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Operative Therapie von Nebennierentumoren: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hormonaktive Nebennierentumoren stellen unabhängig von der Größe eine Operationsindikation dar.
  • Primäre Tumoren ≤6 cm ohne Malignitätsverdacht sollen minimal-invasiv operiert werden.
  • Hormoninaktive Tumoren >6 cm erfordern wegen des Malignitätsrisikos eine offene Operation.
  • Beim Phäochromozytom ist präoperativ zwingend eine Alpha-1-Rezeptorenblockade durchzuführen.
  • Bei bilateralen Tumoren sollte ein adrenokortikaler Funktionserhalt (Erhalt von mind. 1/3 einer Nebenniere) angestrebt werden.
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Hintergrund

Die operative Therapie von Nebennierentumoren erfordert eine differenzierte Indikationsstellung basierend auf der Hormonaktivität, der Tumorgröße und dem Malignitätsrisiko. Ziel ist die sichere Beseitigung der Erkrankung unter Abwägung operativer Risiken und der Vermeidung von Sekundärkomplikationen.

Allgemeine Operationsindikationen und Zugangswege

Die Wahl des Operationsverfahrens hängt maßgeblich von der Größe und der Hormonaktivität des Tumors ab. Hormonaktive Nebennierentumoren stellen in der Regel unabhängig von der Tumorgröße eine Operationsindikation dar.

TumoreigenschaftEmpfohlenes VorgehenBemerkung
Primäre Tumoren ≤6 cm (ohne Malignitätsverdacht)Minimal-invasivLaparoskopisch und retroperitoneoskopisch sind gleichwertig.
Hormoninaktive Tumoren >6 cmOffene OperationExponentiell steigendes Malignitätsrisiko.
Hormoninaktive Tumoren 4-6 cmIndividuelle EntscheidungInterdisziplinäre Abstimmung empfohlen.
Hormoninaktive Tumoren <4 cmKeine OperationSofern keine Hinweise auf Malignität vorliegen.
Bilaterale TumorenParenchymerhaltende ResektionErhalt von mind. 1/3 einer Nebenniere anstreben.

Conn-Syndrom (Primärer Hyperaldosteronismus)

Beim primären Hyperaldosteronismus (PHA) muss präoperativ eine biochemische Sicherung und eine Seitenlokalisation erfolgen.

  • Biochemische Sicherung: Bestimmung des Aldosteron-Renin-Quotienten (ARQ) und Bestätigungstests (z.B. Kochsalz-Belastungstest).
  • Bildgebung: Schnittbildgebung mit Kontrast-CT oder MRT.
  • Adrenales Venensampling (AVS): Bei unklarer Lokalisation in der Bildgebung zur funktionellen Lateralisierung empfohlen.
Form des PHATherapieempfehlung
Unilaterale FormOperation indiziert (minimal-invasiv).
Bilaterale HyperplasieKeine Operation (außer AVS zeigt funktionelle Lokalisation).

Cushing-Syndrom und Androgen-produzierende Tumoren

Beim Hyperkortisolismus muss zwischen ACTH-abhängigen und ACTH-unabhängigen Formen unterschieden werden.

  • Unilaterales Adenom / Karzinom: Adrenalektomie ist indiziert.
  • ACTH-abhängiges Cushing-Syndrom: Bilaterale Adrenalektomie nur als Ultima Ratio, wenn kausale Therapien (z.B. Hypophysen-OP) versagen.
  • Androgen-/Östrogen-produzierende Tumoren: Sollen immer operiert werden, da ein hohes Risiko für ein Nebennierenrindenkarzinom besteht.

Phäochromozytom und Paragangliom

Die Diagnostik und Vorbereitung bei Katecholamin-produzierenden Tumoren erfordert besondere Vorsicht.

MaßnahmeEmpfehlung
LabordiagnostikBestimmung der Metanephrine (plasmafreies Serum oder 24h-Sammelurin).
BildgebungCT-Abdomen (1. Wahl). MRT bei extra-adrenalen Tumoren, Schwangeren oder Kindern.
Präoperative VorbereitungAlpha-1-Rezeptorenblockade zwingend erforderlich bei symptomatischen Patienten.
OperationMinimal-invasiv bei unilateralen Tumoren <6 cm. Offen bei Tumoren >6 cm oder Metastasen.

Nebennierenrindenkarzinom (ACC) und Metastasen

Beim Nebennierenrindenkarzinom soll primär eine offene Adrenalektomie erfolgen. Eine radikale Primärtumorresektion ohne Kapseleröffnung mit lokoregionärer Lymphadenektomie wird empfohlen. Bei Tumoren <6 cm ohne Infiltration (ENSAT I+II) kann bei entsprechender Expertise minimal-invasiv operiert werden.

Asymptomatische Myelolipome und Nebennierenzysten stellen keine Operationsindikation dar.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf ein Phäochromozytom niemals eine Operation ohne vorherige ausreichende Alpha-1-Rezeptorenblockade durch. Bei unklarer Seitenlokalisation eines Conn-Syndroms in der Bildgebung ist das adrenale Venensampling (AVS) entscheidend, um eine unnötige Adrenalektomie zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Ab einer Größe von >6 cm wegen des exponentiell steigenden Malignitätsrisikos. Bei 4-6 cm ist eine individuelle Entscheidung nötig, unter 4 cm wird meist nicht operiert.
Laparoskopische und retroperitoneoskopische Verfahren sind laut Leitlinie gleichwertig. Die Wahl hängt von der Präferenz und Expertise des Operateurs ab.
Ja, insbesondere bei bilateralen Tumoren (z.B. hereditäres Phäochromozytom) sollte ein adrenokortikaler Funktionserhalt angestrebt werden, indem mindestens ein Drittel einer Nebenniere erhalten bleibt.
Die Bestimmung der freien Metanephrine im plasmafreien Serum oder im 24h-Sammelurin ist der diagnostische Test der Wahl.
Wenn die Schnittbildgebung (CT/MRT) keine eindeutige Seitenlokalisation des primären Hyperaldosteronismus zulässt, um eine funktionelle Lateralisierung zu erreichen.

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