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Bakterielle Meningoenzephalitis: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die kalkulierte Initialtherapie besteht aus einem Cephalosporin der Gruppe 3a (z.B. Ceftriaxon) plus Ampicillin.
  • Eine Antibiotikagabe muss schnellstmöglich, spätestens innerhalb von 3 Stunden nach Aufnahme, erfolgen.
  • Ein cCT vor der Lumbalpunktion ist nur bei schwerer Bewusstseinsstörung, fokalen Defiziten oder neuen epileptischen Anfällen indiziert.
  • Vor der ersten Antibiotikagabe müssen zwingend mindestens zwei Blutkultur-Sets abgenommen werden.
  • Dexamethason (10 mg i.v.) soll unmittelbar vor oder zeitgleich mit der ersten Antibiotikagabe verabreicht werden.
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Hintergrund

Die ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis ist ein lebensbedrohlicher neurologischer Notfall. Die häufigsten Erreger im Erwachsenenalter sind in Mitteleuropa Streptococcus pneumoniae, gefolgt von Neisseria meningitidis und Listeria monocytogenes. Bei älteren Patienten, Tumorerkrankungen oder unter immunsuppressiver Therapie steigt der Anteil an Listerien-Infektionen deutlich an.

Kardinalsymptome: Kopfschmerzen, Meningismus, Fieber und Vigilanzminderung. Wichtig: Das Fehlen einzelner Symptome schließt eine bakterielle Meningitis nicht aus, da eine Kombination aus drei der vier Symptome nur bei etwa der Hälfte der Patienten vorliegt.

Diagnostik und Vorgehen

Der Zeitfaktor ist prognostisch entscheidend. Eine Verzögerung der Antibiotikatherapie um mehr als 3 Stunden nach Krankenhausaufnahme soll unbedingt vermieden werden.

Indikation zum cCT vor Lumbalpunktion (LP): Ein cCT vor der LP ist nur indiziert bei:

  • Schwerer Bewusstseinsstörung
  • Fokal-neurologischem Defizit (z. B. Hemiparese)
  • Neu aufgetretenen epileptischen Anfällen

Liegen diese Kriterien nicht vor, soll unmittelbar nach der klinischen Untersuchung die Blutkulturabnahme (mind. 2 Sets) und die Lumbalpunktion erfolgen.

Liquordiagnostik

Zur Differenzierung zwischen bakterieller und viraler Genese sind folgende Liquor-Parameter entscheidend:

ParameterBakterielle MeningitisVirale Meningitis
Zellzahl/µl> 1000< 1000
Zytologiegranulozytärlymphozytär
Liquor-Serum-Glukose-Indexstark erniedrigt (< 0,3)normal
Laktat (mmol/l)> 3,5< 3,5
Gesamteiweiß (mg/dL)> 100< 100

Zusatzdiagnostik: Die Bestimmung von Procalcitonin im Serum wird empfohlen, da es bei bakterieller Meningitis fast immer erhöht ist. Eine Multiplex-PCR (Meningitis-Panel) aus dem Liquor sollte ergänzend zur Gramfärbung und Kultur eingesetzt werden, ersetzt diese aber nicht.

Kalkulierte Initialtherapie

Die Therapie muss schnellstmöglich (Ziel: < 1 Stunde nach Eintreffen) beginnen. Bei jeglicher Verzögerung der LP (z.B. durch cCT) müssen Dexamethason und Antibiotika sofort nach der Blutkulturabnahme gegeben werden!

Klinische KonstellationEmpfohlenes Antibiotikaregime
Ambulant erworben (Standard)Cephalosporin Gr. 3a (z.B. Ceftriaxon) + Ampicillin
Hohe Cephalosporin-Resistenz-RateCeftriaxon + Ampicillin + Vancomycin (oder Rifampicin)
Nach neurochirurgischer OP / SHTVancomycin + Meropenem (oder Ceftazidim)
ImmunsuppressionVancomycin + Meropenem

Hinweis: Solange differenzialdiagnostisch eine Herpes-simplex-Virus-Enzephalitis infrage kommt, soll zusätzlich Aciclovir i.v. gegeben werden.

Adjuvante Therapie mit Dexamethason

  • Dosierung: 10 mg i.v. (4x täglich).
  • Zeitpunkt: Unmittelbar vor oder zeitgleich mit der ersten Antibiotikagabe.
  • Dauer: Bei Nachweis von Pneumokokken oder klinisch wahrscheinlicher Pneumokokkenmeningitis über 4 Tage fortführen.

Management von Komplikationen

Patienten sollten initial auf einer Intensivstation behandelt werden.

KomplikationTherapiemaßnahme
Erhöhter intrakranieller DruckOberkörperhochlagerung (30°), tiefe Sedierung, ggf. kurzzeitige Hyperventilation, passagere Osmotherapie (Mannitol 20%)
Hydrozephalus internusAnlage einer externen Ventrikeldrainage (EVD)
SinusvenenthromboseAntikoagulation mit Heparin i.v. im therapeutischen Bereich
Epileptische AnfälleUmgehende antiepileptische Behandlung

Besonderheiten bei Meningokokken

Patienten mit Verdacht auf Meningokokkenmeningitis müssen bis 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie isoliert werden (Tröpfcheninfektion).

Chemoprophylaxe für enge Kontaktpersonen:

WirkstoffDosierung (Erwachsene)Bemerkung
Rifampicin600 mg alle 12h für 2 Tage p.o.Mittel der Wahl (nicht bei Schwangeren)
Ciprofloxacin500 mg als Einzeldosis p.o.Alternative (nicht bei Schwangeren/Kindern)
Ceftriaxon250 mg als Einzeldosis i.m.Mittel der Wahl bei Schwangeren

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie niemals die Antibiotikagabe wegen eines wartenden cCTs! Nehmen Sie Blutkulturen ab und geben Sie sofort Dexamethason und Antibiotika, bevor der Patient ins CT geht.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei schwerer Bewusstseinsstörung, fokal-neurologischen Defiziten oder neu aufgetretenen epileptischen Anfällen.
Ceftriaxon (oder Cefotaxim) plus Ampicillin. Bei Verdacht auf Cephalosporin-Resistenzen zusätzlich Vancomycin oder Rifampicin.
Unmittelbar vor oder zeitgleich mit der ersten Antibiotikagabe (10 mg i.v.).
Zellzahl >1000/µl (granulozytär), Laktat >3,5 mmol/l, Liquor-Serum-Glukose-Quotient <0,3 und Gesamteiweiß >1000 mg/l.
Bis 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie.

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