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Wurzelspitzenresektion (WSR): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WSR ist indiziert bei persistierender apikaler Parodontitis, nicht revidierbarer Wurzelfuellung oder frakturierten Instrumenten.
  • Ein mikrochirurgisches Vorgehen mit Vergroesserungshilfen (Mikroskop) erhoeht die Erfolgsquote signifikant.
  • Die Resektion soll im 90-Grad-Winkel erfolgen, gefolgt von einer 3 mm tiefen retrograden Kavitaet mittels Ultraschall.
  • Als retrograde Fuellmaterialien werden hydraulische Silikatzemente oder Zinkoxid-Eugenol-Zemente empfohlen.
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Hintergrund

Die Wurzelspitzenresektion (WSR) bezeichnet die chirurgische Kuerzung der Wurzelspitze nach Schaffung eines operativen Zuganges durch den Knochen. Ziel ist der bakteriendichte Verschluss des endodontischen Wurzelkanalsystems am Resektionsquerschnitt, um die Heilung einer periradikulaeren Entzuendung (apikale Parodontitis) zu ermoeglichen und den Zahn funktionell zu erhalten.

Symptome und Diagnostik

Klinische Symptome einer apikalen Parodontitis umfassen fehlende Sensibilitaet, Perkussionsempfindlichkeit, apikale Druckdolenz, Schwellungen, Fistelbildung oder Lockerung. Radiologisch zeigt sich typischerweise eine periradikulaere Radioluzenz oder eine Erweiterung des Parodontalspaltes.

Zur Therapieentscheidung sind folgende Basisuntersuchungen erforderlich:

  • Inspektion und klinische Beurteilung der Erhaltungswuerdigkeit
  • Perkussions- und Palpationstest
  • Sensibilitaetstest (betroffener Zahn und Nachbarzaehne)
  • Erhebung parodontaler Parameter
  • Roentgenuntersuchung (vollstaendige Darstellung inkl. periapikaler Aufhellung)

Bei persistierender Schmerzsymptomatik trotz vermeintlich einwandfreier Wurzelkanalfuellung sollten nicht-dentogene Ursachen (z. B. atypischer Gesichtsschmerz) abgeklaert werden.

Indikationen zur Wurzelspitzenresektion

Die WSR ist indiziert, wenn eine orthograde (nicht-chirurgische) Wurzelkanalbehandlung nicht moeglich oder nicht erfolgversprechend ist.

Starker Konsens besteht fuer folgende Indikationen:

  • Obliterierte und/oder nicht mehr instrumentierbare Wurzelkanaele bei apikaler Parodontitis
  • Erhebliche morphologische Varianten, die eine vollstaendige Desinfektion verhindern
  • Persistierende apikale Parodontitis nach Wurzelfuellung, die nicht ohne unverhaeltnismaessige Risiken (z. B. bei Stiftversorgungen) revidiert werden kann
  • Frakturierte Wurzelkanalinstrumente in Apexnaehe, die orthograd nicht entfernbar sind
  • Perforationen, Stufen oder Blockaden aus primaeren Aufbereitungen
  • Ueberpresstes Wurzelkanalfuellmaterial mit klinischer Symptomatik oder Beteiligung von Nachbarstrukturen (Kieferhoehle, Mandibularkanal)
  • Wurzelquerfrakturen im apikalen Drittel mit Infektion des apikalen Fragmentes

Operationstechnik und Materialien

Die mikrochirurgische Technik zeigt in Studien signifikant hoehere Erfolgsraten als das traditionelle Vorgehen. Der Einsatz von Vergroesserungshilfen (Dentalmikroskop, Lupenbrille, Endoskop) wird stark empfohlen.

