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Kiefergelenkersatz (TEP): S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der totale Kiefergelenkersatz ist primär bei Endstadium-Erkrankungen (Wilkes V und VI) indiziert, wenn konservative Therapien versagen.
  • Es wird zwischen patientenspezifischen (Custom-made) und konfektionierten (Stock) Prothesen unterschieden.
  • Metall-auf-Metall-Prothesen sollten wegen möglichen Abriebs und Allergierisiken kritisch abgewogen werden.
  • Ein multidisziplinärer Ansatz zur präoperativen Schmerzreduktion wird dringend empfohlen.
  • Die Erwartung einer vollständigen Wiederherstellung des prämorbiden Gelenkzustands ist unrealistisch, die Lebensqualität steigt jedoch signifikant.
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Hintergrund

Der totale alloplastische Kiefergelenkersatz rückt durch verbesserte Prothesensysteme zunehmend in den klinischen Fokus. Er bleibt primär schwer geschädigten Kiefergelenken im Endstadium (Wilkes Stadien V und VI) vorbehalten, die konservativ oder durch konventionelle chirurgische Verfahren nicht mehr therapierbar sind. Auffällig ist, dass die Patientenklientel im Vergleich zur Orthopädie relativ jung ist (durchschnittlich 40-50 Jahre zum Zeitpunkt der Implantation) und eine starke Prädominanz weiblicher Patienten (ca. 68 %) aufweist.

Prothesenkategorien und Materialien

Grundsätzlich werden zwei Kategorien von Kiefergelenkprothesen unterschieden:

KategorieBeschreibungAnpassung
Stock-ProthesenVorgefertigte Prothesen in StandardgrößenIntraoperative Anpassung an die individuelle Anatomie erforderlich
Custom-made-ProthesenPatientenspezifische ImplantatePräoperative Anfertigung basierend auf 3D-CT-Datensätzen

Für die Komponenten der Prothesen sind in Deutschland verschiedene Materialien zugelassen:

KomponenteVerwendete Materialien
FossaUHMWPE (hochverdichtetes Polyethylen), Titan mit UHMWPE-Oberfläche, Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierung, Titan mit Zirkondioxidbeschichtung
KondylusKobalt-Chrom-Molybdän-Legierung (ggf. mit Titan-Oberfläche), Reintitan (bei Metallallergie), Titan mit Zirkondioxidbeschichtung
SchraubenTitan-Legierung
  • Empfehlung zu Metall-auf-Metall-Prothesen: Die Verwendung reiner Metall-auf-Metall-Prothesen sollte sorgfältig abgewogen werden (Konsens B, Evidenzgrad: IIb+ / Vb0), da in der Literatur Hinweise auf erhöhte Abriebraten, Fremdkörperreaktionen und Allergenexpositionen bestehen.

Therapieziele

Das primäre Ziel des Eingriffs ist die optimale Wiederherstellung von Form, Funktion, Ästhetik und Lebensqualität. Zu den spezifischen Zielen gehören:

  • Entfernung von erkranktem Gewebe
  • Korrektur gestörter Okklusion und Gesichtsdeformitäten
  • Verbesserung der Kieferöffnung (z. B. für Intubation, Zahnhygiene, Nahrungsaufnahme)
  • Schmerzreduktion und Prävention weiterer Gelenkdestruktionen

Kernaussage: Die Erwartung, dass durch den Gelenkersatz der vollständig funktionelle prämorbide Zustand erreicht wird, ist unrealistisch (Starker Konsens). Dennoch wird die subjektive Lebensqualität signifikant verbessert. Ein multidisziplinärer Ansatz (Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten, Psychologen etc.) sollte angestrebt werden (Starker Konsens B).

Indikationen

Die Indikationsstellung erfordert eine strenge Abwägung. Primäre Indikationen umfassen:

IndikationUrsache / BemerkungEmpfehlungsgrad
Endstadium-DestruktionDegenerativ, posttraumatisch oder durch multiple Voroperationen (Wilkes V/VI)Starker Konsens 0, Evidenzgrad: IIb+
Schwere EntzündungenAutoimmunerkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis) mit GelenkdestruktionStarker Konsens 0, Evidenzgrad: IIb+
AnkyloseKonventionell therapierefraktäre AnkylosenStarker Konsens B, Evidenzgrad: IIb+
FehlbildungenKongenitale/erworbene Aplasien, Hypoplasien oder DeformationenStarker Konsens 0, Evidenzgrad: IIb+
NeoplasienTumore/Raumforderungen, die die Gelenkfunktion kompromittierenStarker Konsens 0, Evidenzgrad: IIb+

Sekundäre Indikationen wie therapierefraktäre Schmerzen oder isolierte Okklusionsstörungen sind sehr streng zu stellen, da funktionelle Einschränkungen (besonders in der horizontalen Beweglichkeit) auch postoperativ verbleiben.

Lebensdauer

Die zu erwartende Lebensdauer ist aufgrund des jungen Patientenalters ein entscheidender Faktor. Bisherige Schätzungen gehen von 15 bis 25 Jahren aus. Da jedoch Langzeitstudien mit einem Follow-up von über 15 bis 20 Jahren fehlen, ist eine abschließende evidenzbasierte Aussage zum langfristigen Abriebverhalten derzeit noch nicht möglich (Starker Konsens).

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patienten präoperativ zwingend darüber auf, dass ein Kiefergelenkersatz den prämorbiden Zustand nicht zu 100 % wiederherstellt und funktionelle Einschränkungen (z. B. bei der horizontalen Beweglichkeit) verbleiben werden.

Häufig gestellte Fragen

Bei schwer geschädigten Gelenken im Endstadium (Wilkes V und VI), therapierefraktären Ankylosen oder schweren Autoimmunerkrankungen, wenn konservative Therapien versagen.
Man geht von einer Lebensdauer von 15 bis 25 Jahren aus, jedoch fehlen aktuell noch belastbare Langzeitstudien, die über 20 Jahre hinausgehen.
Es wird zwischen konfektionierten Standardprothesen (Stock-Prothesen) und patientenspezifischen, präoperativ per 3D-CT geplanten Implantaten (Custom-made-Prothesen) unterschieden.
Der Einsatz sollte aufgrund möglicher Metallabriebe, Fremdkörperreaktionen und Allergierisiken sehr streng abgewogen werden.

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