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Parkinson-Krankheit: Aktuelle S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Begriff 'Parkinson-Krankheit' (PK) ersetzt das 'idiopathische Parkinson-Syndrom' (IPS), da genetische Ursachen zunehmend erkannt werden.
  • Zur klinischen Diagnosestellung sollen die MDS-Kriterien von 2015 angewendet werden.
  • Die cMRT wird frühzeitig zur Differenzialdiagnostik empfohlen, ergänzend können DAT-SPECT und TCS eingesetzt werden.
  • Die initiale medikamentöse Monotherapie richtet sich nach Alter, Komorbiditäten und Symptomlast.
  • Ergoline Dopaminagonisten und Anticholinergika sollen nicht mehr standardmäßig eingesetzt werden.
  • Bei motorischen Fluktuationen kommen Kombinationsbehandlungen, Pumpentherapien oder die Tiefe Hirnstimulation (THS) zum Einsatz.
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Hintergrund

Die Nomenklatur hat sich geändert: Der Begriff "Parkinson-Krankheit" (PK) wird gegenüber "idiopathisches Parkinson-Syndrom" (IPS) bevorzugt, da ein relevanter Teil der Erkrankungen genetisch bedingt ist. Die PK ist eine Lewy-Körperchen-Krankheit, die zu einem Parkinson-Syndrom führt (Bradykinese plus Rigor, Tremor oder posturale Instabilität).

Diagnostik

Zur klinischen Diagnosestellung sollen die MDS-Kriterien (2015) angewendet werden, da sie eine höhere Sensitivität und Spezifität als die UK-Brain-Bank-Kriterien aufweisen. Ein langfristiges klinisches Follow-up (> 5 Jahre) ist für die Diagnosegenauigkeit entscheidend.

Diagnostik-ToolEmpfehlungBemerkung
Klinische KriterienMDS-Kriterien (2015)Goldstandard der klinischen Diagnose
cMRTFrühzeitig empfohlenZum Ausschluss sekundärer/atypischer Parkinson-Syndrome
Hirnparenchymsonographie (TCS)Kann erwogen werdenBeurteilung von Substantia nigra, Nucleus lentiformis, 3. Ventrikel
DAT-SPECTBei unklarem SyndromNachweis eines nigro-striatalen Defizits
FDG-PET / MIBG-SzintigraphieKann erwogen werdenZur Abgrenzung von atypischen Parkinson-Syndromen (z.B. MSA)
GenetikBei Manifestation <50 J. oder positiver FamilienanamneseUntersuchung von u.a. PRKN, PINK1, DJ1, LRRK2, SNCA, VPS35

Hinweis: Der akute Levodopa- oder Apomorphin-Test sollte nicht routinemäßig eingesetzt werden, gilt aber als supportives Kriterium der MDS-Kriterien (bei >30% Besserung im UPDRS III).

Medikamentöse Therapie

Die Wahl der initialen Monotherapie hängt von Alter, Komorbiditäten und Schweregrad ab. Bei biologisch jüngeren Patienten sollte eine Bevorzugung von Dopaminagonisten oder MAO-B-Hemmern erwogen werden, um motorische Komplikationen hinauszuzögern. Patienten, die Levodopa benötigen, sollen dieses jedoch erhalten.

SubstanzklasseWirkstoffe (Beispiele)Bemerkung
LevodopaLevodopa + Benserazid/CarbidopaRetard-Präparate nur zur Nacht; schnelllösliche zur Coupierung von Off-Phasen
DopaminagonistenPramipexol, Ropinirol, Rotigotin, Piribedil, ApomorphinNon-ergoline bevorzugen; ergoline Derivate sollen nicht mehr eingesetzt werden
MAO-B-HemmerSelegilin, Rasagilin, SafinamidSafinamid nur in Kombination mit Levodopa bei Fluktuationen
COMT-HemmerEntacapon, Opicapon, TolcaponTolcapon nur 2. Wahl wegen Hepatotoxizität
NMDA-AntagonistenAmantadinEinsatz u.a. bei Dyskinesien

Anticholinergika sollen aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Profils nicht mehr eingesetzt werden (Ausnahme: therapieresistenter Tremor in absoluten Einzelfällen).

