DMSA-Szintigraphie bei Kindern: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die DMSA-Szintigraphie ist der klinische Goldstandard zur Detektion von Nierenparenchymnarben nach Harnwegsinfekten.
- •Aufnahmen sollten 2 bis 4 Stunden nach der Injektion von [99mTc]Tc-DMSA angefertigt werden.
- •Die seitengetrennte Nierenfunktion gilt bei Werten zwischen 45 % und 55 % als normal.
- •Eine Sedierung ist nur in Ausnahmefällen (unter 5 %), meist bei Kindern zwischen 1 und 3 Jahren, erforderlich.
- •Bei einem Funktionsanteil von unter 10 % an der Gesamtfunktion wird meist eine Nierenteilresektion bevorzugt.
Hintergrund
Die [99mTc]Tc-DMSA-Szintigraphie ist ein etabliertes nuklearmedizinisches Verfahren, das primär in der Pädiatrie zur Beurteilung des Nierenparenchyms und der seitengetrennten Nierenfunktion eingesetzt wird. Während die internationalen Fachgesellschaften aktuell keinen generellen Stellenwert der DMSA-Szintigraphie in der Akutdiagnostik eines fieberhaften Harnwegsinfekts sehen, bleibt sie der klinische Goldstandard in der Detektion von Parenchymnarben.
Indikationen und Kontraindikationen
Die Untersuchung dient vor allem der Beurteilung von Parenchymveränderungen und der Funktionsabschätzung.
| Kategorie | Spezifische Indikationen |
|---|---|
| Fokale Parenchymveränderungen | - Beurteilung des renalen Folgezustandes (≥6-12 Monate nach akuter Entzündung)<br>- Nachweis einer akuten Pyelonephritis<br>- Nachweis der Parenchymfunktion bei strukturellen Anomalien<br>- Nachweis von ektopen Nieren |
| Abschätzung der Nierenfunktion | - Bestätigung funktionstüchtigen Parenchyms bei multizystischen Nieren<br>- Überprüfung vor abdominellen Operationen/Strahlentherapie<br>- Entscheidungsfindung: Rekonstruktion vs. Resektion (<10 % Gesamtfunktion spricht für Resektion) |
Als relative Kontraindikation gilt eine bestehende Schwangerschaft.
Vorbereitung und Durchführung
Eine medikamentöse Sedierung ist selten notwendig (bei weniger als 5 % der Kinder) und betrifft meist die Altersgruppe der 1- bis 3-Jährigen. Eine leicht gesteigerte Diurese wird empfohlen.
| Parameter | Empfehlung |
|---|---|
| Radiopharmakon | [99mTc]Tc-DMSA (Dimercaptobernsteinsäure) |
| Aktivitätsmenge | Gewichtsabhängig (EANM Dosage Calculator), Minimum: 18,5 MBq |
| Untersuchungszeitpunkt | 2 bis 4 Stunden nach Injektion |
| Aufnahmetechnik | Planare Aufnahmen (SPECT bietet keinen überzeugenden Nachweis einer generell verbesserten Genauigkeit) |
| Aufnahmeparameter | Mindestens 300.000 Impulse oder ≥5 min pro Bild (128x128-Matrix) |
| Intervention | Furosemid (z.B. 0,5 mg/kg) in Einzelfällen bei störender Aktivitätsretention im Nierenbecken |
Auswertung und Befundung
Für die Bestimmung der seitengetrennten Nierenfunktion ist eine Untergrundkorrektur erforderlich. Wenn möglich, sollte eine Tiefenkorrektur (geometrisches Mittel aus dorsalen und ventralen Aufnahmen) erfolgen.
- Normalwerte: Die seitengetrennte Nierenfunktion liegt regulär zwischen 45 % und 55 %.
- Normvarianten: Bei kleinen Kindern erscheinen die Nieren oft dreieckig. Eine durch Milzimpression abgeflachte linke Niere oder minderspeichernde Nierenpole (durch hyperaktive Bertini-Säulen) sind als normal zu werten.
Pathologische Veränderungen
Die Differenzierung zwischen akuten und chronischen Läsionen erfolgt anhand spezifischer Kriterien:
| Befund | Szintigraphisches Korrelat |
|---|---|
| Akute Pyelonephritis | Umschriebene Nuklidminderanreicherung (oft keilförmig), äußere Nierenkontur typischerweise erhalten, Nierengröße erhalten oder geschwollen. |
| Parenchymnarben | Umschriebene Minderanreicherung mit Aussparung/Deformierung der Nierenkontur, oft einhergehend mit Volumenreduktion. |
Verlaufskontrollen zur Narbendetektion sollten frühestens 6 Monate, besser jedoch ≥12 Monate nach dem Harnwegsinfekt erfolgen, da sich akute Läsionen häufig spät zurückbilden.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie Verlaufskontrollen zur Narbendetektion frühestens 6 Monate, idealerweise jedoch ≥12 Monate nach einer akuten Pyelonephritis durch, da sich Läsionen der Akutphase oft erst spät vollständig zurückbilden.