Ambulante parenterale Antiinfektivatherapie (APAT): AWMF
📋Auf einen Blick
- •APAT ermöglicht die intravenöse Antiinfektivatherapie im ambulanten oder häuslichen Umfeld.
- •Die Indikationsstellung und Therapiesteuerung müssen durch Infektiologen erfolgen.
- •Orale Therapieoptionen sind nach den Prinzipien des Antimicrobial Stewardship (AMS) stets zu priorisieren.
- •Die Wahl des Gefäßzugangs (z.B. PICC, Midline, Port) richtet sich primär nach der geplanten Therapiedauer.
- •Ein wöchentliches klinisches und laborchemisches Monitoring ist obligatorisch.
Hintergrund
Die ambulante parenterale Antiinfektivatherapie (APAT) bezeichnet die intravenöse (selten intramuskuläre) Verabreichung von Antiinfektiva außerhalb des Krankenhauses. Dies kann im häuslichen Umfeld, in Ambulanzen, Praxen oder stationären Pflegeeinrichtungen erfolgen. Die Indikationsstellung und die Festlegung des Behandlungsplans sollen initial von der Infektiologie übernommen werden. Die Therapiesteuerung erfolgt durch ein multiprofessionelles APAT-Team in Zusammenarbeit mit den Hausärzten.
Patientenauswahl und Indikation
Grundsätzlich kann jede Infektionserkrankung mit Therapieindikation mittels APAT versorgt werden, sofern keine orale Therapiemöglichkeit besteht und die Infrastruktur vorhanden ist. Typische Indikationen sind Knochen- und Gelenkinfektionen, Endokarditiden oder Infektionen durch multiresistente Erreger.
- Ältere Menschen: Altersunabhängig möglich, ggf. intensivere Betreuung unter Einbezug des sozialen Umfelds nötig.
- Menschen mit intravenösem Drogenkonsum: Nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Verabreichung sollte in einer ambulanten Einrichtung (z.B. Substitutionsambulanz) erfolgen. Es gilt eine sehr strenge Indikation für Gefäßkatheter.
- Wohnungslose Menschen: Möglich, die Verabreichung sollte jedoch zwingend in einer Einrichtung (Ambulanz, Praxis) stattfinden.
Gefäßzugänge
Die Wahl des Katheters hängt von den Patienteneigenschaften, der Medikation und der geplanten Dauer ab. Ein peripherer Venenkatheter (PVK) ist für die APAT meist nicht ausreichend.
| Katheter-Typ | Geplante Therapiedauer | Bemerkung |
|---|---|---|
| PVK | Wenige Tage | Nur in Ausnahmefällen, hohe Komplikationsrate |
| Midline-Katheter | Bis zu 6 Wochen | Peripherer Zugang, Anlage ohne Durchleuchtung möglich |
| PICC-Line | Bis zu 3 Monate | Zentralvenös, bei Niereninsuffizienz (CKD III-V) kritisch prüfen |
| Portsystem | > 1 Monat (Langzeit) | Chirurgische Anlage, zentralvenös |
Eine generelle medikamentöse Thromboseprophylaxe wird nicht empfohlen, es sei denn, es bestehen andere Indikationen (z.B. Vorhofflimmern).
Antimicrobial Stewardship (AMS) und Medikamentenauswahl
Jede APAT muss nach AMS-Prinzipien erfolgen. Orale Therapieoptionen sollen immer gegenüber parenteralen priorisiert werden, sofern sie nicht unterlegen sind. Bei der Auswahl des Antiinfektivums für Elastomerpumpen oder Dauerinfusionen sind chemisch-physikalische Kriterien (Stabilität, Temperatur) entscheidend:
| Wirkstoff | Dosierungsintervall | Stabilität (Raumtemperatur) | Kontinuierliche Gabe möglich |
|---|---|---|---|
| Ceftriaxon | Einmal täglich | 24h | Nein |
| Flucloxacillin | Alle 4-6h | 24h (mit Citrat-Puffer) | Ja |
| Piperacillin/Tazobactam | Alle 6-8h | 24h (mit Citrat-Puffer) | Ja |
| Meropenem | Alle 8h | 12h | Nein |
Monitoring und Verlaufskontrolle
APAT-Patienten müssen sich regelmäßig ärztlich vorstellen, in der Regel einmal wöchentlich (bei Bedarf häufiger).
- Klinische Kontrolle: Inspektion der Kathetereinstichstelle, Überwachung des Therapieansprechens, Erfassung von Nebenwirkungen.
- Laborkontrollen: Differentialblutbild, Elektrolyte, Nierenretentionsparameter, Leberenzyme, ggf. Inflammationsparameter und Antiinfektivaspiegel (z.B. bei Vancomycin).
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie bei jeder APAT-Visite aktiv, ob mittlerweile eine Umstellung auf eine orale Therapie (Sequenztherapie) möglich ist. Nutzen Sie für Therapien über wenige Tage hinaus frühzeitig Midline-Katheter oder PICC-Lines anstelle von peripheren Venenverweilkanülen.