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Periimplantäre Infektionen: S3-Leitlinie (AWMF/DGI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose basiert auf Blutung auf Sondierung (BOP), Suppuration, Sondierungstiefen (ST) und radiologischem Knochenabbau.
  • Bei periimplantärer Mukositis wird von adjuvanten Therapien (Laser, Antiseptika, Antibiotika) abgeraten; mechanisches Debridement ist der Standard.
  • Bei der nichtchirurgischen Therapie der Periimplantitis sollten alternative Verfahren zur Biofilmentfernung (Er:YAG-Laser, Glycin-Air-Polishing) eingesetzt werden.
  • Systemische Antibiotika sollen bei der nichtchirurgischen Therapie der Periimplantitis nicht routinemäßig eingesetzt werden.
  • Chirurgische rekonstruktive Verfahren sollten gegenüber nicht-rekonstruktiven Verfahren bevorzugt werden.
  • Bei Therapieresistenz, Implantatlockerung oder Übergreifen der Infektion ist zwingend eine Explantation indiziert.
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Hintergrund

Periimplantäre Infektionen sind durch bakterielle Biofilme verursachte Entzündungen um zahnärztliche Implantate (Titan und Keramik). Unbehandelt führt die Progression zum Implantatverlust. Zu den systemischen Risikofaktoren zählen Parodontalerkrankungen, schlechte Mundhygiene und eine stattgehabte Strahlentherapie. Lokale Risikofaktoren sind eine reduzierte Breite an keratinisierter Mukosa (< 2 mm), residuale Zementreste und überkonturierte Versorgungen.

Diagnostik und Klassifikation

Die Diagnostik erfolgt durch visuelle Inspektion, Palpation und periimplantäre Sondierung. Der Blutung auf Sondierung (BOP) kommt eine Schlüsselfunktion zu.

KriteriumPeriimplantäre GesundheitPeriimplantäre MukositisPeriimplantitis
Klinische Entzündungszeichen-++
Blutung auf Sondierung (BOP)-++
Suppuration--- / +
Zunahme der Sondierungstiefen-- / (+)+
Radiologischer Knochenabbau--+

Nichtchirurgische Therapie der periimplantären Mukositis

Ziel ist primär die Elimination der klinischen Entzündungszeichen (Reduktion oder Auflösung der BOP). Konventionelles mechanisches Debridement ist der Standard.

  • Starke Empfehlung gegen adjuvante Verfahren: Alternative Biofilmentfernung (Glycinpulver, Chitosan-Bürste), Diodenlaser/aPDT, lokale Antiseptika (z.B. CHX), systemische Antibiotika, Probiotika und häusliche antiseptische Spülungen sollten nicht zum Einsatz kommen.
  • Kernaussage: Da eine vollständige Abheilung nicht immer vorhersehbar ist, sind regelmäßige Nachkontrollen (z.B. alle 3 Monate) zur frühzeitigen Erkennung eines Nachbehandlungsbedarfs einzuplanen.

Nichtchirurgische Therapie der Periimplantitis

Neben der BOP-Reduktion ist die Reduktion tiefer Taschen das Ziel der Therapie.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Alternative BiofilmentfernungSollte eingesetzt werdenEr:YAG-Laser oder Glycin-gestütztes Air-Polishing als Monotherapie möglich.
aPDTKann eingesetzt werdenAls adjuvantes Verfahren.
DiodenlaserSollte nicht eingesetzt werdenKein Zusatznutzen belegt.
Lokale Antiseptika/AntibiotikaSollten nicht eingesetzt werden-
Systemische AntibiotikaSollen nicht routinemäßig eingesetzt werdenAufgrund von Bedenken bzgl. Resistenzentwicklung und Patientengesundheit.

Kernaussage: Wenn das Behandlungsziel durch eine nichtchirurgische Therapie nicht erreicht werden kann, sollten insbesondere fortgeschrittene Läsionen frühzeitig einer chirurgischen Therapie zugeführt werden. Eine Reevaluation sollte spätestens nach 6 Monaten erfolgen.

Chirurgische Therapie der Periimplantitis

Ziele sind BOP-Elimination, Reduktion der Sondierungstiefen und Stabilisierung des krestalen Knochenniveaus.

  • Rekonstruktive vs. nicht-rekonstruktive Therapie: Rekonstruktive Verfahren sollten bevorzugt werden (insbesondere bei 3- bis 4-wandigen intraossären Defekten).
  • Nicht-rekonstruktive Therapie: Alternative Verfahren zur Oberflächendekontamination (Titanbürste, Glycin-Air-Polishing) sollten zum Einsatz kommen. Eine adjuvante Implantatplastik kann erwogen werden (besonders bei suprakrestalen Defekten).
  • Rekonstruktive Therapie: Unterschiedliche Knochenfüller mit/ohne Barrieremembran können zum Einsatz kommen. Ozontherapie oder CO2-Laser sollten nicht verwendet werden.
  • Antibiotika: Lokale oder systemische Antibiotika sollten bei der nicht-rekonstruktiven Therapie nicht als Teil des Dekontaminationsprozesses zum Einsatz kommen. Eine perioperative Prophylaxe kann jedoch erwogen werden.

Indikationen zur Explantation

Eine Explantation sollte in jedem Falle erfolgen bei:

  • Vorliegender Implantatlockerung
  • Nicht behebbaren technischen Komplikationen
  • Komplexen Implantatdesigns (z.B. Hohlzylinder)
  • Therapieresistenz
  • Übergreifen der Infektion auf anatomische Nachbarstrukturen

💡Praxis-Tipp

Führen Sie nach der Therapie regelmäßige Reevaluationen durch (z.B. alle 3 Monate). Zögern Sie bei ausbleibendem Erfolg der nichtchirurgischen Therapie nicht, fortgeschrittene Läsionen frühzeitig chirurgisch zu sanieren.

Häufig gestellte Fragen

Beide weisen klinische Entzündungszeichen und Blutung auf Sondierung (BOP) auf. Die Periimplantitis ist zusätzlich durch radiologischen Knochenabbau und erhöhte Sondierungstiefen gekennzeichnet.
Keine. Die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung gegen den Einsatz von Lasern, aPDT, lokalen/systemischen Antibiotika und Antiseptika aus. Das mechanische Debridement ist ausreichend.
Bei Implantatlockerung, Therapieresistenz, nicht behebbaren technischen Komplikationen oder wenn die Infektion auf anatomische Nachbarstrukturen übergreift.
Nein, systemische Antibiotika sollen bei der nichtchirurgischen Therapie nicht routinemäßig eingesetzt werden. Bei chirurgischen Eingriffen kann lediglich eine perioperative Prophylaxe erwogen werden.
Bei der nichtchirurgischen Therapie sollten alternative Verfahren wie der Er:YAG-Laser oder Glycin-gestütztes Air-Polishing zum Einsatz kommen.

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