Skelettszintigraphie bei Kindern: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die MRT hat die Skelettszintigraphie bei vielen pädiatrischen Fragestellungen (z.B. akute Osteomyelitis) als primäres Bildgebungsverfahren abgelöst.
- •Bei Osteosarkom und Ewing-Sarkom ist die 3-Phasen-Szintigraphie laut AWMF noch Bestandteil der Ausbreitungsdiagnostik, international wird oft die FDG-PET bevorzugt.
- •Eine gute Hydratation der Kinder ist essenziell, um die Strahlenexposition der Harnblase zu minimieren und den Bildkontrast zu verbessern.
- •Für die SPECT/CT reicht im Kindesalter meist eine Low-Dose-CT (z.B. 70-80 kV) zur Schwächungskorrektur und anatomischen Zuordnung aus.
Hintergrund
Die Skelettszintigraphie mit 99mTc-markierten Polyphosphonaten bietet eine hohe Sensitivität bei der Früherkennung von Skeletterkrankungen mit pathologisch gesteigertem Knochenmetabolismus. Da das wachsende Skelett von Kindern und Jugendlichen Besonderheiten aufweist, ist die genaue Kenntnis altersentsprechender Normalbefunde zwingend erforderlich.
Zunehmend wird die Szintigraphie in der Pädiatrie jedoch durch die Magnetresonanztomographie (MRT) abgelöst, da diese keine Strahlenexposition verursacht und einen hohen Weichteilkontrast sowie eine hohe Ortsauflösung bietet.
Indikationen und Stellenwert
Der Einsatz der Skelettszintigraphie muss stets individuell gegen Alternativverfahren (MRT, Sonographie, Röntgen, PET) abgewogen werden.
| Indikation | Stellenwert der Szintigraphie | Bevorzugtes Alternativverfahren |
|---|---|---|
| Kondyläre Hyperplasie (Unterkiefer) | Notwendige Initialdiagnostik (SPECT/CT) | NaF-PET/CT |
| Osteosarkom / Ewing-Sarkom | Bedingt empfohlen (3-Phasen-Technik zur Ausbreitungsdiagnostik) | FDG-PET/CT (international bevorzugt) |
| Kindesmisshandlung | Ergänzend bei negativem Röntgen und persistierendem Verdacht | Röntgen (Standard) |
| Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) | Bestätigung der klinischen Diagnose (3-Phasen-Technik) | - |
| Rückenschmerzen | Weiterführende Diagnostik (SPECT/CT für Pars-Defekte/Spondylolyse) | Röntgen (Initial) |
| Akute Osteomyelitis / Septische Arthritis | Kein regulärer Stellenwert mehr | Sonographie, MRT, Röntgen |
| Morbus Perthes | Kein regulärer Stellenwert mehr | Röntgen, MRT |
Vorbereitung und Durchführung
Eine Sedierung ist für eine technisch gute Untersuchung normalerweise nicht erforderlich. Bei Kleinkindern (2 bis 3 Jahre) sollten die Spätaufnahmen idealerweise in die natürliche Schlafenszeit (z.B. nach dem Mittagessen) gelegt werden.
- Lokalanästhesie: Die Injektionsstelle sollte frühzeitig (mindestens 60 Minuten vorher) mit Creme oder Pflaster betäubt werden.
- Hydratation: Kinder sollten nach der Injektion viel trinken. Dies fördert die Diurese, senkt die Strahlenexposition und verbessert den Knochen-Weichteil-Kontrast.
- Aktivität: Die minimale zu injizierende Aktivität beträgt 40 MBq.
Untersuchungstechnik (Phasen)
Abhängig von der Fragestellung wird die Untersuchung in Ein-, Zwei- oder Drei-Phasen-Technik durchgeführt:
| Phase | Zeitraum | Diagnostische Bedeutung |
|---|---|---|
| 1. Radionuklidangiographie | 0-60 s (dynamisch) | Arterieller Blutfluss im Untersuchungsareal |
| 2. Blutpool-Phase | 30-120 s p.i. | Regionale Verteilung des Blutvolumens |
| 3. Mineralisationsphase | 2-4 h p.i. | Osteoblastenaktivität |
Bei der SPECT/CT sollte im Regelfall eine auxiliäre Low-Dose-CT ausreichend sein. Zur alleinigen Schwächungskorrektur und anatomischen Lokalisation können im Kindesalter bereits 80 kV bei 5-10 mAs genügen.
Medikamenteninteraktionen
Bestimmte Medikamente können die Verteilung des Radiopharmakons beeinflussen und müssen bei der Befundung berücksichtigt werden:
| Medikament | Szintigraphischer Effekt |
|---|---|
| Vitamin D3 | Verringerte Skelettanreicherung |
| Denosumab (nach Absetzen) | Rebound-Effekt (gesteigerter Knochenmetabolismus) |
| Erythropoetin / Wachstumsfaktoren | Gesteigerte Anreicherung in den Wirbelkörpern |
| Eisen / Methotrexat | Diffuse hepatische Anreicherung |
| Nephrotoxische Antibiotika/Chemo | Gesteigerte renale Anreicherung, verringerte Skelettanreicherung |
💡Praxis-Tipp
Fordern Sie die Kinder auf, in der Wartezeit zwischen Injektion und Spätaufnahme (2-4 Stunden) reichlich zu trinken. Die dadurch gesteigerte Diurese macht Blasenkatheter fast immer überflüssig und verbessert die Bildqualität im Beckenbereich erheblich.