Nierenzellkarzinom: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Rauchen, Adipositas und Hypertonie sind gesicherte modifizierbare Risikofaktoren.
- •CT (nativ, arteriell, venös) ist der Standard für das lokale Staging; MRT bei Verdacht auf Cava-Beteiligung.
- •Nierentumorbiopsien sind vor ablativen oder systemischen Therapien indiziert, bei zystischen Läsionen jedoch kontraindiziert.
- •Das Grading von klarzelligen und papillären Karzinomen erfolgt nach WHO-ISUP; chromophobe Karzinome werden nicht gradiert.
- •Ab einer Tumorgröße von > 3 cm sollte ein Thorax-CT zum Ausschluss von Lungenmetastasen erfolgen.
Hintergrund
Das Nierenzellkarzinom wird durch verschiedene modifizierbare Risikofaktoren begünstigt. Zu den gesicherten Risikofaktoren zählen Rauchen, Übergewicht (Adipositas) und Bluthochdruck. Eine adäquate Blutdruckeinstellung kann das Erkrankungsrisiko senken. Zudem gilt eine sehr hohe berufliche Exposition gegenüber Trichlorethen (TRI) als gesicherter Risikofaktor und kann als Berufskrankheit (BK Nr. 1302) anerkannt werden.
Bildgebende Diagnostik
Die Schnittbildgebung ist essenziell für das Staging und die Operationsplanung. Die Leitlinie empfiehlt klare Standards für die primäre Diagnostik:
| Indikation | Modalität | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Lokales Staging & Resektionsplanung | Mehrzeilen-CT (nativ, früharteriell, venös) | A (soll) |
| Verdacht auf Venen-/Cavabeteiligung | MRT (hochaufgelöst) | B (sollte) |
Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
Abhängig von der Klinik und Tumorgröße sind weitere Untersuchungen zum Ausschluss von Metastasen indiziert:
| Verdacht / Situation | Empfohlene Bildgebung |
|---|---|
| Asymptomatisch, Tumor > 3 cm | Thorax-CT |
| Klinischer Anhalt für Knochenmetastasen | Ganzkörper-CT (Low-Dose) oder MRT |
| Verdacht auf zerebrale Metastasen | Kontrastmittelverstärkte Schädel-MRT |
Nierentumorbiopsie
Die Indikation zur Biopsie einer unklaren Nierenraumforderung sollte nur gestellt werden, wenn das Ergebnis die Therapiewahl beeinflusst.
- Zwingende Indikation (soll): Vor ablativer Therapie oder vor systemischer Therapie (wenn bislang keine histopathologische Sicherung vorliegt).
- Kontraindikation: Zystische Raumforderungen sollten nicht biopsiert werden.
- Technik: Durchführung als Stanzzylinderbiopsie (mindestens 2 Biopsien unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle).
Pathologie und Klassifikation
Die histologische Typisierung soll nach der aktuellen WHO-Klassifikation erfolgen. Für das Grading gelten spezifische Vorgaben je nach Subtyp:
| Histologischer Subtyp | Grading-Empfehlung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Klarzelliges Nierenzellkarzinom | WHO-ISUP-Grading | - |
| Papilläres Nierenzellkarzinom | WHO-ISUP-Grading | Einteilung in Typ 1 und Typ 2 |
| Chromophobes Nierenzellkarzinom | Kein Grading | - |
Zusätzlich soll eine sarkomatoide und/oder rhabdoide Differenzierung (assoziiert mit schlechterer Prognose) sowie der prozentuale Anteil von Tumornekrosen im Befund angegeben werden.
Prognosemodelle
Zur individuellen Prognoseabschätzung und Patientenberatung können validierte multifaktorielle Modelle (z. B. UISS-Model, Karakiewicz-Nomogramme, SSIGN-Score) verwendet werden. Diese sind präziser als einzelne Tumorcharakteristika. Klinische prognostische Faktoren umfassen unter anderem den Performance Status, den Zeitpunkt und Ort von Metastasen sowie hämatologische Parameter (Hb-Wert, Thrombozyten, Neutrophile, LDH).
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf die Biopsie von zystischen Nierenraumforderungen. Führen Sie vor jeder ablativen oder systemischen Therapie ohne vorherige Histologie zwingend eine Stanzbiopsie (mindestens 2 Zylinder) durch.