ClariMedClariMed

Hepatitis B in der Schwangerschaft: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das HBsAg-Screening sollte idealerweise bereits im 1. Trimenon erfolgen, um bei hoher Viruslast rechtzeitig therapieren zu können.
  • Bei einer Viruslast von > 2x10^5 IU/ml HBV-DNA wird eine antivirale Therapie der Schwangeren dringend empfohlen.
  • Neugeborene HBsAg-positiver Mütter müssen innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt aktiv und passiv immunisiert werden.
  • Stillen ist für HBsAg-positive Mütter bei korrekter Immunisierung des Neugeborenen erlaubt, sofern keine HIV-Koinfektion vorliegt.
  • Rückstellproben aus der Frühschwangerschaft sollen für 24 Monate bei -20 °C archiviert werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Schwangerschaftsrelevante Virusinfektionen erfordern besondere Aufmerksamkeit, da sie die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden können. Die Leitlinie empfiehlt grundlegende Hygienemaßnahmen, wie die Vermeidung von Speichel- und Urinkontakt von Kleinkindern. Zudem soll eine in der Frühschwangerschaft gewonnene Serumprobe zur späteren Differenzierung von Infektionen für 24 Monate bei -20 °C archiviert werden.

Diagnostik der Hepatitis B

Die Labordiagnostik der Hepatitis-B-Virus-Infektion (HBV) erfolgt stufenweise. Der HBsAg-Nachweis dient als Suchtest.

InfektionsstatusHBsAgAnti-HBcAnti-HBc-IgMAnti-HBsHBV-DNA
Akute Infektionpositivpositivpositivnegativpositiv
Chronische Infektionpositivpositivnegativnegativpositiv
Abgelaufene Infektionnegativpositivnegativpositivnegativ
Immunität nach Impfungnegativnegativnegativpositivnegativ

Screening in der Schwangerschaft

Ein HBsAg-Screening soll bei allen Schwangeren durchgeführt werden. Während die Mutterschaftsrichtlinien dies ab der 32. Schwangerschaftswoche vorsehen, empfiehlt die Leitlinie ein Screening bereits vor der 13. Schwangerschaftswoche. Nur so kann bei einer neu entdeckten chronischen Infektion mit hoher Viruslast rechtzeitig eine antivirale Therapie zur Transmissionsprophylaxe begonnen werden.

Management und Therapie

Bei einem positiven HBsAg-Befund soll immer eine quantitative Bestimmung der HBV-DNA im Blut erfolgen.

  • Hohe Viruslast (> 2x10^5 IU/ml): Schwangeren soll eine spezifische antivirale Therapie angeboten werden, da das Risiko einer vertikalen Transmission trotz Immunisierung des Neugeborenen erhöht ist.
  • Invasive Eingriffe: Eine Amniozentese kann unter strenger Indikationsstellung erfolgen, birgt bei hochvirämischen Patientinnen jedoch ein Restrisiko für eine Übertragung.
  • Entbindungsmodus: Eine elektive Sectio caesarea kann bei hochvirämischen Schwangeren erwogen werden, die keine antivirale Therapie erhalten haben.

Versorgung des Neugeborenen

Um eine vertikale Übertragung zu verhindern, sind unmittelbar nach der Geburt spezifische Maßnahmen beim Kind erforderlich.

MaßnahmeZeitpunktBemerkung
Aktiv-Passiv-Immunisierung< 12 Stunden post partumSimultan HBV-Immunglobulin und 1. Impfdosis
Serologische Kontrolle1-2 Monate nach GrundimmunisierungÜberprüfung von Anti-HBs, HBsAg und Anti-HBc
StillenAb GeburtEmpfohlen, sofern das Kind immunisiert wird (Ausnahme: HIV-Koinfektion)

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei einem positiven HBsAg-Befund in der Schwangerschaft immer umgehend die quantitative HBV-DNA. Bei Werten > 2x10^5 IU/ml reicht die postnatale Immunisierung des Kindes allein oft nicht aus, und eine antivirale Therapie der Mutter ist indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt das Screening bereits vor der 13. Schwangerschaftswoche (entgegen der Mutterschaftsrichtlinie ab 32. SSW), um bei hoher Viruslast rechtzeitig eine antivirale Therapie beginnen zu können.
Ja, sofern das Neugeborene innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt aktiv und passiv immunisiert wurde und keine HIV-Koinfektion vorliegt.
Das Neugeborene muss zwingend innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt simultan aktiv und passiv gegen Hepatitis B immunisiert werden.
Unter strenger Indikationsstellung ja. Bei hochvirämischen Schwangeren besteht jedoch ein Restrisiko für eine vertikale Transmission.

Verwandte Leitlinien