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Ambulante parenterale Antiinfektivatherapie (APAT): AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • APAT ermöglicht die intravenöse Antiinfektivatherapie im ambulanten oder häuslichen Umfeld.
  • Die Indikationsstellung und Therapiesteuerung müssen durch Infektiologen erfolgen.
  • Orale Therapieoptionen sind nach den Prinzipien des Antimicrobial Stewardship (AMS) stets zu priorisieren.
  • Die Wahl des Gefäßzugangs (z.B. PICC, Midline, Port) richtet sich primär nach der geplanten Therapiedauer.
  • Ein wöchentliches klinisches und laborchemisches Monitoring ist obligatorisch.
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Hintergrund

Die ambulante parenterale Antiinfektivatherapie (APAT) bezeichnet die intravenöse (selten intramuskuläre) Verabreichung von Antiinfektiva außerhalb des Krankenhauses. Dies kann im häuslichen Umfeld, in Ambulanzen, Praxen oder stationären Pflegeeinrichtungen erfolgen. Die Indikationsstellung und die Festlegung des Behandlungsplans sollen initial von der Infektiologie übernommen werden. Die Therapiesteuerung erfolgt durch ein multiprofessionelles APAT-Team in Zusammenarbeit mit den Hausärzten.

Patientenauswahl und Indikation

Grundsätzlich kann jede Infektionserkrankung mit Therapieindikation mittels APAT versorgt werden, sofern keine orale Therapiemöglichkeit besteht und die Infrastruktur vorhanden ist. Typische Indikationen sind Knochen- und Gelenkinfektionen, Endokarditiden oder Infektionen durch multiresistente Erreger.

  • Ältere Menschen: Altersunabhängig möglich, ggf. intensivere Betreuung unter Einbezug des sozialen Umfelds nötig.
  • Menschen mit intravenösem Drogenkonsum: Nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Verabreichung sollte in einer ambulanten Einrichtung (z.B. Substitutionsambulanz) erfolgen. Es gilt eine sehr strenge Indikation für Gefäßkatheter.
  • Wohnungslose Menschen: Möglich, die Verabreichung sollte jedoch zwingend in einer Einrichtung (Ambulanz, Praxis) stattfinden.

Gefäßzugänge

Die Wahl des Katheters hängt von den Patienteneigenschaften, der Medikation und der geplanten Dauer ab. Ein peripherer Venenkatheter (PVK) ist für die APAT meist nicht ausreichend.

Katheter-TypGeplante TherapiedauerBemerkung
PVKWenige TageNur in Ausnahmefällen, hohe Komplikationsrate
Midline-KatheterBis zu 6 WochenPeripherer Zugang, Anlage ohne Durchleuchtung möglich
PICC-LineBis zu 3 MonateZentralvenös, bei Niereninsuffizienz (CKD III-V) kritisch prüfen
Portsystem> 1 Monat (Langzeit)Chirurgische Anlage, zentralvenös

Eine generelle medikamentöse Thromboseprophylaxe wird nicht empfohlen, es sei denn, es bestehen andere Indikationen (z.B. Vorhofflimmern).

Antimicrobial Stewardship (AMS) und Medikamentenauswahl

Jede APAT muss nach AMS-Prinzipien erfolgen. Orale Therapieoptionen sollen immer gegenüber parenteralen priorisiert werden, sofern sie nicht unterlegen sind. Bei der Auswahl des Antiinfektivums für Elastomerpumpen oder Dauerinfusionen sind chemisch-physikalische Kriterien (Stabilität, Temperatur) entscheidend:

WirkstoffDosierungsintervallStabilität (Raumtemperatur)Kontinuierliche Gabe möglich
CeftriaxonEinmal täglich24hNein
FlucloxacillinAlle 4-6h24h (mit Citrat-Puffer)Ja
Piperacillin/TazobactamAlle 6-8h24h (mit Citrat-Puffer)Ja
MeropenemAlle 8h12hNein

Monitoring und Verlaufskontrolle

APAT-Patienten müssen sich regelmäßig ärztlich vorstellen, in der Regel einmal wöchentlich (bei Bedarf häufiger).

  • Klinische Kontrolle: Inspektion der Kathetereinstichstelle, Überwachung des Therapieansprechens, Erfassung von Nebenwirkungen.
  • Laborkontrollen: Differentialblutbild, Elektrolyte, Nierenretentionsparameter, Leberenzyme, ggf. Inflammationsparameter und Antiinfektivaspiegel (z.B. bei Vancomycin).

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie bei jeder APAT-Visite aktiv, ob mittlerweile eine Umstellung auf eine orale Therapie (Sequenztherapie) möglich ist. Nutzen Sie für Therapien über wenige Tage hinaus frühzeitig Midline-Katheter oder PICC-Lines anstelle von peripheren Venenverweilkanülen.

Häufig gestellte Fragen

Die Indikationsstellung und Festlegung des Behandlungsplans sollen initial durch Fachärzte für Infektiologie erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt eine ärztliche Vorstellung mindestens einmal wöchentlich zur klinischen und laborchemischen Kontrolle.
Nein, eine generelle Indikation zur Einleitung einer Thromboseprophylaxe wird nach aktueller Studienlage nicht empfohlen, sofern keine anderen Risikofaktoren vorliegen.
Ein PVK sollte nur in Ausnahmefällen für sehr kurze Therapien (wenige Tage) genutzt werden. Für längere Therapien sind Midline-Katheter, PICC-Lines oder Portsysteme indiziert.

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