Parodontitis Stadium I-III: S3-Leitlinie (AWMF/EFP)
📋Auf einen Blick
- •Parodontitis ist eine multifaktorielle, chronisch entzündliche Erkrankung im Zusammenhang mit einem dysbiotischen Biofilm.
- •Unbehandelt führt sie zu Zahnverlust und steht in Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus und kardiovaskulären Erkrankungen.
- •Die Therapie gliedert sich in vier Stufen: Erste, Zweite und Dritte Therapiestufe sowie die Unterstützende Parodontaltherapie (UPT).
- •Als primärer Endpunkt zur Prädiktion von Zahnverlust wird die Reduktion der Taschensondierungstiefe (TST) herangezogen.
Hintergrund
Die Parodontitis ist eine multifaktorielle, chronisch entzündliche Erkrankung, die in Zusammenhang mit einem dysbiotischen Biofilm steht. Primäre Merkmale sind der Verlust der parodontalen Gewebe (Verlust an klinischem Attachmentlevel [CAL], radiologisch nachweisbarer Knochenabbau), die Ausbildung parodontaler Taschen und gingivale Blutung.
Unbehandelt führt die Erkrankung zur Zerstörung der zahntragenden Gewebe und zu Zahnverlust. Zudem stehen parodontale Infektionen in Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, kardiovaskulären Erkrankungen und Schwangerschaftskomplikationen.
Struktur der Parodontaltherapie
Die Leitlinie gliedert die Behandlung systematisch in vier Therapiestufen. Basierend auf den formulierten klinischen Fragestellungen (PICO) umfasst die Therapie folgende Bereiche:
| Stufe | Therapiebereich | Evaluierte Interventionen |
|---|---|---|
| Erste Therapiestufe | Verhaltensänderung & Risikokontrolle | Häusliches Biofilmmanagement, professionelle supragingivale Plaquereduktion, Kontrolle von Risikofaktoren (Rauchen, Diabetes, Ernährung) |
| Zweite Therapiestufe | Subgingivale Instrumentierung | Hand-/Ultraschallinstrumente, adjuvante Laser/aPDT, lokale/systemische Antibiotika, immunmodulatorische Adjuvanzien |
| Dritte Therapiestufe | Parodontalchirurgie | Zugangslappen, resektive Chirurgie, Management von Knochentaschen und Furkationsbefall |
| UPT | Unterstützende Parodontaltherapie | Häusliche/professionelle Plaquekontrolle, Risikofaktorenkontrolle im Erhaltungsintervall |
Zielparameter der Therapie
Zur Bewertung des Therapieerfolgs definiert die Leitlinie klare klinische Endpunkte:
- Taschensondierungstiefe (TST): Die Reduktion der TST ist der primäre Endpunkt, da sie am besten geeignet ist, um zukünftigen Zahnverlust prädiktiv einzuschätzen.
- Klinisches Attachmentlevel (CAL): Bei regenerativen Interventionen wird der Gewinn an CAL als primärer Endpunkt herangezogen.
Methodik und Empfehlungsgrade
Die Leitlinie nutzt das GRADE-System zur Bewertung der Evidenz. Die Empfehlungsgrade werden wie folgt eingestuft:
| Empfehlungsgrad | Beschreibung | Syntax |
|---|---|---|
| A | Starke Empfehlung | soll (↑↑) / soll nicht (↓↓) |
| B | Empfehlung | sollte (↑) / sollte nicht (↓) |
| 0 | Offene Empfehlung | kann erwogen werden / kann verzichtet werden (↔) |
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie die Reduktion der Taschensondierungstiefe (TST) als primären klinischen Endpunkt, um das Risiko eines zukünftigen Zahnverlusts bei Ihren Patienten prädiktiv einzuschätzen.