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Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Präeklampsie wird als Hypertonie mit mindestens einer neuen Organmanifestation (z. B. Niere, Leber, ZNS, Plazenta) definiert.
  • Ein Präeklampsie-Screening nach FMF-Algorithmus soll im ersten Trimenon allen Schwangeren angeboten werden.
  • Bei hohem Risiko soll eine Prophylaxe mit ASS (100-150 mg/Tag, abends) vor 16+0 SSW begonnen werden.
  • Zur Quantifizierung der Proteinurie wird der Protein-Kreatinin-Quotient (Cut-off ≥30 mg/mmol) aus dem Spontanurin empfohlen.
  • Der sFlt-1/PlGF-Quotient (Cut-off ≤38) eignet sich zum zuverlässigen Ausschluss einer Präeklampsie bei Risikopatientinnen.
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Hintergrund

Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES) betreffen 6–8 % aller Schwangerschaften und sind eine der Hauptursachen für maternale und perinatale Morbidität und Mortalität. Die aktuelle S2k-Leitlinie fokussiert sich auf eine verbesserte Prädiktion, frühzeitige Prävention und strukturierte Diagnostik.

Klassifikation und Definitionen

Die Leitlinie unterteilt HES in verschiedene Entitäten. Eine Unterscheidung in "milde" und "schwere" Präeklampsie soll nicht mehr erfolgen, da die Dynamik unvorhersehbar ist.

ErkrankungDefinition / Kriterien
Chronische HypertoniePräkonzeptionell oder im 1. Trimester diagnostizierte Hypertonie.
GestationshypertonieNeu auftretend im Verlauf der Schwangerschaft (≥140/90 mmHg) ohne Präeklampsie-Kriterien.
PräeklampsieChronische oder Gestationshypertonie + mind. 1 neue Organmanifestation (Niere, Leber, ZNS, Plazenta/FGR, Blut, Lunge).
HELLP-SyndromHämolyse, Transaminasen ↑, Thrombozytopenie <100 G/l.
EklampsieTonisch-klonische Krampfanfälle ohne andere neurologische Ursache.

Hinweis: Eine schwere Hypertonie liegt bei Werten ≥160/110 mmHg vor. Hier besteht ein stark erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Schlaganfälle.

Risikofaktoren und Screening

Eine frühzeitige Risikoerkennung ermöglicht eine gezielte Prophylaxe.

  • Alle Schwangeren sollen im 1. Trimenon über die Möglichkeit eines Präeklampsie-Screenings informiert werden.
  • Wenn ein Screening erfolgt, soll dies nach dem FMF-Algorithmus (Fetal Medicine Foundation) durchgeführt werden.
  • Im 2. und 3. Trimenon ist ein generelles Screening über Blutdruck und Proteinurie hinaus nicht sinnvoll. Zur Prädiktion eignet sich hier die Dopplersonographie der Aa. uterinae (Pulsatilitätsindex).

Prävention der Präeklampsie

MaßnahmeEmpfehlungDosierung / Bemerkung
Acetylsalicylsäure (ASS)Soll bei hohem Risiko gegeben werden100-150 mg/Tag (abends), Beginn vor 16+0 SSW
Körperliche AktivitätKann das Risiko reduzierenAnaerobes/Krafttraining oder Yoga vor/in Frühschwangerschaft
NahrungsergänzungSoll nicht zur Prävention genutzt werdenMagnesium, Selen, Vitamine, Kalzium, Fischöl ohne erwiesenen Effekt
Heparin (NMH)Soll nicht zur Prävention genutzt werdenPräventiver Effekt nicht erwiesen

Diagnostik

Blutdruckmessung

Der Blutdruck soll als standardisierter Praxisblutdruck manuell oder mit validierten NIBD-Geräten gemessen werden. Zur weiteren Abklärung eignet sich die 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM) oder Heimblutdruckmessung (HBDM).

MessmethodeCut-off für Hypertonie
Praxisblutdruck≥ 140/90 mmHg
ABDM (24h-Wert)≥ 135/85 mmHg
HBDM (Heimmessung)≥ 135/85 mmHg

Labordiagnostik

Bei Verdacht auf HES sind spezifische Laborparameter wegweisend:

  • Proteinurie: Der Nachweis von ≥ 1+ Eiweiß im Urin-Streifentest soll quantifiziert werden. Dies sollte über den Protein-Kreatinin-Quotienten (PKQ) im Spontanurin erfolgen (Cut-off ≥30 mg/mmol bzw. 0,3 g/g). Wiederholte 24h-Sammelurin-Messungen sind nicht sinnvoll.
  • Hämolyse: Der Nachweis erfolgt am besten durch die Bestimmung des Haptoglobins (Abfall unter Referenzbereich).
  • Thrombozyten: < 100 Gpt/l (Ein progredienter Abfall muss auch im Normbereich kontrolliert werden).
  • Leberwerte: GPT/GOT und LDH-Anstieg auf das ≥ 2-fache des Referenzbereichs.

Angiogene Faktoren (sFlt-1 und PlGF)

Ein generelles Screening bei allen Schwangeren soll nicht erfolgen.

  • Bei hohem Risiko oder klinischen Symptomen kann PlGF allein oder der sFlt-1/PlGF-Quotient bestimmt werden.
  • Rule-out: Ein sFlt-1/PlGF-Quotient ≤ 38 schließt eine Präeklampsie für 1 bis 4 Wochen mit hoher Sicherheit aus (NPV 99,3 % für 1 Woche).
  • Eine Indikation zur Entbindung soll nicht allein aufgrund auffälliger angiogener Marker gestellt werden.

Differentialdiagnostik

  • Oberbauchschmerzen: In der zweiten Schwangerschaftshälfte soll bei rechtsseitigen Oberbauch- oder retrosternalen Schmerzen zwingend ein HELLP-Syndrom ausgeschlossen werden.
  • Krampfanfall: Bei Eklampsie-Verdacht oder schweren neurologischen Symptomen soll unverzüglich ein neurologisches Konsil erfolgen. Eine Bildgebung (MRT/CT) zum Ausschluss von Blutungen oder PRES sollte großzügig gestellt werden.
  • Präeklampsie-ähnliche Bilder: Bei Thrombozytopenie, Anämie oder Nierenversagen soll auch an TTP, atypisches HUS oder akute Schwangerschaftsfettleber (AFLP) gedacht werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei nachgewiesener signifikanter Proteinurie auf wiederholte 24-h-Sammelurin-Messungen, da die Höhe der Proteinurie keine prädiktive Aussagekraft für den weiteren Verlauf hat. Nutzen Sie stattdessen den Protein-Kreatinin-Quotienten im Spontanurin.

Häufig gestellte Fragen

Spätestens vor 16+0 SSW mit 100-150 mg/Tag (vorzugsweise abends).
Ein Blutdruck von ≥135/85 mmHg gilt bei der ambulanten 24h- oder Heimmessung als hyperton.
Bevorzugt über den Protein-Kreatinin-Quotienten (PKQ) im Spontanurin. Ein Wert ≥30 mg/mmol zeigt eine signifikante Proteinurie an.
Bei klinischem Verdacht oder hohem Risiko kann ein Quotient von ≤38 eine Präeklampsie für 1 bis 4 Wochen zuverlässig ausschließen (Rule-out).

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