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Vordere Kreuzbandruptur: Leitlinie (AWMF/DGU)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der häufigste Verletzungsmechanismus ist das 'non-contact' Valgus- und Außenrotationstrauma.
  • Klinische Standardtests zur Diagnostik sind der Lachman-Test, der Pivot-Shift-Test und die vordere Schublade.
  • Ein MRT ist bei klinischem Verdacht auf Instabilität oder persistierenden Beschwerden indiziert.
  • Die operative Versorgung wird besonders bei jungen, aktiven Patienten und begleitenden Meniskusläsionen empfohlen, um Folgeschäden zu vermeiden.
  • Die Rückkehr zu kniebelastendem Sport sollte frühestens nach 6 Monaten und basierend auf 'Back-to-Sports'-Tests erfolgen.
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Hintergrund

Die vordere Kreuzbandruptur (VKB-Ruptur) betrifft häufig junge, sportlich aktive Patienten, wobei 70 % der Verletzungen in der Altersgruppe der 15- bis 45-Jährigen auftreten. Im Ballsport haben weibliche Athleten ein 2- bis 5-fach höheres Risiko als Männer. Der typische Verletzungsmechanismus ist ein kombinierter Valgus- und femoraler Außenrotationsstress, sehr oft als "non-contact" Verletzung ohne direkte Gegnereinwirkung.

Zu den typischen Begleitverletzungen zählen Läsionen der Menisken (medial und lateral), Knorpelschäden, Bone Bruises sowie Verletzungen der Kollateralbänder.

Klassifikation

Eine einheitliche, alles umfassende Klassifikation hat sich nicht durchgesetzt. Die Einteilung erfolgt jedoch häufig nach folgenden praxisrelevanten Kriterien:

KriteriumEinteilungBemerkung
Alter der RupturFrisch vs. ChronischFrisch: < 3-4 Wochen; Chronisch: > 4 Wochen
AusmaßKomplett vs. InkomplettPartielle Rupturen sind im gesamten Bandverlauf möglich
BegleitverletzungenIsoliert vs. KombiniertZ.B. Kombination mit Meniskus- oder Seitenbandläsionen
LokalisationProximal, intraligamentär, distalDistale oder femorale knöcherne Ausrisse sind möglich

Diagnostik

Die Basis der Diagnostik bildet die klinische Untersuchung im Seitenvergleich am entspannten Patienten. Bei schmerzbedingter Einschränkung sollte die Untersuchung im Intervall wiederholt werden.

  • Klinische Tests:
    • Lachman-Test (vordere Translation in 20-30° Beugung)
    • Pivot-Shift-Test (Subluxationstest)
    • Vordere Schublade (in 90° Beugung)
  • Bildgebung:
    • Röntgen: Kniegelenk in 2 Ebenen zum Frakturausschluss (z.B. knöcherne Bandausrisse, Segondfraktur).
    • MRT: Indiziert bei klinischem Verdacht auf Instabilität oder Beschwerdepersistenz zur Beurteilung von Bandverletzungen, Meniskusläsionen und Knochenmarksödemen (Bone Bruise).
  • Nicht erforderlich: Eine diagnostische Arthroskopie wird nicht empfohlen.

Therapieentscheidung

Die Wahl zwischen konservativer und operativer Therapie erfordert eine individuelle Abwägung. Es gibt keine generelle Altersbeschränkung für eine Operation.

TherapieansatzIndikationen und begünstigende Faktoren
KonservativGeringe Instabilität (minimale Lachman-Differenz), kein Instabilitätsgefühl im Alltag, geringe Sportambitionen, hohes biologisches Alter, vorbestehende höhergradige Arthrose.
OperativBegleitende Meniskusläsion (einzeitige Versorgung anstreben!), Versagen der konservativen Therapie, objektive/subjektive Instabilität ("giving way"), Wunsch nach kniebelastendem Sport.

Konservative Therapie

Im Falle einer isolierten VKB-Ruptur kann ein konservativer Versuch unternommen werden. Dieser erfordert eine engmaschige Kontrolle.

  • Maßnahmen: Frühfunktionelle Therapie, Muskelkräftigung, Koordinations- und Propriozeptionstraining.
  • Orthesen: Immobilisierende Verbände oder fixierende Orthesen als länger dauernde Therapie sind in der Regel nicht notwendig. Eine Bewegungsorthese kann individuell eingesetzt werden, es gibt jedoch keine Evidenz für eine Bewegungslimitierung.

Operative Therapie

Ziel der Operation ist ein übungsstabiles Gelenk zur Vermeidung von Folgeschäden (Meniskus- und Knorpelrisse).

  • Standardverfahren: Arthroskopischer Ersatz des vorderen Kreuzbandes mit einem freien mehrsträngigen Sehnentransplantat (Semitendinosus- oder Gracilis-/Semitendinosussehne).
  • Operationszeitpunkt:
    • Frühzeitig: Innerhalb der ersten Tage möglich, zwingend bei disloziertem knöchernen Ausriss oder eingeklemmtem Meniskus.
    • Im Intervall: Nach Abklingen der akuten Inflammationsphase (Kniegelenk reizlos, aktiv streckbar und weitgehend frei beugbar).

Nachbehandlung und Rehabilitation

Die Nachbehandlung erfolgt frühfunktionell mit rascher Belastung je nach Operationsverfahren.

  • Intensive Physiotherapie, Koordinationstraining und Krafttraining.
  • Kniebelastende Sportarten frühestens nach 6 Monaten.
  • Die Rückkehr zum Sport sollte nicht rein zeitbasiert, sondern nach objektiven Kriterien mittels "Back-to-Sports"-Tests erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie die klinische Stabilitätsprüfung (Lachman, Pivot-Shift) stets im Seitenvergleich am entspannten Patienten durch. Bei schmerzbedingter Abwehrspannung in der Akutphase sollte die Untersuchung nach einigen Tagen unter Schonung und Analgesie wiederholt werden.

Häufig gestellte Fragen

Ein MRT ist bei klinischem Verdacht auf Instabilität oder bei persistierenden Beschwerden indiziert, um die Bandverletzung, Meniskusläsionen, Knorpelschäden oder okkulte Frakturen (Bone Bruise) zu beurteilen.
Eine Operation wird besonders bei jungen, aktiven Patienten, bei begleitenden Meniskusläsionen (zur einzeitigen Versorgung), bei rezidivierenden 'giving way'-Phänomenen und beim Wunsch nach kniebelastendem Sport empfohlen.
Nein. Immobilisierende Verbände oder fixierende Orthesen als länger dauernde Therapie sind in der Regel nicht notwendig. Empfohlen wird eine frühfunktionelle Therapie.
Kniebelastende Sportarten sollten frühestens nach 6 Monaten wieder aufgenommen werden. Die Freigabe sollte idealerweise durch spezifische 'Back-to-Sports'-Tests erfolgen.
Die Operation kann in den ersten Tagen erfolgen oder im Intervall nach Abklingen der akuten Entzündung, wenn das Knie schmerzfrei, voll streckbar und weitgehend frei beugbar ist. Dringlich ist die OP bei knöchernen Ausrissen oder eingeklemmten Menisken.

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