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Extracranielle Carotisstenose: Diagnostik Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Prävalenz einer ≥50%igen Carotisstenose liegt bei Erwachsenen bei ca. 4,2 % und verursacht etwa 15 % aller zerebralen Ischämien in Deutschland.
  • Eine Stenose gilt als symptomatisch, wenn sie innerhalb der letzten 6 Monate zu einem ipsilateralen Hirninfarkt, einer TIA oder retinalen Ischämie geführt hat.
  • Die Auskultation wird zur Detektion einer Carotisstenose nicht empfohlen.
  • Mittel der ersten Wahl zur Diagnostik ist die farbkodierte Duplexsonographie (DUS) durch einen erfahrenen Untersucher.
  • Vor einer operativen oder endovaskulären Revaskularisation muss der Ultraschallbefund durch eine zweite Bildgebung (CTA, MRA oder zweite DUS) bestätigt werden.
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Hintergrund

Die Prävalenz einer ≥50%igen extracraniellen Carotisstenose (nach NASCET) liegt in der erwachsenen Bevölkerung bei ca. 4,2 %. Ab dem 65. Lebensjahr steigt sie deutlich an. In Deutschland werden etwa 15 % aller zerebralen Ischämien durch Stenosen oder Verschlüsse der extracraniellen A. carotis verursacht.

Zu den signifikanten Risikofaktoren für das Vorliegen einer Carotisstenose gehören:

  • Aktueller Nikotinkonsum
  • Höheres Lebensalter
  • Männliches Geschlecht
  • Vorbestehende Gefäßerkrankungen

Das Risiko eines ipsilateralen Hirninfarktes bei einer asymptomatischen ≥50%igen Carotisstenose ist durch optimierte konservative Therapie (Best Medical Treatment) auf aktuell ca. 1 % pro Jahr gesunken.

Definition: Symptomatisch vs. Asymptomatisch

Die Unterscheidung ist essenziell für die Therapieentscheidung und das Behandlungsrisiko. Sie sollte durch einen in der Schlaganfalldiagnostik erfahrenen Neurologen erfolgen.

KlassifikationDefinition / Kriterien
SymptomatischIpsilateraler Hirninfarkt, TIA oder retinale Ischämie innerhalb der letzten 6 Monate.
AsymptomatischKeine stenose-assoziierten Symptome in den vergangenen 6 Monaten.
SonderfallNachweis einer ipsilateralen, klinisch stummen Ischämie in der Schnittbilddiagnostik (kann als symptomatisch gewertet werden).

Diagnostik

Ein allgemeines Screening der Bevölkerung auf Carotisstenosen wird nicht empfohlen. Die Auskultation (Suche nach Strömungsgeräuschen) soll zur Detektion nicht angewendet werden, da Sensitivität und Spezifität unzureichend sind.

Apparative Verfahren

VerfahrenEmpfehlungBemerkung
Farbkodierte Duplexsonographie (DUS)Mittel der 1. WahlSoll durch erfahrenen Untersucher erfolgen. Graduierung nach DEGUM-Kriterien empfohlen.
CT-Angiographie (CTA) / MR-Angiographie (MRA)ErgänzendBei Zweifeln an der DUS-Graduierung, erschwerten Schallbedingungen oder Tandemstenosen.
Digitale Subtraktions-Angiographie (DSA)Nicht routinemäßigNur bei diskrepanten nicht-invasiven Befunden und therapeutischer Konsequenz (Komplikationsrate soll <0,5 % liegen).

Bei der Angabe des Stenosegrades soll immer das diagnostische Verfahren und die verwendete Definition (vorzugsweise NASCET) angegeben werden.

Präoperative Evaluation

Vor einer geplanten operativen (CEA) oder endovaskulären (CAS) Revaskularisation gelten strenge diagnostische Vorgaben:

  • Klinische Untersuchung: Systematische Erfassung vaskulärer Risikofaktoren und neurologischer Status.
  • Parenchymbildgebung: Vor Revaskularisation bei symptomatischen Patienten obligat (bei asymptomatischen Patienten zur Zusatzinformation).
  • Bestätigung vor CEA (Carotis-TEA): Der DUS-Befund sollte durch CTA, MRA oder eine zweite DUS durch einen weiteren qualifizierten Untersucher bestätigt werden.
  • Bestätigung vor CAS (Stenting): Jede DUS soll durch eine CTA oder MRA ergänzt werden, um den Aortenbogen und die intracranielle Zirkulation zu beurteilen.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Detektion einer Carotisstenose niemals auf die Auskultation. Nutzen Sie primär die farbkodierte Duplexsonographie und bestätigen Sie operationsrelevante Befunde stets durch eine zweite Bildgebung (CTA/MRA).

Häufig gestellte Fragen

Wenn sie innerhalb der letzten 6 Monate zu einem ipsilateralen Hirninfarkt, einer TIA oder einer retinalen Ischämie geführt hat.
Die farbkodierte Duplexsonographie (DUS) durch einen erfahrenen Untersucher.
Nein, die Leitlinie rät von der Auskultation zur Detektion einer Carotisstenose ab, da Strömungsgeräusche unzuverlässig sind.
Neben dem Ultraschall muss zwingend eine CTA oder MRA erfolgen, um den Aortenbogen und die intracranielle Zirkulation zu beurteilen.
Unter optimaler medikamentöser Therapie liegt das Risiko für einen ipsilateralen Hirninfarkt aktuell bei etwa 1 % pro Jahr.

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