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Urolithiasis Leitlinie: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ultraschall ist die bildgebende Diagnostik der ersten Wahl, gefolgt von der nativen CT bei Verdacht auf Uretersteine.
  • Zur akuten Schmerztherapie (Kolik) sind Nicht-Opioide wie Metamizol, Paracetamol und Diclofenac den Opioiden vorzuziehen.
  • Bei infizierter Harnstauungsniere muss eine sofortige Harnableitung mittels DJ-Schiene oder perkutaner Nephrostomie erfolgen.
  • Eine medikamentöse expulsive Therapie (MET) mit Alpha-Blockern kann bei distalen Uretersteinen >5 mm den Spontanabgang fördern.
  • Die Ureterorenoskopie (URS) erzielt bei distalen Harnleitersteinen höhere Steinfreiheitsraten als die ESWL.
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Hintergrund

Die Harnsteinerkrankung (Urolithiasis) ist eine weltweit häufige Erkrankung mit steigender Inzidenz und einer hohen Rezidivrate von bis zu 50 %. Die aktuelle AWMF-Leitlinie definiert klare Standards für die Diagnostik, das Schmerzmanagement und die interventionelle Therapie von Nieren- und Harnleitersteinen.

Bildgebende Diagnostik

Die Diagnostik zielt auf den Nachweis oder Ausschluss eines Steins, dessen Lokalisation, Größe und die Beurteilung der Harntraktkonfiguration ab.

  • Ultraschall: Soll die bildgebende Diagnostik der ersten Wahl in der Akut- und Routinesituation sein.
  • Native Computertomographie (NCCT): Sollte aufgrund der hohen Sensitivität und Spezifität die weiterführende Standarddiagnostik bei Verdacht auf Uretersteine sein.
  • Röntgen (Abdomenübersicht): Kann zur Feststellung der Röntgendichte und zur Nachkontrolle genutzt werden.

Schmerztherapie der akuten Kolik

Zur Therapie akuter steinbedingter Schmerzen sind Nicht-Opioide wegen höherer Effektivität und geringerer Nebenwirkungen den Opioiden vorzuziehen.

WirkstoffBemerkungEvidenz / Empfehlung
MetamizolWirkt analgetisch, spasmolytisch und senkt den intraluminalen Druck.Mittel der 1. Wahl
DiclofenacÄquivalent zu 1g Metamizol. Cave bei Niereninsuffizienz.Mittel der 1. Wahl
ParacetamolAlternative zu Metamizol, Mittel der Wahl in der Schwangerschaft.Mittel der 1. Wahl
OpioideNur ergänzend bei unzureichender Wirkung von Nicht-Opioiden.Zweite Wahl

Notfallindikation: Harnableitung

Eine urologische Notfallsituation besteht bei einer obstruktionsbedingten Harntransportstörung mit gleichzeitiger Harnwegsinfektion.

Indikationen zur sofortigen Harnableitung:

  • Infizierte Harnstauungsniere (Fieber, Leukozytose, CRP-Anstieg)
  • Medikamentös nicht beherrschbare Koliken ("Status colicus")
  • Steigende Retentionswerte (postrenales Nierenversagen)
VerfahrenBewertung
Perkutane NephrostomieGleichwertig zur retrograden Schienung
Retrograde Harnleiterschienung (DJ)Gleichwertig zur perkutanen Nephrostomie

Hinweis: Die definitive Steinsanierung sollte erst nach eingeleiteter resistenzgerechter Infektbehandlung erfolgen.

Konservative Therapie und MET

Bei unkomplizierten Harnleitersteinen kann ein spontaner Abgang abgewartet werden.

SteingrößeSpontanabgangsrateMittlere Dauer
< 5 mm68 - 87 %ca. 6 Tage
5 - 7 mm75 %ca. 12 Tage

Medikamentöse expulsive Therapie (MET):

  • Alpha-Blocker (z. B. Tamsulosin) können die Steinausscheidungsrate erhöhen und den Abgang beschleunigen (Off-label Use).
  • Besonders effektiv bei distalen Uretersteinen > 5 mm.

Interventionelle Therapie

Vor jeder aktiven Steintherapie soll eine akute Harnwegsinfektion ausgeschlossen oder anbehandelt sein. Antikoagulation sollte in der Regel pausiert werden (Ausnahme: URS ist unter Antikoagulation möglich).

Therapie von Harnleitersteinen

LokalisationBevorzugte TherapieAlternativen
Distaler HarnleiterURS (höhere Steinfreiheitsrate als ESWL)ESWL
Proximaler HarnleiterURS oder ESWL (vergleichbare Ergebnisse)-

Therapie von Nierensteinen

Die Wahl des Verfahrens richtet sich primär nach der Steingröße und Lokalisation.

Steingröße / LokalisationTherapie der 1. WahlTherapie der 2. Wahl
< 20 mm (außer Unterpol)ESWL oder URSPCNL
> 20 mmPCNLURS (flexible)
Unterpolsteine < 15 mmESWL oder URSPCNL
Unterpolsteine > 15 mmPCNL oder URS-
  • ESWL (Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie): Kontraindiziert bei Schwangerschaft, Gerinnungsstörungen und unbehandeltem HWI.
  • URS (Ureterorenoskopie): Ein Sicherheitsdraht sollte verwendet werden. Bei flexibler URS ist der Ho:YAG-Laser der Goldstandard.
  • PCNL (Perkutane Nephrolithotomie): Standard bei großen Steinen (> 2 cm). Perioperative Antibiotikaprophylaxe soll erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Bei einer infizierten Harnstauungsniere (Fieber, Flankenschmerz) ist die sofortige Harnableitung (DJ-Schiene oder Nephrostomie) zwingend erforderlich. Führen Sie die definitive Steinsanierung erst nach resistenzgerechter Antibiotikatherapie durch.

Häufig gestellte Fragen

Metamizol, Paracetamol oder Diclofenac sind wegen höherer Effektivität und geringerer Nebenwirkungen Opioiden vorzuziehen.
Bei infizierter Harnstauungsniere, medikamentös nicht beherrschbaren Koliken oder postrenalem Nierenversagen.
Ultraschall ist die Methode der ersten Wahl. Als weiterführende Standarddiagnostik bei Uretersteinen sollte eine native Computertomographie (ohne Kontrastmittel) erfolgen.
Die perkutane Nephrolithotomie (PCNL) ist das Verfahren der ersten Wahl bei Steinen über 20 mm.
ESWL und PCNL sind kontraindiziert. Eine URS (Ureterorenoskopie) kann jedoch nach sorgfältiger Risikoabwägung unter Antikoagulation durchgeführt werden.

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