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Schwangerschaft bei Querschnittlähmung: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Querschnittlähmung (QSL) stellt per se keine Indikation zur Sectio dar; eine vaginale Entbindung ist möglich.
  • Harnwegsinfekte sind die häufigste Komplikation. Auch asymptomatische Bakteriurien sollen testgerecht für 7-10 Tage antibiotisch behandelt werden.
  • Bei Läsionen oberhalb T6 besteht ein hohes Risiko für eine lebensbedrohliche Autonome Dysreflexie (AD), insbesondere unter der Geburt.
  • Eine medikamentöse Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin (NMH) wird ab der 28. SSW bis 6 Wochen postpartal empfohlen.
  • Präkonzeptionell soll eine Folsäure-Substitution (0,4 mg/d, bei Spina bifida 5 mg/d) erfolgen.
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Hintergrund

Schwangerschaften bei Frauen mit Querschnittlähmung (QSL) gelten grundsätzlich als Risikoschwangerschaften. Sie erfordern eine enge interdisziplinäre Betreuung durch Gynäkologie, Geburtshilfe, Paraplegiologie, Neuro-Urologie und Anästhesie. Frauen mit QSL haben ein deutlich erhöhtes Risiko für vorgeburtliche Hospitalisierungen, Frühgeburtlichkeit und spezifische Komplikationen wie Harnwegsinfekte und Autonome Dysreflexie.

Autonome Dysreflexie (AD)

Die Autonome Dysreflexie ist eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation, die vor allem bei Läsionen oberhalb T6 auftritt. Sie äußert sich durch einen massiven, raschen Blutdruckanstieg (systolisch >300 mmHg möglich) und Bradykardie.

  • Triggerfaktoren: Harnverhalt, Überdehnung des Darms, Wehen, vaginale/rektale Untersuchungen.
  • Therapie: Sofortige Beseitigung des Triggers (z.B. Blasenentleerung). Medikamentös primär Nifedipin (oral) oder Urapidil (i.v.).
  • Prophylaxe unter der Geburt: Frühzeitige Anlage eines Periduralkatheters (PDK) zur Ausschaltung der neurologischen Segmente bis T10.
KriteriumAutonome DysreflexiePräeklampsie
LähmungshöheMeist oberhalb T6Unabhängig von Lähmungshöhe
BlutdruckanstiegSehr rasch (Sekunden), extrem hochLangsam kontinuierlich steigend
HerzfrequenzMeist bradykardMeist normofrequent
ProteinurieNeinJa (>300mg/24h)
KlinikSchwitzen, Gänsehaut, pochende KopfschmerzenÖdeme, kontinuierliche Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen

Urologisches Management

Harnwegsinfektionen (HWI) und Harninkontinenz sind die häufigsten Komplikationen. Durch das Uteruswachstum verkleinert sich die Blasenkapazität, was das Blasenmanagement erschwert.

  • Diagnostik: 4-8 wöchentliche Urinkontrollen (Katheter-Urin) inklusive Urinkultur und Ultraschall des Harntrakts.
  • Therapie: Auch eine asymptomatische Bakteriurie soll bei QSL testgerecht antibiotisch behandelt werden, um einer Pyelonephritis und Frühgeburtlichkeit vorzubeugen.
  • Dauer: Prinzipiell soll eine länger dauernde (7-10 Tage) und höher dosierte Therapie erfolgen. Keine Kurzzeittherapie!
  • Harnableitung: Bei Harntransportstörung mit Flankenschmerzen, Nierenfunktionsverschlechterung oder Fieber sollte eine Ureterschiene oder Nephrostomie erfolgen.

Medikamentöse Therapie

Die Medikation muss präkonzeptionell und während der Schwangerschaft streng überprüft werden. Antispastika (wie Baclofen oder Tizanidin) sollten schrittweise reduziert und abgesetzt werden.

IndikationMittel der WahlBemerkung
Folsäure-SubstitutionFolsäure 0,4 mg/dBei Spina bifida: 5 mg/d
AntibiotikaPenicilline, Cephalosporine2. Wahl: Nitrofurantoin (am Ende der SS meiden)
SchmerztherapieParacetamolMax. Tagesdosis 3g. NSAR im 3. Trimenon kontraindiziert.
AntihypertonikaAlpha-Methyldopa, NifedipinACE-Hemmer und AT1-Antagonisten sind kontraindiziert.
ThromboseprophylaxeNiedermolekulare Heparine (NMH)DOACs und Cumarine sind kontraindiziert.

Thromboseprophylaxe

Schwangere mit QSL haben ein fast 10-fach erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien.

  • Eine generelle medikamentöse Prophylaxe mit NMH soll ab der 28. SSW bis 6 Wochen nach der Geburt erfolgen.
  • Bei zusätzlichen Risikofaktoren ist die Prophylaxe für die gesamte Schwangerschaft und das Wochenbett indiziert.

Geburt und Anästhesie

Die QSL stellt per se keine Indikation zur Sectio dar. Die Entscheidung zum Entbindungsmodus muss individuell getroffen werden.

  • Geburtsüberwachung: Da Wehen oft nicht gespürt werden, besteht die Gefahr unerkannter Frühgeburten. Ab der aktiven Eröffnungsphase ist eine 1:1 Betreuung durch eine Hebamme empfohlen.
  • Anästhesie: Bei Läsionen >T6 oder bekannter AD-Neigung ist eine frühzeitige PDK-Anlage mit patientenkontrollierter periduraler Analgesie (PCEA) zwingend erforderlich.
  • Postpartale Phase: Bei Gefahr einer AD soll die Überwachung und PCEA bis 48 Stunden postpartal fortgesetzt werden.

Wochenbett und Stillen

Das Stillen wird ausdrücklich empfohlen. Bei Läsionen oberhalb T4/5 kann die Sensorik der Mamillen aufgehoben sein, was zu einer reduzierten Milchbildung führen kann. Visuelle Stimulation oder Oxytocin-Nasenspray können hier unterstützen. Bei zwingender Indikation für in der Stillzeit kontraindizierte Medikamente muss abgestillt werden.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei Schwangeren mit einer Läsionshöhe oberhalb T6 und plötzlichem Blutdruckanstieg immer zuerst an eine Autonome Dysreflexie. Beseitigen Sie sofort mögliche Trigger (z.B. Harnblase entleeren) und leiten Sie bei Bedarf eine antihypertensive Therapie mit Nifedipin oder Urapidil ein.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Eine Querschnittlähmung stellt per se keine Indikation zur Sectio dar. Eine vaginale Entbindung ist bei entsprechender Planung und Überwachung möglich.
Ja. Im Gegensatz zu gesunden Schwangeren soll bei QSL auch eine asymptomatische Bakteriurie testgerecht antibiotisch behandelt werden, um einer Pyelonephritis und infektinduzierten Frühgeburtlichkeit vorzubeugen.
Es soll prinzipiell eine länger dauernde Therapie von 7-10 Tagen durchgeführt werden. Eine Kurzzeittherapie wird bei Schwangeren mit QSL nicht empfohlen.
Generell werden 0,4 mg Folsäure pro Tag empfohlen. Bei Frauen mit Spina bifida oder anderen Neuralrohrdefekten in der Anamnese ist eine Hochdosis von 5 mg pro Tag indiziert.
Eine generelle Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin (NMH) sollte ab der 28. SSW bis 6 Wochen nach der Geburt erfolgen. Bei weiteren Risikofaktoren auch schon früher.

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