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ANCA-assoziierte Vaskulitiden: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die primäre ANCA-Testung soll mittels antigenspezifischer Immunoassays (PR3/MPO) erfolgen, der IFT wird nicht mehr als Screening empfohlen.
  • Zur Remissionsinduktion bei organbedrohender GPA/MPA ist eine Kombination aus Glucocorticoiden (GC) und Rituximab (RTX) oder Cyclophosphamid (CYC) indiziert.
  • Die GC-Dosis soll nach dem PEXIVAS-Schema deutlich reduziert werden (Ziel: 5-7,5 mg/Tag nach 15-16 Wochen).
  • Rituximab (RTX) ist nun die primäre Wahl zur Remissionserhaltung bei GPA/MPA (500 mg i.v. alle 6 Monate).
  • Bei der EGPA ohne Organbedrohung wird Mepolizumab für Rezidive und refraktäre Verläufe empfohlen.
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Hintergrund

Die ANCA-assoziierten Vaskulitiden (AAV) umfassen seltene, potenziell lebensbedrohliche Systemerkrankungen. Die aktuelle S3-Leitlinie unterscheidet primär zwischen der Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), der Mikroskopischen Polyangiitis (MPA) und der Eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA). Behandlungsziele sind Remission, Senkung der Mortalität, Vermeidung irreversibler Organschäden und Erhalt der Lebensqualität.

Diagnostik

Die Diagnostik sollte bei klinischem Verdacht umgehend erfolgen und den Therapiebeginn bei organbedrohlichen Formen nicht verzögern.

  • ANCA-Testung: Bei klinischem Verdacht soll eine sofortige Testung auf Proteinase 3 (PR3)- und Myeloperoxidase (MPO)-ANCA mittels antigenspezifischer Immunoassays erfolgen (konsensusbasierte Empfehlung). Der indirekte Immunfluoreszenztest (IFT) wird nicht mehr als primäres Screening empfohlen.
  • Histologie: Eine histologische Sicherung durch Biopsie klinisch betroffener Organe (z. B. Niere, HNO-Trakt, Lunge) sollte angestrebt werden.
AAV-EntitätTypische histologische und klinische Merkmale (CHCC 2012)
GPANekrotisierende granulomatöse Entzündung (meist Atemwege), nekrotisierende Vaskulitis kleiner/mittelgroßer Gefäße. Oft PR3-ANCA.
MPANekrotisierende Vaskulitis kleiner Gefäße, keine Granulome. Sehr häufig nekrotisierende Glomerulonephritis. Oft MPO-ANCA.
EGPAEosinophilenreiche, nekrotisierende granulomatöse Entzündung (Atemwege), assoziiert mit Asthma und Eosinophilie.

Therapie der GPA und MPA

Remissionsinduktion

Die Wahl der Therapie richtet sich nach der Organbedrohung.

SchweregradPrimäre TherapieoptionenBemerkung
Organ-/lebensbedrohendGC + RTX oder GC + CYCEmpfehlungsgrad A. Bei Rezidiven RTX bevorzugen.
Nicht-organbedrohendGC + MTX oder GC + RTXEmpfehlungsgrad B. MMF als Alternative (Empfehlungsgrad 0).

Zusätzlich kann das zugelassene Avacopan eingesetzt werden, um die kumulative GC-Dosis weiter zu reduzieren (Empfehlungsgrad 0).

Glucocorticoid-Dosierung (PEXIVAS-Schema)

Die Leitlinie empfiehlt eine deutlich reduzierte GC-Dosis (Empfehlungsgrad A). Bei organbedrohender GPA/MPA wird mit 50-75 mg/Tag Predniso(lo)n-Äquivalent begonnen und zügig reduziert:

TherapiewocheDosis bei 50-75 kg Körpergewicht
Woche 160 mg/Tag
Woche 3-425 mg/Tag
Woche 7-815 mg/Tag
Woche 11-1210 mg/Tag
Woche 15-165 mg/Tag

Hinweis: Bei nicht-organbedrohender Erkrankung und RTX-Induktion kann initial mit einer niedrigeren Dosis von 0,5 mg/kg KG begonnen werden.

Remissionserhaltung

  • Primäre Therapie: Rituximab (RTX) 500 mg i.v. alle 6 Monate nach Induktion mit CYC oder RTX (Empfehlungsgrad A).
  • Alternativen: Azathioprin (AZA) oder Methotrexat (MTX) können als bevorzugte Alternativen erwogen werden.
  • Dauer: Unter RTX in der Regel mindestens 36 Monate, bei konventionellen Immunsuppressiva mindestens 48 Monate.

Therapie der EGPA

Die EGPA wird aufgrund ihrer Besonderheiten (Eosinophilie, Asthma) separat betrachtet.

KrankheitsphaseTherapieempfehlungEvidenz
Induktion (organbedrohend)GC + CYC (RTX als Alternative)Empfehlungsgrad A. Kein Plasmaaustausch!
Induktion (nicht-organbedrohend)GC-MonotherapieEmpfehlungsgrad A.
Rezidiv (nicht-organbedrohend)GC + MepolizumabEmpfehlungsgrad A.
RemissionserhaltungMepolizumab (nach Mepo-Induktion) oder Mepo/MTX/RTX/AZA (nach CYC/RTX-Induktion)Empfehlungsgrad A/B.

Supportive Therapie und Prophylaxe

  • Pneumocystis-Prophylaxe: Patienten unter hohen GC-Dosen (> 15 mg/Tag für > 4 Wochen), RTX-Induktion oder CYC sollen Trimethoprim/Sulfamethoxazol erhalten (Empfehlungsgrad A).
  • Monitoring: Unter CYC regelmäßige Leukozytenkontrollen (Nadir an Tag 8-14). Unter RTX oder CYC regelmäßige Kontrolle der IgG-Serumkonzentration.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei klinischem Verdacht auf eine AAV auf den indirekten Immunfluoreszenztest (IFT) als Screening und fordern Sie direkt antigenspezifische Immunoassays für PR3- und MPO-ANCA an.

Häufig gestellte Fragen

Mittels antigenspezifischer Immunoassays auf PR3- und MPO-ANCA sowie einer histologischen Sicherung durch Biopsie betroffener Organe.
Nach dem PEXIVAS-Schema 50-75 mg/Tag Predniso(lo)n-Äquivalent (je nach Körpergewicht), mit einer zügigen Reduktion auf 5-7,5 mg/Tag nach 15-16 Wochen.
Rituximab in einer Dosierung von 500 mg i.v. alle 6 Monate für in der Regel mindestens 36 Monate.
Die Empfehlung wurde abgeschwächt. PLEX kann bei ausgewählten Patienten mit aktiver Nierenbeteiligung (Kreatinin > 300 µmol/l) additiv erwogen werden. Bei der EGPA soll er nicht erfolgen.
Bei hohen GC-Dosen (>15 mg/Tag für >4 Wochen), RTX-Induktion oder CYC-Therapie soll Trimethoprim/Sulfamethoxazol zur Pneumocystis-Prophylaxe gegeben werden.

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