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Schmerzen bei Querschnittlähmung: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Chronische Schmerzen betreffen 48-94 % der Patienten mit Querschnittlähmung und erfordern eine differenzierte Diagnostik.
  • Es wird primär zwischen nozizeptiven (z.B. muskuloskelettal) und neuropathischen Schmerzen (NeuS) unterschieden.
  • Das Therapieziel ist in der Regel eine Schmerzreduktion, da eine komplette Schmerzfreiheit meist unrealistisch ist.
  • Mittel der 1. Wahl bei neuropathischen Schmerzen sind die Antikonvulsiva Pregabalin und Gabapentin.
  • Opioide sollten aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils (insbesondere auf die Darmfunktion) nur als Reservemedikamente eingesetzt werden.
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Hintergrund

Chronische Schmerzen sind mit einer Prävalenz von 48-94 % eine häufige und schwerwiegende Komplikation bei einer Querschnittlähmung (QSL). Für eine adäquate Therapie ist die grundlegende Unterscheidung zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen essenziell. Ein sicherer Zusammenhang zwischen der Art der Schmerzen und der Schwere oder dem neurologischen Niveau der Lähmung lässt sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht herstellen, jedoch scheinen zervikale Läsionen häufiger zu zentralen neuropathischen Schmerzen zu führen.

Klassifikation von Schmerzen

Die Einteilung erfolgt nach der International Spinal Cord Injury Pain Classification (ISCIP). Diese unterscheidet grundlegend zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmerzformen:

SchmerzartSchmerzunterartPrimäre Schmerzquelle / Beispiele
NozizeptivBewegungsapparatArthritis, Frakturen, Spastik, Überlastung
NozizeptivViszeralObstipation, Myokardinfarkt, Gallenblasenentzündung
NozizeptivAndereDekubitalulcera, Migräne
NeuropathischAuf Höhe des Niveaus ("at-level")Nervenwurzelkompression, Kompression der Cauda equina
NeuropathischUnterhalb des Niveaus ("below-level")Ischämie oder Kompression des Rückenmarks
NeuropathischAndereKarpaltunnelsyndrom, diabetische Polyneuropathie

Diagnostik

Schmerzen als bio-psycho-soziales Phänomen erfordern eine umfassende, interdisziplinäre Diagnostik.

  • Klinische Untersuchung: Inspektion und Palpation des Bewegungsapparates, Überprüfung der vegetativen Organsysteme (Darm/Blase) sowie neurologische Differenzierung (z.B. Nachweis von Sensibilitätsverlust, Allodynie oder Hyperalgesie).
  • Apparative Diagnostik: Bildgebung (Sonografie, Röntgen, CT, MRT) bei nozizeptiven Schmerzen. Zur Objektivierung neuropathischer Schmerzen können evozierte Potentiale (SSEP, CHEPS, LEP, MEP) herangezogen werden.

Therapieziele

Die Therapieziele müssen interdisziplinär und patientenspezifisch entwickelt werden. Wichtig: Vom Erreichen einer kompletten Schmerzfreiheit soll nicht ausgegangen werden. Angestrebt wird eine realistische Schmerzreduktion unter Einbezug der psychologischen Anpassung an die Querschnittlähmung.

Pharmakologische Therapie bei neuropathischen Schmerzen

Die medikamentöse Therapie neuropathischer Schmerzen erfolgt symptomatisch. Die Leitlinie gibt hierfür klare Empfehlungsgrade vor:

StufeWirkstoffEmpfehlungBemerkung
1. WahlPregabalinStarke Empfehlung (soll)Schrittweise Dosissteigerung (max. 600 mg/d).
1. WahlGabapentinStarke Empfehlung (soll)Alternative zu Pregabalin (max. 3600 mg/d).
2. WahlDuloxetinEmpfehlung (sollte)Insbesondere bei begleitender Depression oder "at-level" NeuS.
2. WahlAmitriptylinEmpfehlung (sollte)Bei zusätzlicher Depression. Cave: Nebenwirkungen (Blase/Darm).
3. WahlTramadolKann erwogen werdenIn sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung.
3. WahlOxycodonKann erwogen werdenNur als Add-On zu Antikonvulsiva, keine Monotherapie.
Keine EmpfehlungLevetiracetam, ValproinsäureSoll nicht angewendet werdenFehlende Evidenz.
Keine EmpfehlungCannabinoideSoll nicht angewendet werdenSpärliche Evidenz und relevante Nebenwirkungen.

Nicht-pharmakologische Therapiemaßnahmen

Nicht-medikamentöse Strategien sind eine essenzielle komplementäre Option, insbesondere bei muskuloskelettalen Schmerzen:

  • Körperliche Aktivität & Physiotherapie: Sollte zur Behandlung nozizeptiver Schmerzen eingesetzt werden (z.B. spezifisches Schultertraining, Stretching).
  • Psychotherapie: Kann erwogen werden im Rahmen eines multimodalen Konzepts (z.B. kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren).
  • TENS & tDCS: Transkutane Elektrische Nervenstimulation und transkranielle Gleichstromstimulation können erwogen werden, gelten aber eher als Reserveoptionen.

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie vor dem Einsatz von Opioiden oder trizyklischen Antidepressiva (wie Amitriptylin) zwingend das Nebenwirkungsprofil. Bei Patienten mit Querschnittlähmung können diese Medikamente eine bestehende neurogene Darm- oder Blasenstörung (z.B. durch schwere Obstipation) massiv verschlechtern.

Häufig gestellte Fragen

Die Antikonvulsiva Pregabalin und Gabapentin gelten als Mittel der ersten Wahl und haben eine starke Leitlinienempfehlung (soll).
Opioide (wie Tramadol oder Oxycodon) sollten aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen, insbesondere auf die Darmfunktion, nur sehr zurückhaltend und als Reservemedikamente in sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung eingesetzt werden.
'At-level' beschreibt neuropathische Schmerzen auf Höhe des neurologischen Niveaus (und bis zu drei Segmente darunter), oft als Mischbild. 'Below-level' Schmerzen treten unterhalb dieses Niveaus auf und sind meist Folge einer zentralen spinalen Läsion.
Nein. Aufgrund einer spärlichen Evidenzlage und relevanter Nebenwirkungen (wie Obstipation und Schläfrigkeit) wird der Einsatz von Cannabinoiden aktuell nicht empfohlen.

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