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pCAP Leitlinie: Pneumonie bei Kindern (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die pCAP wird primär klinisch diagnostiziert; bei nicht-schweren Verläufen ist auf Röntgen und Routinelabor zu verzichten.
  • Die Einteilung erfolgt in nicht-schwere, schwere und sehr schwere Pneumonie, maßgeblich bestimmt durch die O2-Sättigung.
  • Sauerstoffgabe ist bei einer O2-Sättigung ≤ 90 % obligat, bei ≤ 92 % zu erwägen.
  • Mittel der Wahl zur kalkulierten Antibiose ist Amoxicillin; Cephalosporine und Makrolide sind primär nicht indiziert.
  • Bei obstruktiver Symptomatik im Kleinkindalter liegt meist eine virale Genese vor, weshalb primär keine Antibiose erfolgen sollte.
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Hintergrund

Die ambulant erworbene Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen (pCAP) betrifft Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 4 Wochen und 18 Jahren. Die Leitlinie schließt neonatale, nosokomiale oder beatmungsassoziierte Pneumonien sowie Pneumonien bei Immundefizienz oder chronischen Lungenerkrankungen aus.

Schweregradeinteilung

Die Einteilung erfolgt primär klinisch und anhand der pulsoximetrisch gemessenen Sauerstoffsättigung. Ein etablierter Score existiert nicht, der zuverlässigste Prädiktor für schwere Verläufe und Komplikationen ist die Hypoxämie.

SchweregradKriterienSetting
Nicht-schwere PneumonieKeine therapeutisch relevante Hypoxämie, keine ausgeprägte Minderung der Nahrungs-/FlüssigkeitszufuhrAmbulant
Schwere PneumonieHypoxämie (O2-Gabe nötig), ausgeprägte Minderung der Nahrungs-/FlüssigkeitszufuhrStationär
Sehr schwere PneumonieAtemunterstützung (CPAP, NIV, MV) oder kreislaufunterstützende Medikamente nötigIntensivstation

Diagnostik

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Bei jedem Kind sollte eine pulsoximetrische Messung der Sauerstoffsättigung erfolgen.

  • Labor: Bei nicht-schwerer pCAP sollte keine routinemäßige Blutentnahme erfolgen. Bei schwerer pCAP sollte bei Aufnahme Blutbild, CRP, Elektrolyte, BGA und eine Blutkultur abgenommen werden.
  • Bildgebung: Bei nicht-schwerer pCAP sollte auf ein Röntgen-Thorax verzichtet werden. Falls geröntgt wird, reicht eine Aufnahme im sagittalen Strahlengang (keine seitliche Aufnahme).
  • Erregerdiagnostik: Bei nicht-schwerer pCAP nicht routinemäßig. Virale PCRs nur, wenn Konsequenzen für Therapie/Hygiene folgen.

Therapie

Sauerstoff und Supportivtherapie

  • Sauerstoffgabe: Bei O2-Sättigung ≤ 90 % sollen Patienten Sauerstoff erhalten. Bei ≤ 92 % kann die Gabe erwogen werden.
  • Flüssigkeit: Bei unzureichender oraler Aufnahme enterale (Magensonde) oder parenterale Zufuhr.
  • Physiotherapie: Hat keinen belegbaren Einfluss und sollte bei unkomplizierter pCAP nicht erfolgen.

Antiinfektive Therapie

Bei obstruktiver Symptomatik im Kleinkindalter liegt meist eine virale Infektion vor, hier sollte primär nicht antibiotisch behandelt werden.

IndikationWirkstoffDosierung
Primäre Wahl (nicht-schwer)Amoxicillin p.o.50 mg/kg/d in 2-3 Einzeldosen
Primäre Wahl (schwer)Ampicillin i.v. oder Amoxicillin p.o.100 mg/kg/d in 3 ED (i.v.) / 80 mg/kg/d (p.o.)
PenicillinallergieMakrolide (z.B. Clarithromycin) oder Doxycyclin (>8 J.)Clarithromycin: 15 mg/kg/d in 2 ED
Influenza/Masern-KoinfektionAmpicillin/Sulbactam i.v. oder Amoxicillin/Clavulansäure p.o.100 mg/kg/d i.v. / 50-80 mg/kg/d p.o.

Wichtige Grundsätze zur Antibiose:

  • Cephalosporine und Makrolide sollten in der primären Therapie nicht zur Anwendung kommen.
  • Bei Verdacht auf Mycoplasma pneumoniae (nicht-schwer) kann zugewartet werden. Bei schwerer pCAP Makrolide oder Tetrazykline (>8 Jahre).
  • Therapiedauer bei unkomplizierter pCAP: 5 Tage, möglichst peroral.

Komplikationen

Zu den Komplikationen zählen parapneumonischer Pleuraerguss (PPE), Pleuraempyem (PE), nekrotisierende Pneumonie (NP) und Lungenabszess.

  • Diagnostik: Thoraxsonografie bei PPE/PE, Thorax-CT bei Verdacht auf NP/Abszess.
  • Therapie: Kalkulierte Antibiose mit Aminopenicillin + Betalaktamaseinhibitor. Bei großen Ergüssen (> 50 % des Hemithorax) sollte eine Punktion/Drainage erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei nicht-schwerer pCAP auf Röntgen-Thorax und Laboruntersuchungen. Bestimmen Sie stattdessen bei jedem Kind die Sauerstoffsättigung mittels Pulsoximetrie, da die Hypoxämie der zuverlässigste Prädiktor für einen schweren Verlauf ist.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer O2-Sättigung < 90 %, ausgeprägter Dyspnoe, Nahrungsverweigerung, Dehydratation oder Bewusstseinstrübung.
Amoxicillin p.o. (50 mg/kg/d) bei nicht-schwerer und Ampicillin i.v. (100 mg/kg/d) bei schwerer pCAP. Cephalosporine und Makrolide sollen primär nicht eingesetzt werden.
Nur bei schwerer oder therapieresistenter pCAP zum Ausschluss von Komplikationen. Bei nicht-schwerer pCAP soll darauf verzichtet werden.
Bei ≤ 90 % soll Sauerstoff gegeben werden, bei ≤ 92 % kann die Gabe erwogen werden.
Nein, bei Zeichen einer bronchialen Obstruktion liegt meist eine virale Infektion vor. Diese Kinder sollten primär nicht mit Antibiotika behandelt werden.

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