Patellaluxation: AWMF-Leitlinie
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie der Patellaluxation. Diese Verletzung tritt mit einer Inzidenz von 2 bis 77 pro 100.000 Personen auf. Das Hauptmanifestationsalter liegt zwischen 10 und 20 Jahren.
Als Ursachen werden direkte Traumata oder inadäquate Traumata bei vorbestehenden prädisponierenden Faktoren genannt. Zu diesen Risikofaktoren zählen unter anderem eine Trochleadysplasie, ein Patellahochstand oder ein Genu valgum.
Typische Begleitverletzungen umfassen Läsionen des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL) sowie osteochondrale Abscherverletzungen. Die Leitlinie klassifiziert die Instabilität unter anderem nach Dejour und Frosch.
Empfehlungen
Klinische und radiologische Diagnostik
Laut Leitlinie umfasst die Basisdiagnostik eine klinische Untersuchung mit Überprüfung der Beinachse, der Patellabeweglichkeit und des Apprehension-Tests. Bei einer akuten Luxation erfolgt die Röntgendiagnostik erst nach der Reposition.
Es wird eine Röntgenuntersuchung in mindestens drei Ebenen empfohlen. Zur weiteren Abklärung ist eine MRT-Untersuchung zwingend erforderlich.
Das MRT dient laut Leitlinie dem Nachweis von:
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Flake-Frakturen und Knorpelschäden
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Rupturlokalisationen des MPFL
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Prädisponierenden Faktoren wie Trochleadysplasie oder einem pathologischen TT-TG-Abstand
Klassifikation nach Dejour
Die Leitlinie nutzt unter anderem die Klassifikation nach Dejour zur Einteilung der Instabilität:
| Typ | Kriterien |
|---|---|
| Objektive Patellainstabilität | Mindestens eine Luxation und eine anatomische Prädisposition |
| Potentielle Patellainstabilität | Patellofemoraler Schmerz, Prädisposition, keine Luxation |
| Patellofemorales Schmerzsyndrom | Retropatellarer Schmerz, keine Luxation, keine Prädisposition |
Konservative Therapie
Eine nicht operative Therapie wird bei einer Erstluxation ohne osteochondrales Flake empfohlen. Dies erfolgt nach individueller Abwägung der Reluxationswahrscheinlichkeit.
Die Behandlung umfasst eine geschlossene Reposition sowie eine Immobilisation mittels Orthese für insgesamt sechs Wochen. Die Dauer der Immobilisation hat laut Leitlinie keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Reluxation.
Operative Therapie
Als absolute Operationsindikationen nennt die Leitlinie osteochondrale Flakefrakturen, nicht retinierbare Luxationen und Luxationsfrakturen.
Zu den relativen Indikationen zählen Erstluxationen mit hohem Reluxationsrisiko, rezidivierende Luxationen oder das Versagen der konservativen Therapie.
Bei den operativen Verfahren wird die Augmentation des MPFL (MPFL-Plastik) hervorgehoben. Diese zeigt im Vergleich zur reinen MPFL-Naht geringere Reluxationsraten.
Ergänzende operative Verfahren umfassen gemäß Leitlinie:
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Distales Realignment bei einem TT-TG-Abstand von über 17 bis 20 mm
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Refixation oder Bergung von osteochondralen Fragmenten
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Vertiefende Trochleaplastik bei entsprechender Dysplasie
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der isolierten Spaltung des lateralen Retinaculums ("laterales Release") als Standardverfahren. Dieser Eingriff scheint die Stabilität der Patella negativ zu beeinflussen und wird zur operativen Behandlung der Patellaluxation nicht empfohlen. Eine Ausnahme bildet lediglich die Kombination mit einer medialen Stabilisierung bei chronischen Subluxationen mit Kontraktur.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt ein MRT zur Beurteilung des Knorpelstatus, zum Ausschluss von Flake-Frakturen und zur Beurteilung der MPFL-Rupturlokalisation. Zudem dient es der Identifikation prädisponierender Faktoren wie einer Trochleadysplasie.
Laut Leitlinie erfolgt die geschlossene Reposition durch Kippung der Patella nach lateral und Druck von lateral. Gleichzeitig wird das Kniegelenk extendiert, wofür meist eine zweite Hilfsperson notwendig ist.
Als absolute Indikationen für eine Operation werden osteochondrale Flakefrakturen, nicht retinierbare Patellaluxationen und Luxationsfrakturen genannt. Bei diesen Befunden wird ein operatives Vorgehen empfohlen.
Gemäß der Leitlinie wird ein isoliertes laterales Release nicht empfohlen, da es die Stabilität negativ beeinflussen kann. Es kann lediglich in Kombination mit einer medialen Stabilisierung bei spezifischen chronischen Befunden erwogen werden.
Es wird eine Versorgung mit einer 4-Punkte-Orthese mit stufenweise limitierter Flexion für insgesamt sechs Wochen nach dem Unfallereignis empfohlen. Die Leitlinie merkt an, dass die Dauer der Immobilisation keinen Einfluss auf die Reluxationsrate hat.
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Quelle: S2e-Leitlinie Patellaluxation (S2e) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.