Diabetische Retinopathie: DDG-Praxisempfehlung 2025

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DDG (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten mikrovaskulären Komplikationen bei Diabetes mellitus und stellt weltweit eine führende Erblindungsursache dar. Die Erkrankung verläuft oft über lange Zeit völlig symptomlos.

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes liegt die Prävalenz bei 24 bis 27 Prozent. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes weisen bereits bei der Diagnosestellung bis zu 16 Prozent eine Retinopathie auf.

Warnzeichen für Netzhautkomplikationen umfassen plötzliche oder nicht korrigierbare Visusverschlechterungen. Bei einer Makulabeteiligung können Leseschwierigkeiten, Farbsinnstörungen oder ein Rußregen vor dem Auge durch Glaskörperblutungen auftreten.

Empfehlungen

Die DDG-Praxisempfehlung 2025 formuliert klare Vorgaben für das Screening und Management der diabetischen Retinopathie.

Screening-Intervalle

Die Leitlinie empfiehlt bei Typ-1-Diabetes eine Erstuntersuchung fünf Jahre nach der Diabetesdiagnose. Bei Typ-2-Diabetes wird eine sofortige Untersuchung bei Feststellung der Erkrankung empfohlen.

Für die weiteren Kontrollintervalle ohne bestehende Retinopathie gelten folgende Vorgaben:

  • Alle 2 Jahre bei fehlenden allgemeinen Risikofaktoren.

  • Einmal jährlich beim Vorliegen allgemeiner Risikofaktoren oder wenn diese dem Augenarzt nicht bekannt sind.

  • Bei Schwangeren wird eine sofortige Untersuchung bei Feststellung der Schwangerschaft und anschließend alle drei Monate empfohlen.

Diagnostik

Laut Leitlinie umfasst die augenärztliche Basisdiagnostik die Prüfung der Sehschärfe, die Beurteilung des vorderen Augenabschnitts sowie die Funduskopie bei erweiterter Pupille.

Bei Vorliegen einer therapiebedürftigen diabetischen Makulopathie ist eine optische Kohärenztomografie (OCT) obligat. Bei schweren Verlaufsformen wird zudem die Messung des Augendrucks empfohlen.

Diabetologisches Management

Die Leitlinie betont, dass eine optimale Blutzucker- und Blutdruckeinstellung essenziell ist. Allerdings nimmt die Effektivität der Blutzuckereinstellung auf den Verlauf der Retinopathie ab dem Zeitpunkt ihres Bestehens deutlich ab.

Es wird vor einer Frühverschlechterung (early worsening) der Retinopathie bei einer schnellen und deutlichen Blutglukosesenkung gewarnt. Dies betrifft insbesondere Therapieintensivierungen mit Insulin, GLP-1-Rezeptoragonisten oder bariatrische Operationen.

In diesen Fällen wird eine kurzfristige augenärztliche Überwachung empfohlen.

Risikostratifizierung

Eine milde Retinopathie wird als der stärkste Prädiktor für das Fortschreiten zu einer visusbedrohenden Form eingestuft.

Zudem klassifiziert das Vorliegen einer diabetischen Retinopathie bei Typ-2-Diabetes die Betroffenen als Hochrisikogruppe für kardiovaskuläre Ereignisse. Bei einem Makulaödem wird eine Diagnostik hinsichtlich einer synchron auftretenden Nephropathie empfohlen.

Stadieneinteilung und Therapie

Die Leitlinie definiert folgende Stadien und die entsprechenden augenärztlichen Therapiemaßnahmen:

StadiumOphthalmologischer BefundOphthalmologische Therapie
Milde nicht proliferative RetinopathieMikroaneurysmenKeine Laserkoagulation
Mäßige nicht proliferative RetinopathieEinzelne intraretinale Blutungen, perlschnurartige VenenKeine Laserkoagulation
Schwere nicht proliferative Retinopathie4-2-1-Regel (Mikroaneurysmen, Blutungen, Venenveränderungen, IRMA)Laserkoagulation nur bei Risikopatienten
Proliferative RetinopathiePapillenproliferation, Glaskörperblutung, NetzhautablösungLaserkoagulation, IVOM, ggf. Vitrektomie
Diabetisches Makulaödem (foveafern)Ödem, Blutungen oder harte Exsudate am hinteren PolEvtl. gezielte Laserkoagulation
Diabetisches Makulaödem (mit Foveabeteiligung)Ödem mit Beteiligung der FoveaIVOM, optional gezielte Laserkoagulation
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💡Praxis-Tipp

Ein besonders wichtiges Phänomen ist das early worsening (Frühverschlechterung) der Retinopathie bei einer raschen und starken Blutzuckersenkung. Die Leitlinie warnt davor, dass Therapieintensivierungen durch Insulin, GLP-1-Rezeptoragonisten oder bariatrische Chirurgie kurzfristig zu einer Verschlechterung des Augenbefundes führen können. Es wird empfohlen, in diesen Phasen engmaschige augenärztliche Kontrollen zu veranlassen, insbesondere wenn bereits eine Retinopathie vorbekannt ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird die erste augenärztliche Untersuchung fünf Jahre nach der Diagnosestellung empfohlen. Bei Kindern vor dem 11. Lebensjahr muss die Untersuchung erst erfolgen, wenn der Diabetes bereits fünf Jahre besteht.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wird eine sofortige augenärztliche Untersuchung direkt bei der Feststellung der Erkrankung empfohlen. Bereits bei Diagnosestellung weisen bis zu 16 Prozent der Betroffenen eine Retinopathie auf.

Wenn keine Retinopathie und keine allgemeinen Risikofaktoren vorliegen, wird eine Kontrolle alle zwei Jahre empfohlen. Bei Vorliegen von Risikofaktoren oder wenn diese dem Augenarzt nicht bekannt sind, ist eine jährliche Untersuchung indiziert.

Die Feststellung einer diabetischen Retinopathie bei Typ-2-Diabetes klassifiziert die Betroffenen als Hochrisikogruppe für kardiovaskuläre Ereignisse. Die Leitlinie beschreibt die Retinopathie als unverzichtbaren Biomarker für kardiovaskuläre Morbidität.

Die Therapie richtet sich nach der Foveabeteiligung. Bei Beteiligung der Fovea wird eine intravitreale operative Medikamenteneingabe (IVOM) empfohlen, während bei foveafernen Ödemen eventuell eine gezielte Laserkoagulation ausreicht.

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Quelle: DDG: PE_Diabetische_Retinopathie_und_Makulopathie_2025.pdf pdf (DDG, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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