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Operative Therapie des primären Hyperparathyreoidismus (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Operation ist die einzige kurative Therapie des pHPT und sollte altersunabhängig erfolgen.
  • Zur Diagnosesicherung sind wiederholte Bestimmungen von Serumcalcium, intaktem PTH, Kreatinin und 25(OH)-Vitamin D erforderlich.
  • Eine präoperative Lokalisationsdiagnostik (Sonographie, Szintigraphie) dient der OP-Planung, nicht der Indikationsstellung.
  • Bei fokussierten Eingriffen soll eine intraoperative Parathormonbestimmung (IOPTH) zum Ausschluss einer Mehrdrüsenerkrankung erfolgen.
  • Eine hyperkalzämische Krise erfordert eine sofortige stationäre Volumentherapie und eine frühzeitige Operation.
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Hintergrund

Der primäre Hyperparathyreoidismus (pHPT) ist eine der häufigsten endokrinen Erkrankungen, von der Frauen drei- bis viermal häufiger betroffen sind als Männer. In 85-90 % der Fälle wird der pHPT durch ein solitäres Nebenschilddrüsenadenom verursacht. Risikofaktoren umfassen eine Exposition gegenüber ionisierender Strahlung sowie eine Lithiummedikation.

Diagnostik

Ziel der biochemischen Diagnostik ist der Nachweis einer autonomen Sekretion des intakten Parathormons (PTH).

Empfohlene Basisdiagnostik:

  • Wiederholte Bestimmung des Serumcalciums
  • Intaktes Parathormon (PTH)
  • Kreatinin
  • 25(OH)-Vitamin D

Zur Abgrenzung wichtiger Differentialdiagnosen sind weitere Schritte notwendig:

DifferentialdiagnoseDiagnostischer SchrittBemerkung
Familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie (FHH)Calciumausscheidung im 24h-UrinCalcium-/Kreatinin-Clearance-Quotient <0,01 spricht für FHH, >0,02 für pHPT
Sekundärer HPT durch Vitamin-D-Mangel25(OH)-Vitamin-D-SpiegelHäufigste Ursache für reaktiv erhöhtes PTH bei Normokalzämie
Medikamentöse HyperkalzämieAnamneseLithium, Thiazid-Diuretika ausschließen

Operationsindikationen

Die Operation ist die einzige kausale Therapie des biochemisch gesicherten pHPT. Eine Indikation zur Operation besteht altersunabhängig (eine strikte Grenze von 50 Jahren ist nicht ausreichend evidenzbasiert).

IndikationKriterien / Bemerkung
Nephrolithiasis / NephrokalzinoseStoppt den Prozess der kontinuierlichen renalen Schädigung
OsteoporoseT-Score <-2,5 oder Frakturen nach Bagatelltraumen
Psychische/neurokognitive VeränderungenMüdigkeit, Schlafstörungen, Depression, Angststörungen
SchwangerschaftOperation bevorzugt im 2. Trimenon

Lokalisationsdiagnostik

Die präoperative Lokalisationsdiagnostik beeinflusst weder die Diagnose noch die Operationsindikation. Sie dient ausschließlich der Wahl des operativen Verfahrens (z.B. fokussierter Zugang).

  • Morphologische Bildgebung: Sonographie (inkl. Beurteilung der Schilddrüse) soll erfolgen.
  • Funktionelle Bildgebung: Sestamibi-Szintigraphie (SPECT/CT) kann erfolgen.
  • Alternative Verfahren: 4D-CT, PET/CT (C-11-Methionin oder F-18-Fluorcholin) bei negativer Basisdiagnostik oder Rezidiven.

Präoperatives Management und hyperkalzämische Krise

Bei einem 25(OH)-Vitamin-D-Spiegel <20 ng/ml kann eine Substitution (600-1000 IU/Tag) unter kurzfristigen Calciumkontrollen erfolgen. Eine prä- und postoperative Laryngoskopie zur Überprüfung der Stimmlippenfunktion soll bei allen Patienten erfolgen.

Management der hyperkalzämischen Krise (>3,5 mmol/l)

Eine hyperkalzämische Krise erfordert eine sofortige stationäre Aufnahme und medikamentöse Therapie als Vorbereitung für eine frühzeitige Operation.

StufeMaßnahmeBemerkung
1Forcierte DiuresePhysiologische NaCl-Lösung (2-3 l/24h) zum Volumenausgleich
2Schleifendiuretika(z.B. Furosemid) Erst nach erfolgtem Volumenausgleich
3Notfall-DialyseBei oligurischem/anurischem Nierenversagen oder Volumenüberladung
4CinacalcetOff-label use zur Senkung des PTH

Operative Therapie

Die Wahl des Zugangs (fokussiert, unilateral, bilateral) richtet sich nach der Lokalisationsdiagnostik und dem Verdacht auf eine Mehrdrüsenerkrankung.

Kernaussagen zur Operation:

  • Fokussierte Halsexploration: Empfohlen bei klinischen und bildgebenden Hinweisen auf ein solitäres Adenom.
  • Bilaterale Exploration: Primär empfohlen bei Verdacht auf Mehrdrüsenerkrankung (z.B. negative Bildgebung, familiäre Belastung, Lithium-Therapie).
  • Intraoperative Parathormonbestimmung (IOPTH): Soll bei fokussierten Eingriffen verwendet werden, um eine Mehrdrüsenerkrankung auszuschließen.
  • Gefrierschnitt: Eine Biopsie normal großer Nebenschilddrüsen sollte unterlassen werden, um deren Funktion nicht zu kompromittieren.
  • Thromboembolie-/Antibiotikaprophylaxe: Generell nicht empfohlen, nur bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei makroskopisch unauffälligen Nebenschilddrüsen niemals eine Biopsie oder intraoperative Gefrierschnittuntersuchung durch, um deren Durchblutung und Funktion nicht zu gefährden.

Häufig gestellte Fragen

Die Indikation zur Operation besteht altersunabhängig. Eine strikte Altersgrenze von 50 Jahren ist laut Leitlinie nicht ausreichend evidenzbasiert.
Durch die Bestimmung der Calciumausscheidung im 24-Stunden-Urin. Ein Quotient aus Calcium-Clearance/Kreatinin-Clearance <0,01 spricht für eine FHH, >0,02 für einen pHPT.
Nein. Die Lokalisationsdiagnostik beeinflusst weder die Diagnose noch die Indikation, sondern dient ausschließlich der Wahl des operativen Zugangsweges (z.B. fokussierte Operation).
Die IOPTH soll bei fokussierten Eingriffen zwingend angewendet werden, um eine Mehrdrüsenerkrankung sicher auszuschließen.
Im Vordergrund steht die forcierte Diurese mit physiologischer Kochsalzlösung (2-3l/24h) zum Volumenausgleich. Schleifendiuretika dürfen erst nach erfolgtem Volumenausgleich gegeben werden.

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