Therapie von Komplikationen

Fluktuationen

Bei Wirkfluktuationen stehen folgende Optionen gleichwertig zur Verfügung:

  • Fraktionierung der Levodopa-Gaben
  • Zusätzliche Gabe von Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmern oder COMT-Hemmern
  • Levodopa-Präparate mit modifizierter Galenik

Dyskinesien

  • Amantadin sollte zur Reduktion Levodopa-induzierter Dyskinesien eingesetzt werden.
  • Safinamid kann bei mittelgradigen bis schweren Dyskinesien erwogen werden.

Nicht-motorische Symptome

Die Therapie nicht-motorischer Symptome ist essenziell für die Lebensqualität:

SymptomTherapieempfehlung
Kognitive Störungen / DemenzRivastigmin (Donepezil off-label); Kognitives Training
DepressionOptimierung der Dopaminergika (Pramipexol); Venlafaxin, Desipramin, Citalopram, Sertralin
Psychose1. Auslöser reduzieren, 2. Clozapin (Quetiapin off-label)
BlasenfunktionsstörungenAntimuskarinika (Solifenacin, Trospium), Mirabegron
Orthostatische HypotonieAuslöser meiden, Antihypertensiva reduzieren, blutdrucksteigernde Medikamente
SchlafstörungenSchlafhygiene, Anpassung der dopaminergen Therapie; bei RBD: sichere Umgebung, Clonazepam/Melatonin

Invasive Therapien

Invasive Verfahren sollten geprüft werden bei:

  • ≥ 5 Levodopa-Einnahmen/Tag
  • ≥ 2 h Off-Symptome/Tag
  • ≥ 1 h störende Dyskinesien/Tag

Optionen:

  • Pumpentherapien: Apomorphin-Pumpe oder Levodopa-Carbidopa-Intestinal-Gel (LCIG).
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Bevorzugt im Nucleus subthalamicus (STN). Indiziert bei motorischen Fluktuationen/Dyskinesien oder schwerem Tremor.
  • Ablative Verfahren: Pallidotomie oder MRgFUS (unilateral) in speziellen Fällen.

Fahreignung

Mit der Diagnose ist die Fahreignung für Lkw/Bus (Gruppe 2) in der Regel nicht gegeben. Für Pkw (Gruppe 1) kann sie nach individueller Beurteilung (inkl. neuropsychologischer Testung) bei erfolgreicher Therapie gegeben sein.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur Diagnosestellung die MDS-Kriterien von 2015 anstelle der veralteten UK-Brain-Bank-Kriterien. Setzen Sie Anticholinergika aufgrund ihres ungünstigen Nebenwirkungsprofils nicht mehr als Standardtherapie ein.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie empfiehlt den Begriff 'Parkinson-Krankheit', da genetische Ursachen zunehmend erkannt werden und die Erkrankung oft nicht rein 'idiopathisch' ist.
Bei einem Erkrankungsbeginn vor dem 50. Lebensjahr oder bei positiver Familienanamnese (zwei Verwandte 1. Grades oder einer 1. und einer 2. Grades).
Abhängig von Alter und Komorbiditäten können Levodopa, Non-Ergot-Dopaminagonisten oder MAO-B-Hemmer eingesetzt werden. Jüngere Patienten erhalten oft primär Dopaminagonisten.
Mittel der Wahl zur Reduktion von Dyskinesien ist Amantadin. Alternativ kann Safinamid erwogen werden.
Nach Optimierung der dopaminergen Therapie (z.B. mit Pramipexol) können Venlafaxin, Desipramin, Citalopram oder Sertralin eingesetzt werden.

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