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Schilddrüsenkarzinom: Leitlinie zur Diagnostik (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Prävalenz von Schilddrüsenknoten in Deutschland ist hoch, während das Schilddrüsenkarzinom relativ selten ist.
  • Eine standardisierte B-Mode-Sonographie ist zur Risikostratifizierung von Schilddrüsenknoten obligatorisch.
  • Die Einschätzung der Malignitätswahrscheinlichkeit sollte mittels eines TIRADS-Klassifikationssystems erfolgen.
  • Die farbkodierte Duplexsonographie (FKDS) ist zur Dignitätsbeurteilung von Knoten entbehrlich, hilft aber bei der Lymphknotenbeurteilung.
  • Bei Malignitätsverdacht ist eine systematische und standardisierte Lymphknotensonographie zwingend erforderlich.
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Hintergrund

Die Prävalenz von Schilddrüsenknoten ist in Deutschland hoch. Das Schilddrüsenkarzinom gehört hingegen zu den selteneren Karzinomen, auch wenn die Inzidenz (insbesondere durch die vermehrte Detektion von papillären Mikrokarzinomen) ansteigt.

Risikofaktor-GruppeSpezifische Faktoren
Hereditär / GenetischVerwandte 1. Grades mit Schilddrüsenkarzinom, RET-Mutationen (medulläres Karzinom, MEN2), familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP), Cowden-Syndrom
UmweltfaktorenVorausgegangene Bestrahlung des Halses, Mediastinums oder Kopfes (besonders im Kindesalter)
HormonellDiskrete Inzidenzzunahme bei hohem basalen TSH-Wert (für das papilläre Karzinom)
ImmunologischHashimoto-Thyreoiditis (bei Euthyreose oder geringem Substitutionsbedarf)

Klinische Untersuchung

Vor einer Ultraschalluntersuchung soll eine klinische Untersuchung erfolgen (Expertenkonsens). Diese umfasst die Inspektion des Halses sowie die Palpation der Schilddrüse und der Lymphknotenstationen. Hierbei ist auf Konsistenz, Verschieblichkeit, Druckdolenz sowie Hautrötung und Überwärmung zu achten.

Sonographie der Schilddrüse

Zur Risikostratifizierung von Schilddrüsenknoten soll eine standardisierte B-Mode-Sonographie erfolgen (Expertenkonsens). Ein generelles sonographisches Screening wird nicht empfohlen, da es zu Überdiagnostik führt.

KriteriumAusprägung / Beurteilung
Echogenitätstärker echogen, isoechogen, schwächer echogen, stark schwächer echogen, echofrei
Berandungglatt inkl. Halo, lobuliert, irregulär, unscharf
VerkalkungenMikrokalk, Makrokalk, Randkalk
Konfigurationwider-than-tall, taller-than-wide
Spezifische Charakteristikaspongiform, Konglomerat, Zyste

TIRADS-Klassifikation: Die Einschätzung der Malignitätswahrscheinlichkeit sollte mittels eines TIRADS-Klassifikationssystems erfolgen (Empfehlungsgrad B). Eine Präferenz für ein spezifisches System (z. B. ACR TI-RADS, EU-TIRADS, Kwak-TIRADS) wird aktuell nicht ausgesprochen.

Ergänzende sonographische Verfahren

VerfahrenEmpfehlungBemerkung
ElastographieEmpfehlungsgrad B (sollte erfolgen)Steigert die diagnostische Sicherheit bei sachgemäßer Durchführung. Ein vollständig weicher Knoten macht ein Malignom unwahrscheinlich.
Farbkodierte Duplexsonographie (FKDS)Expertenkonsens (kann erfolgen)Zur Dignitätsbeurteilung entbehrlich. Hilfreich zur Beurteilung von Ausdehnung und Berandung.
Kontrastmittelverstärkte Sonographie (CEUS)Empfehlungsgrad B (sollte nicht routinemäßig erfolgen)Derzeit kein standardisierter Untersuchungsalgorithmus; hohe Kosten und Invasivität.

Lymphknotensonographie

Bei Schilddrüsenknoten mit Zeichen der Malignität soll eine systematische sonographische Untersuchung der Lymphabflussgebiete erfolgen (Expertenkonsens).

  • Die Untersuchung soll unter Verwendung eines standardisierten Protokolls erfolgen und dokumentiert werden.
  • Auffällige Lymphknoten sollen klassifiziert werden (unspezifisch vergrößert, unklar, malignitätsverdächtig).
  • Die farbkodierte Dopplersonographie (FKDS) sollte zur Beurteilung zervikaler Lymphknoten eingesetzt werden (Expertenkonsens).
  • Präoperativ soll die Halssonographie wegen ihrer sehr hohen Spezifität eingesetzt werden (Expertenkonsens).

Sonomorphologische Kriterien normaler Lymphknoten: Ovalär, gering schwächer echogen mit einem stärker echogenen Hilus. Der Nachweis eines Hilus schließt Malignität nahezu immer aus.

Kriterien suspekter Lymphknoten: Mikrokalzifikationen, zystische Anteile, periphere oder diffus gesteigerte Vaskularisation, stärkere Echogenität (ähnlich der Schilddrüse). Fehlendes Größenwachstum schließt eine Metastase nicht aus.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur Risikostratifizierung von Schilddrüsenknoten konsequent ein TIRADS-System und dokumentieren Sie die B-Mode-Kriterien standardisiert. Verlassen Sie sich bei der Dignitätsbeurteilung nicht auf die farbkodierte Duplexsonographie (FKDS).

Häufig gestellte Fragen

Nein, ein sonographisches Screening auf Schilddrüsenknoten ist nicht sinnvoll, da dies zu Überdiagnostik führt.
Hinweise auf Malignität sind unter anderem Mikrokalk, eine 'taller-than-wide' Form (größerer Durchmesser in der Sagittal- als in der Transversalebene) und irreguläre Knotenränder.
Die Elastographie sollte bei Verfügbarkeit ergänzend zur B-Mode-Sonographie eingesetzt werden. Ein vollständig weicher Knoten macht ein Malignom mit hoher Wahrscheinlichkeit unwahrscheinlich.
Nein, die Leitlinie empfiehlt derzeit, die CEUS nicht routinemäßig als ergänzende Methode durchzuführen, da standardisierte Algorithmen fehlen.
Ein gesunder Lymphknoten ist meist ovalär und zeigt einen echoreichen Hilus. Suspekte Lymphknoten weisen oft Mikrokalzifikationen, zystische Anteile oder eine periphere Vaskularisation auf.

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