molekularbiologische und kulturelle Verfahren:

  • Standard-NAT: Unabhängig von der Klassifikation soll eine Nukleinsäureamplifikationstestung (NAT) auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis erfolgen (Erststrahlurin oder meataler/urethraler Abstrich).
  • Erweiterte NAT: Zusätzlich sollte eine NAT auf M. genitalium erfolgen.
  • Kultur: Bei Vorliegen von urethralem Ausfluss soll ein Abstrich zur mikrobiologischen Anzucht und Resistenztestung von N. gonorrhoeae erfolgen.
  • Resistenztestung (molekular): Wird auf M. genitalium getestet, sollte begleitend eine Testung auf Resistenzmarker gegenüber Makroliden und Fluorchinolonen erfolgen.

Empirische Therapie

Da die Erregeridentifikation Zeit in Anspruch nimmt, wird oftmals eine empirische Therapie eingeleitet.

VerdachtsdiagnoseEmpirische TherapieBemerkung
GUCeftriaxon + DoxycyclinAuf Doxycyclin sollte verzichtet werden, wenn eine Wiedervorstellung zur Behandlung etwaiger Koinfektionen gesichert ist.
NGUDoxycyclin

Wichtig: Sowohl bei GU als auch bei NGU wird auf den Einsatz von Azithromycin soweit möglich verzichtet.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie für die NAT-Diagnostik auf Gonokokken und Chlamydien den Erststrahlurin nach mindestens 2 Stunden Miktionskarenz. Die Sensitivität ist sehr hoch (>93%) und die Probengewinnung für den Patienten deutlich schmerzärmer als ein urethraler Abstrich.

Häufig gestellte Fragen

Ein purulenter (gelblich-grünlicher) Ausfluss spricht für eine gonorrhoische Urethritis (GU). Ein mukoider (wässrig-klarer) oder mukopurulenter (weißlich-undurchsichtiger) Ausfluss spricht für eine nicht-gonorrhoische Urethritis (NGU).
Es soll immer eine NAT auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis erfolgen. Eine zusätzliche Testung auf M. genitalium wird empfohlen.
Bei Vorliegen von urethralem Ausfluss soll immer ein Abstrich zur mikrobiologischen Anzucht und Resistenztestung von N. gonorrhoeae erfolgen, um bei Therapieversagen gezielt behandeln zu können.
Bei Verdacht auf GU erfolgt die Therapie mit Ceftriaxon und Doxycyclin. Bei Verdacht auf NGU wird empirisch mit Doxycyclin behandelt. Auf Azithromycin sollte verzichtet werden.

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