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Dentales Trauma bleibender Zähne: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Vitalerhaltung der Zahnpulpa ist oberstes Ziel, insbesondere bei Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum.
  • Die partielle Pulpotomie ist die favorisierte Therapieoption bei Kronenfrakturen mit Pulpabeteiligung.
  • Zur Stabilisierung dislozierter Zähne wird eine flexible Schienung (1 bis 4 Wochen je nach Trauma) empfohlen.
  • Avulsierte Zähne sollten zellphysiologisch gelagert (Zahnrettungsbox) und zeitnah replantiert werden.
  • Bei Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum und starker Dislokation (≥ 2 mm) sollte die Endodontie frühzeitig eingeleitet werden.
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Hintergrund

Das dentale Trauma weist weltweit eine hohe Prävalenz von ca. 25 bis 30 % auf. Oberstes Ziel der Behandlung ist die Gewährleistung einer bestmöglichen Versorgung, um Folgeschäden zu minimieren und einen langfristigen Zahnerhalt zu ermöglichen. Dabei gilt der Grundsatz: Minimal invasives Vorgehen mit Reposition und Ruhigstellung der Gewebe in der Akutsituation.

Klassifikation der Zahnverletzungen

Die Einteilung erfolgt nach der IADT-Klassifikation in Frakturen und Dislokationsverletzungen:

FrakturenDislokationsverletzungen
SchmelzinfraktionKonkussion
Kronenfraktur (mit/ohne Pulpabeteiligung)Lockerung
Kronen-Wurzel-FrakturLaterale Dislokation
WurzelfrakturExtrusion
AlveolarfortsatzfrakturIntrusion / Avulsion

Diagnostik

Die klinische Untersuchung sollte nach dem Prinzip "Hartgewebe vor Weichgewebe" und "von innen nach außen" erfolgen.

  • Anamnese: Sturzursache, Ausschluss eines Schädel-Hirn-Traumas, Überprüfung des Tetanusschutzes.
  • Klinik: Inspektion, Palpation, Sensibilitätstest, Perkussionstest.
  • Bildgebung: Bei Verdacht auf ein Trauma soll eine bildgebende Diagnostik erfolgen (Zahnfilm, OPG, bei spezieller Indikation DVT).
  • Fotodokumentation: Sollte vor der Therapie von labial und inzisal erfolgen, um die Klassifikation zu erleichtern und aus forensischen Gründen.

Therapie von Frakturen

FrakturtypTherapieBemerkung
SchmelzfrakturGgf. Schliffkorrektur, adhäsive VersiegelungKeine speziellen Pulpamaßnahmen nötig
Kronenfraktur (ohne Pulpa)Abdichten der Dentinwunde (Adhäsivtechnik), FragmentwiederbefestigungEngmaschige Vitalitätskontrolle
Kronenfraktur (mit Pulpa)Partielle Pulpotomie (bevorzugt), direkte Überkappung oder PulpektomieVitalerhaltung ist oberstes Ziel
Kronen-Wurzel-FrakturAdhäsive Fragmentbefestigung, chirurgische/orthodontische ExtrusionBei tief apikaler Fraktur oft Extraktion nötig
Wurzelfraktur (intraalveolär)Reposition, Schienung (4-12 Wochen)Bei Nekrose: Wurzelkanalbehandlung des koronalen Fragments

Therapie von Dislokationsverletzungen

Die Sofortmaßnahmen zielen auf Reposition und Stabilisierung ab. Es wird eine flexible Schienung (z.B. Titan-Trauma-Schiene) empfohlen, um eine physiologische Zahnbeweglichkeit zu ermöglichen.

VerletzungEmpfohlene SchienungsdauerBemerkung
Konkussion / Lockerung1-2 Wochen (flexibel)Schonung, weiche Kost
Extrusion1-2 Wochen (flexibel)Vorsichtige Reposition
Laterale Dislokation2-4 Wochen (flexibel)Bei Dislokation ≥ 2 mm frühe Endo erwägen
Intrusion2-4 Wochen (flexibel)Bei offenem Apex (<3mm) spontane Eruption abwarten
Avulsion1-3 Wochen (flexibel)Sofortige Replantation, zellphysiologische Lagerung
Alveolarfortsatzfraktur4-6 Wochen (rigide)Manuelle Reposition, Draht-Kunststoff-Schiene

Management der Avulsion (Zahnverlust)

Die Prognose hängt maßgeblich vom Überleben der desmodontalen Zellen ab.

  • Lagerung: Vorzugsweise in einer Zahnrettungsbox. Alternativen in absteigender Reihenfolge: Alveolenfach, kalte H-Milch, isotone Kochsalzlösung. Eine Trockenlagerung von > 60 Minuten führt sehr wahrscheinlich zum Zelltod.
  • Replantation: Möglichst zeitnah. Die Wurzeloberfläche darf nicht mechanisch gereinigt oder berührt werden, sondern nur sanft gespült werden.
  • Endodontie: Bei Zähnen mit geschlossenem Apex sollte die Wurzelkanalbehandlung 7-10 Tage nach dem Trauma (unmittelbar vor der Schienenentfernung) eingeleitet werden.

💡Praxis-Tipp

Lagern Sie avulsierte Zähne immer zellphysiologisch (bevorzugt in einer Zahnrettungsbox) und fassen Sie die Wurzeloberfläche niemals an. Bei Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum und einer Dislokation von ≥ 2 mm leiten Sie die endodontische Behandlung frühzeitig noch in der Schienungsphase ein.

Häufig gestellte Fragen

Die Dauer hängt von der Verletzung ab: Konkussion, Lockerung und Extrusion erfordern 1-2 Wochen, Avulsion 1-3 Wochen, laterale Dislokation und Intrusion 2-4 Wochen. Alveolarfortsatzfrakturen werden 4-6 Wochen rigide geschient.
Das beste Medium ist eine Zahnrettungsbox. Alternativen sind das Alveolenfach, kalte H-Milch oder isotone Kochsalzlösung. Eine Trockenlagerung über 60 Minuten führt zum Absterben der desmodontalen Zellen.
Bei Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum sollte die endodontische Behandlung 7 bis 10 Tage nach dem Trauma, unmittelbar vor der Schienenentfernung, eingeleitet werden.
Die partielle Pulpotomie ist die bevorzugte Therapieoption zur Vitalerhaltung der Pulpa, unabhängig vom Stadium des Wurzelwachstums.

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