Skelettszintigraphie: Leitlinie (AWMF/DGN)
📋Auf einen Blick
- •Die Skelettszintigraphie ist ein funktionelles Verfahren zur Beurteilung des regionalen Knochenstoffwechsels mittels 99mTc-markierter Radiopharmaka.
- •Eine Mehrphasenszintigraphie ist bei Hinweisen auf floride lokale ossäre Prozesse (z.B. Entzündungen) indiziert.
- •Die SPECT/CT verbessert die Herdlokalisation; bei unklaren Befunden oder orthopädischen Fragestellungen wird ein diagnostisches CT (statt Low-Dose) empfohlen.
- •Falsch-negative Befunde können bei rein lytischen Läsionen (z.B. Plasmozytom) oder zu früher Untersuchung nach Frakturen auftreten.
- •Patienten müssen gut hydriert sein (mindestens 1 Liter Flüssigkeit zwischen Injektion und Spätaufnahme).
Hintergrund
Die Skelettszintigraphie ist ein funktionelles bildgebendes Verfahren zur Beurteilung des regionalen Knochenstoffwechsels. Sie basiert auf der Darstellung von 99mTc-markierten osteotropen Radiopharmazeutika (z.B. MDP, DPD, HDP), die sich in der Mineralisationszone neu entstehenden Knochens anreichern. Das Ausmaß der Speicherung hängt vom Blutfluss und der Osteoblastenaktivität ab.
Indikationen
Die Untersuchung eignet sich zum Nachweis oder Ausschluss krankhafter Veränderungen am gesamten Skelettsystem. Die Indikationsstellung muss stets den zu erwartenden gesundheitlichen Nutzen rechtfertigen.
| Klinische Situation | Fragestellung |
|---|---|
| Maligne Tumoren | Skelettmetastasen (Staging, Rezidiv), Speicherverhalten vor Radionuklidtherapie |
| Floride Entzündungen | Osteomyelitis, Spondylitis/Spondylodiscitis, Arthritis |
| Knochenschmerzen | Ossärer Prozess, Frakturverdacht (Lokalisation, Alter) |
| Knochenimplantate | Lockerung, Entzündung |
| Varia | Avaskuläre Nekrose, M. Paget, kardiale Beteiligung bei ATTR-Amyloidose |
Untersuchungsablauf und Vorbereitung
- Hydrierung: Patienten sollten gut hydriert sein. Zwischen Tracerinjektion und Spätaufnahmen sind mindestens 1 Liter Flüssigkeit zu trinken. Die Blase ist regelmäßig und unmittelbar vor der Aufnahme zu entleeren.
- Schwangerschaft: Keine grundsätzliche Kontraindikation, aber sehr strenge Indikationsstellung erforderlich.
- Stillzeit: Vorsorglich sollte für 48 Stunden eine Brustfütterung unterbleiben und die Milch verworfen werden.
Strahlenschutz und Dosierung
Die applizierte Radioaktivitätsmenge richtet sich nach der Grunderkrankung und dem Körpergewicht.
| Indikation | Standardaktivität | Effektive Dosis (Erwachsene) |
|---|---|---|
| Benigne Erkrankungen | 500 MBq (max. 550 MBq) | ca. 2,5 mSv |
| Maligne Erkrankungen | 650 MBq (max. 700 MBq) | ca. 3,2 mSv |
| Adipöse Patienten | 11-13 MBq/kg KG | individuell |
| Pädiatrie | minimal 40 MBq | individuell |
Untersuchungstechniken
Mehrphasen-Skelettszintigraphie
Diese Technik wird eingesetzt, wenn Hinweise auf einen floriden lokalen ossären Prozess vorliegen (z.B. Arthritis, Osteomyelitis).
| Phase | Zeitraum | Dargestellter Parameter |
|---|---|---|
| 1. Perfusionsphase | 0-60 Sekunden p.i. | Arterieller Blutfluss |
| 2. Blutpoolphase | 2-5 Minuten p.i. | Venöses Blutvolumen |
| 3. Spätphase | 2-5 Stunden p.i. | Knochenumbau / Osteoblastenaktivität |
SPECT und SPECT/CT
Die SPECT ermöglicht eine überlagerungsfreie Darstellung, was besonders bei komplexen Strukturen (Schädel, Wirbelsäule, Becken) wichtig ist.
- Ein Low-Dose-CT im Rahmen der SPECT/CT reicht für die Schwächungskorrektur und anatomische Herdlokalisation aus.
- Ein diagnostisches CT wird empfohlen, wenn eine hohe Sensitivität (z.B. osteolytische Herde) oder eine exakte Differenzialdiagnose unklarer Herde im Vordergrund steht.
Fehlerquellen und Limitationen
- Falsch-positive Befunde: Hautkontaminationen, Paravasate, Urinableitungen, Bewegungsartefakte.
- Falsch-negative Befunde:
- Homogen erhöhte Knochenspeicherung ("Superscan" bei diffuser Metastasierung oder Hyperparathyreoidismus).
- Lytische Läsionen (insbesondere beim Plasmozytom).
- Zu früher Untersuchungszeitpunkt nach Frakturen.
Zeitfenster nach Frakturen: Eine vermehrte Anreicherung zeigt sich an den Extremitäten frühestens nach 3 Tagen, an Stammskelett/Wirbelsäule nach 6 Tagen und am Schädel frühestens nach 12 Tagen.
💡Praxis-Tipp
Weisen Sie Ihre Patienten an, zwischen der Injektion und der Spätaufnahme mindestens 1 Liter Wasser zu trinken und die Blase häufig zu entleeren. Dies senkt die Strahlenbelastung der Blasenwand und reduziert störende Überlagerungen im Beckenbereich.