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Rehabilitation Querschnittlähmung: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der SCIM III und WISCI I/II sind die empfohlenen Standard-Assessments zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit und Gehfunktion in allen Phasen.
  • Das individuelle Sturzrisiko muss bei Gehfähigkeit klinisch beurteilt werden und darf nicht isoliert durch ein einzelnes Assessment erfolgen.
  • Die ISNCSCI-Klassifikation ist das bevorzugte neurologische Assessment für alle Phasen der Querschnittlähmung.
  • Regionale Bewegungstherapie und Physiotherapie auf neurophysiologischer Basis bilden das Fundament der therapeutischen Interventionen.
  • Medizinische Trainingstherapie und Ausdauertraining sind essenziell für den Erhalt von Muskelkraft und Mobilität.
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Hintergrund

Die Leitlinie richtet sich an die Rehabilitation von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit kompletter und inkompletter Querschnittlähmung (QSL) im Akut- und Rehabilitations-Setting (akute, subakute und chronische Phase). Ziel ist die Verbesserung der Funktionsfähigkeit, insbesondere der Steh- und Gehfunktion, basierend auf der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF).

Assessments: Aktivität und Partizipation

Zur Beurteilung der funktionellen Unabhängigkeit und Gehfähigkeit werden folgende standardisierte Tests empfohlen:

AssessmentIndikation / ZielEmpfehlung
SCIM IIIBeschreibung der Funktionsfähigkeit und Unabhängigkeit in allen PhasenSoll (⇑⇑)
WISCI I / IIBeurteilung der Gehfunktion in allen PhasenSoll (⇑⇑)
TUG (Timed Up and Go)Sobald Aufstehen, Gehen und Drehen (ggf. mit Hilfe) möglich istSoll (⇑⇑)
10 MWT (10 Meter Walk Test)Sobald der Patient mindestens 10 Meter gehen kannSoll (⇑⇑)
2 MWT / 6 MWTSobald der Patient 2 bzw. 6 Minuten gehen kannSoll (⇑⇑)
Berg Balance Scale (BBS)Beurteilung des Gleichgewichts im Gehen bei gewisser Steh-/GehfähigkeitSollte (⇑)
Mini-BESTestBeurteilung von Gleichgewicht und Gangsicherheit bei guter GehfähigkeitSollte (⇑)
mFRTBeurteilung des dynamischen GleichgewichtsSollte (⇑)
  • Sturzrisiko: Bei Gehfähigkeit soll das individuelle Sturzrisiko klinisch beurteilt werden und nicht isoliert durch ein einziges Assessment erfolgen.

Assessments: Körperfunktionen und -strukturen

Für die neurologische und strukturelle Evaluation gelten folgende Empfehlungen:

AssessmentIndikation / ZielEmpfehlung
ISNCSCI (ASIA)Bevorzugtes neurologisches Assessment in allen PhasenSoll (⇑⇑)
Modified Ashworth Scale (MAS)Einschätzung der Spastik in allen PhasenSoll (⇑⇑)
Penn Spasm Frequency Scale (PSFS)Differenzierte Beschreibung von Spasmen und deren HäufigkeitSollte (⇑)
SCATSEinschätzung der klonischen Komponente spastischer ReflexeSollte (⇑)

Interventionen und Therapie

Die Auswahl der Interventionen erfolgt dynamisch und individuell, basierend auf den bio-psycho-sozialen Gegebenheiten, Komplikationen und gemeinsam festgelegten Zielen.

TherapieformIndikation / ZielEmpfehlung
Regionale/ADL-bezogene BewegungstherapieBasistherapie zur Erhaltung/Verbesserung von Muskelkraft, Beweglichkeit und SelbstständigkeitSoll (⇑⇑)
Physiotherapie (neurophysiologisch)Verbesserung von Tonus, Schmerz, Gelenkbeweglichkeit und KoordinationSoll (⇑⇑)
Mobilisation & MuskeldehnungBefundorientiert zum Erhalt/Verbesserung der GelenkbeweglichkeitSoll (⇑⇑)
Physikalische Therapie / EntstauungLinderung von Weichteilschmerzen, Verspannungen, LymphödemenSoll (⇑⇑)
Medizinische Trainingstherapie & AusdauerErhalt/Verbesserung der Muskelkraft im nicht/inkomplett gelähmten BereichSoll (⇑⇑)
Bewegungstherapie im WasserBei Spastik/Schmerz, sofern keine Inkontinenz vorliegt (subakut/chronisch)Sollte (⇑)
KoordinationstrainingErhalt/Verbesserung von Koordination und motorischem LernenSollte (⇑)
Bewegungstrainer (mit/ohne FES)Reduktion von Spastik/Schmerz, Vorbereitung der GehfähigkeitSollte (⇑)
Stehtraining (mit/ohne FES)Erhalt der Gelenkbeweglichkeit, Anregung der RumpfmuskulaturSollte (⇑)
Gehtraining (Laufband, Robotik, Overground)Verbesserung der Geh- und Stehfunktion bei entsprechender IndikationSollte (⇑)

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den 10-Meter-Gehtest (10 MWT) als Standard, sobald der Patient 10 Meter gehen kann, und ergänzen Sie bei guter Gehfähigkeit den Mini-BESTest zur Beurteilung der Gangsicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Der ISNCSCI (International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury) soll in allen Phasen (akut, subakut, chronisch) als bevorzugtes Assessment durchgeführt werden.
Die modifizierte Ashworth Scale (MAS) wird als Standard empfohlen. Ergänzend sollten die Penn Spasm Frequency Scale (PSFS) für Spasmen und das SCATS für die klonische Komponente genutzt werden.
In der subakuten und chronischen Phase, wenn Probleme wie Spastik oder Schmerz im Vordergrund stehen und keine Kontraindikationen wie Inkontinenz vorliegen.
Das individuelle Sturzrisiko soll unter Berücksichtigung verschiedener klinischer Einflussfaktoren beurteilt werden. Eine isolierte Beurteilung durch nur ein Assessment reicht nicht aus.

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