Technik-ParameterEmpfohlenes Vorgehen (Mikrochirurgisch)Bemerkung
ResektionswinkelNahezu rechtwinklig (90 Grad) zur ZahnachseSchont Knochensubstanz, erleichtert anatomische Beurteilung
Retrograde PraeparationCa. 3 mm tief, achsgerechtPraeparation zwingend mittels Ultraschallinstrumenten
Retrograde FuellungApplikation zwingend erforderlichSignifikant hoehere Erfolgsraten als alleinige Glaettung

Fuellmaterialien fuer die retrograde Fuellung

MaterialBewertungEmpfehlung
Hydraulische SilikatzementeSehr hohe Erfolgsraten (bis 97%)Empfohlen
Zinkoxid-Eugenol-ZementeHohe Erfolgsraten (ca. 90%)Empfohlen
Komposit / Dentin-BondingGeringere LangzeiterfolgsratenZweite Wahl
Glasionomerzement (GIZ)Signifikant schlechtere ErfolgsratenNicht empfohlen

Fuer den standardmaessigen Einsatz von GTR- (Guided Tissue Regeneration) oder Augmentationstechniken zur Knochenheilung kann derzeit keine Empfehlung ausgesprochen werden. Eine Ausnahme bilden bikortikale Defekte.

Risikofaktoren und Komplikationen

Verschiedene Faktoren koennen die Erfolgswahrscheinlichkeit mindern:

  • Grosse periapikale Laesionen oder Zysten
  • Paro-Endo-Laesionen (Kombination aus apikaler und marginaler Parodontitis)
  • Intraradikulaere Isthmen oder nicht identifizierte zusaetzliche Kanaele
  • Unzureichende koronale Restauration (koronales Leakage)

Moegliche Komplikationen umfassen postoperative Infektionen, Schaedigung sensibler Nerven (N. trigeminus), Eroeffnung der Kieferhoehle (Sinusitis maxillaris) oder Wurzelfrakturen.

Prognose und Vorgehen bei Misserfolg

Die Erfolgsquoten moderner mikrochirurgischer Techniken liegen zwischen 77% und 97%. Der Therapieerfolg wird nach mindestens einem Jahr klinisch und radiologisch beurteilt (nach den Kriterien von Rud et al.).

HeilungskategorieRadiologisches BildBewertung
1. Komplette HeilungNeuformation des Parodontalspaltes, vormalige Kavitaet mit Knochen gefuelltErfolg
2. Inkomplette HeilungVerkleinerte Rarefikation (Narbengewebe), asymmetrisch um ApexErfolg
3. Unsichere HeilungVerkleinerte Radioluzenz, aber Parodontalspalt > doppelte BreiteMisserfolg (wenn > 4 Jahre)
4. UnbefriedigendRarefikation unveraendert oder vergroessertMisserfolg

Fuehrt eine WSR nicht zum Erfolg, werden folgende Therapiemoeglichkeiten diskutiert:

  • Erneute WSR (Re-WSR): Insbesondere bei initial nicht suffizientem retrogradem Verschluss oder unzureichender Resektion.
  • Orthograde Revisionsbehandlung: Auch bei bereits resezierten Zaehnen moeglich und in Studien mit Erfolgsquoten von ca. 70-87% beschrieben.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie Vergroesserungshilfen (Dentalmikroskop) und Ultraschallansaetze fuer die retrograde Praeparation. Verzichten Sie auf Glasionomerzement als retrogrades Fuellmaterial.

Häufig gestellte Fragen

Bei persistierender apikaler Parodontitis, obliterierten Kanaelen, frakturierten Instrumenten im apikalen Drittel oder ueberpresstem Fuellmaterial, wenn eine orthograde Revision nicht moeglich ist.
Hydraulische Silikatzemente (z. B. MTA) oder Zinkoxid-Eugenol-basierte Zemente (z. B. Super-EBA). Glasionomerzement soll nicht verwendet werden.
Die Kavitaet sollte ca. 3 mm tief und achsgerecht zum Wurzelkanal mit Ultraschall praepariert werden.
Nein, die alleinige Antibiotikatherapie ersetzt keine WSR. Sie kann aber bei Risikopatienten (z. B. Endokarditisprophylaxe, Immunsuppression) begleitend indiziert sein.

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