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SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine SARS-CoV-2-Infektion allein stellt keine geburtshilfliche Entbindungsindikation dar.
  • Schwangere mit schwerem COVID-19-Verlauf benötigen eine intensivierte Überwachung (Ziel-SpO2 ≥ 94 %) und interdisziplinäre Betreuung.
  • Nach überstandener Infektion wird ein fetales Assessment empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie und Frühgeburt besteht.
  • Eine negativ getestete Begleitperson ist unter der Geburt bei asymptomatischen oder negativ getesteten Gebärenden empfohlen.
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Hintergrund

Die Betreuung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen mit einer SARS-CoV-2-Infektion erfordert spezifische infektionspräventive und klinische Maßnahmen. Schwangere haben im Vergleich zu Nicht-Schwangeren gleichen Alters ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf.

Infektionsprävention und Screening

Ein konsequentes Screening und Hygienemaßnahmen sind essenziell für den Schutz von Personal und Patientinnen:

  • Screening: Bei jeder stationären Aufnahme oder Aufnahme zur Geburt soll ein Screening auf SARS-CoV-2 erfolgen.
  • Testung: Bei klinischem Verdacht (Anamnese, Symptome) soll unabhängig vom Impfstatus getestet werden.
  • Mund-Nase-Schutz (MNS):
    • Das Personal soll durchgehend einen MNS tragen.
    • Gebärende sollen bei Vorstellung in der Klinik einen MNS tragen.
    • Bei negativem Test und Symptomfreiheit soll der Gebärenden ermöglicht werden, den MNS abzulegen.
    • Bei positivem oder ausstehendem Test sowie bei Symptomen soll die Gebärende den MNS anbehalten.

Monitoring der Schwangeren

Die Betreuung richtet sich nach der Schwere der Symptomatik. Die geburtshilflichen Standards der Mutterschaftsrichtlinien bleiben bestehen.

Ambulante Betreuung (Asymptomatisch / Mild)

Die Betreuung erfolgt nach den Standard-Leitlinien für Nicht-Schwangere. Auf die Gefahr einer akuten respiratorischen Dekompensation soll explizit hingewiesen werden.

Stationäre Betreuung (Moderat / Schwer)

Bei deutlicher Beeinträchtigung oder Risikofaktoren (Adipositas, Diabetes, Hypertonie) soll eine Krankenhauseinweisung geprüft werden.

  • Vitalparameter: Engmaschige Kontrolle von Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung. Eine SpO2 ≥ 94 % soll angestrebt werden.
  • Bildgebung: Bei respiratorischer Insuffizienz oder Verdacht auf Lungenembolie sollen bildgebende Verfahren (Röntgen/CT) eingesetzt werden, da die fetale Strahlenbelastung gering ist.
KategorieEmpfohlene Parameter
Basis & EntzündungDifferentialblutbild, CRP, LDH
OrganfunktionAST/ALT, Kreatinin, Urinstatus (Proteinurie, Hämaturie, Leukozyturie)
GerinnungD-Dimere, Prothrombinzeit, aPTT, Fibrinogen

Modified Early Obstetric Warning Score (MEOWS)

Zur objektiven Einschätzung der Vitalparameter kann der MEOWS genutzt werden:

ParameterScore 3Score 2Score 1Score 0Score 1Score 2Score 3
SpO2 (%)≤ 8586–8990–95≥ 96
Atemfrequenz (/min)< 1010–1415–2021–29≥ 30
Puls (/min)< 4041–5051–100101–110110–129≥ 130
Systolischer RR (mmHg)≤ 7071–8081–100101–139140–149150–159≥ 160
Diastolischer RR (mmHg)≤ 4950–8990–99100–109≥ 110
Temperatur (°C)≤ 3535–3636–37,437,5–38,4≥ 38,5

Auswertung: 0-1 (Normal), 2-3 (Stabil, ärztliche Vorstellung am selben Tag), 4-5 (Instabil, umgehende Vorstellung), ≥ 6 (Kritisch, sofortige Notfallversorgung).

Fetale Überwachung

Bei schwerer maternaler Erkrankung ist die mütterliche Überwachung entscheidend für die fetale Prognose.

  • Bei drohender Beatmung oder ECMO soll die Überwachung intensiviert und eine zeitnahe Entbindung diskutiert werden.
  • Nach Genesung: Es sollte ein fetales Assessment (Biometrie, Doppler, Ausschluss hypoxischer Schäden) erfolgen.
  • Risiken nach Infektion: Es besteht ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten (oft iatrogen), Präeklampsie (RR 1,8) und Totgeburten. Ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten ist nicht belegt.

Geburt und Entbindungsmanagement

Eine SARS-CoV-2-Infektion allein soll keine Entbindungsindikation darstellen.

  • Entbindungszeitpunkt: Bei relevanter mütterlicher respiratorischer Beeinträchtigung sollte die Indikation zur Entbindung interdisziplinär geprüft werden.
  • Interdisziplinäre Kommunikation: Alle beteiligten Fachdisziplinen (Geburtshilfe, Anästhesie, Pädiatrie) sollen frühzeitig informiert werden.

Begleitperson unter der Geburt

Status der GebärendenEmpfehlungVoraussetzungen für Begleitperson
Negativ / SymptomfreiBegleitung soll ermöglicht werdenAsymptomatisch, negativer Antigen-Test (< 24h), MNS
Positiv / SymptomatischBegleitung nicht empfohlenNur im Ausnahmefall: Genesen/geimpft, negativ, Schutzausrüstung

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den MEOWS-Score zur objektiven Einschätzung der Vitalparameter. Achten Sie bei asymptomatischen Schwangeren stets auf die Gefahr einer plötzlichen respiratorischen Dekompensation.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Infektion allein ist keine Entbindungsindikation. Eine Entbindung sollte nur bei relevanter mütterlicher oder fetaler Beeinträchtigung erwogen werden.
Ja, bei einer negativ getesteten oder symptomfreien Gebärenden. Die Begleitperson muss asymptomatisch und negativ getestet sein (Antigen-Test < 24h). Bei positiv getesteten Gebärenden wird von einer Begleitperson abgeraten.
Bei negativem Test und Symptomfreiheit kann der MNS abgelegt werden. Bei positivem oder ausstehendem Test sowie bei Symptomen soll die Gebärende einen MNS tragen.
Empfohlen werden Differentialblutbild, CRP, LDH, AST/ALT, Kreatinin, D-Dimere, Gerinnungsparameter (PT, aPTT, Fibrinogen) sowie eine Urindiagnostik.
Es soll eine SpO2 von mindestens 94 % angestrebt werden.

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