pCAP Leitlinie: Pneumonie bei Kindern (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die pCAP wird primär klinisch diagnostiziert; bei nicht-schweren Verläufen ist auf Röntgen und Routinelabor zu verzichten.
- •Die Einteilung erfolgt in nicht-schwere, schwere und sehr schwere Pneumonie, maßgeblich bestimmt durch die O2-Sättigung.
- •Sauerstoffgabe ist bei einer O2-Sättigung ≤ 90 % obligat, bei ≤ 92 % zu erwägen.
- •Mittel der Wahl zur kalkulierten Antibiose ist Amoxicillin; Cephalosporine und Makrolide sind primär nicht indiziert.
- •Bei obstruktiver Symptomatik im Kleinkindalter liegt meist eine virale Genese vor, weshalb primär keine Antibiose erfolgen sollte.
Hintergrund
Die ambulant erworbene Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen (pCAP) betrifft Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 4 Wochen und 18 Jahren. Die Leitlinie schließt neonatale, nosokomiale oder beatmungsassoziierte Pneumonien sowie Pneumonien bei Immundefizienz oder chronischen Lungenerkrankungen aus.
Schweregradeinteilung
Die Einteilung erfolgt primär klinisch und anhand der pulsoximetrisch gemessenen Sauerstoffsättigung. Ein etablierter Score existiert nicht, der zuverlässigste Prädiktor für schwere Verläufe und Komplikationen ist die Hypoxämie.
| Schweregrad | Kriterien | Setting |
|---|---|---|
| Nicht-schwere Pneumonie | Keine therapeutisch relevante Hypoxämie, keine ausgeprägte Minderung der Nahrungs-/Flüssigkeitszufuhr | Ambulant |
| Schwere Pneumonie | Hypoxämie (O2-Gabe nötig), ausgeprägte Minderung der Nahrungs-/Flüssigkeitszufuhr | Stationär |
| Sehr schwere Pneumonie | Atemunterstützung (CPAP, NIV, MV) oder kreislaufunterstützende Medikamente nötig | Intensivstation |
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Bei jedem Kind sollte eine pulsoximetrische Messung der Sauerstoffsättigung erfolgen.
- Labor: Bei nicht-schwerer pCAP sollte keine routinemäßige Blutentnahme erfolgen. Bei schwerer pCAP sollte bei Aufnahme Blutbild, CRP, Elektrolyte, BGA und eine Blutkultur abgenommen werden.
- Bildgebung: Bei nicht-schwerer pCAP sollte auf ein Röntgen-Thorax verzichtet werden. Falls geröntgt wird, reicht eine Aufnahme im sagittalen Strahlengang (keine seitliche Aufnahme).
- Erregerdiagnostik: Bei nicht-schwerer pCAP nicht routinemäßig. Virale PCRs nur, wenn Konsequenzen für Therapie/Hygiene folgen.
Therapie
Sauerstoff und Supportivtherapie
- Sauerstoffgabe: Bei O2-Sättigung ≤ 90 % sollen Patienten Sauerstoff erhalten. Bei ≤ 92 % kann die Gabe erwogen werden.
- Flüssigkeit: Bei unzureichender oraler Aufnahme enterale (Magensonde) oder parenterale Zufuhr.
- Physiotherapie: Hat keinen belegbaren Einfluss und sollte bei unkomplizierter pCAP nicht erfolgen.
Antiinfektive Therapie
Bei obstruktiver Symptomatik im Kleinkindalter liegt meist eine virale Infektion vor, hier sollte primär nicht antibiotisch behandelt werden.
| Indikation | Wirkstoff | Dosierung |
|---|---|---|
| Primäre Wahl (nicht-schwer) | Amoxicillin p.o. | 50 mg/kg/d in 2-3 Einzeldosen |
| Primäre Wahl (schwer) | Ampicillin i.v. oder Amoxicillin p.o. | 100 mg/kg/d in 3 ED (i.v.) / 80 mg/kg/d (p.o.) |
| Penicillinallergie | Makrolide (z.B. Clarithromycin) oder Doxycyclin (>8 J.) | Clarithromycin: 15 mg/kg/d in 2 ED |
| Influenza/Masern-Koinfektion | Ampicillin/Sulbactam i.v. oder Amoxicillin/Clavulansäure p.o. | 100 mg/kg/d i.v. / 50-80 mg/kg/d p.o. |
Wichtige Grundsätze zur Antibiose:
- Cephalosporine und Makrolide sollten in der primären Therapie nicht zur Anwendung kommen.
- Bei Verdacht auf Mycoplasma pneumoniae (nicht-schwer) kann zugewartet werden. Bei schwerer pCAP Makrolide oder Tetrazykline (>8 Jahre).
- Therapiedauer bei unkomplizierter pCAP: 5 Tage, möglichst peroral.
Komplikationen
Zu den Komplikationen zählen parapneumonischer Pleuraerguss (PPE), Pleuraempyem (PE), nekrotisierende Pneumonie (NP) und Lungenabszess.
- Diagnostik: Thoraxsonografie bei PPE/PE, Thorax-CT bei Verdacht auf NP/Abszess.
- Therapie: Kalkulierte Antibiose mit Aminopenicillin + Betalaktamaseinhibitor. Bei großen Ergüssen (> 50 % des Hemithorax) sollte eine Punktion/Drainage erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei nicht-schwerer pCAP auf Röntgen-Thorax und Laboruntersuchungen. Bestimmen Sie stattdessen bei jedem Kind die Sauerstoffsättigung mittels Pulsoximetrie, da die Hypoxämie der zuverlässigste Prädiktor für einen schweren Verlauf ist.