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Leitlinie Patellafraktur: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Indikation zur konservativen Therapie besteht bei erhaltener aktiver Streck-Hebefähigkeit und einer Dislokation/Stufenbildung von unter 2 mm.
  • Bei Trümmerfrakturen wird ein CT empfohlen, da das Frakturausmaß im konventionellen Röntgen oft unterschätzt wird.
  • Ziel der operativen Therapie ist eine übungsstabile Osteosynthese (z. B. Zuggurtung, winkelstabile Platte) zur frühfunktionellen Nachbehandlung.
  • Die primäre oder sekundäre Patellektomie gilt als absolute Ausnahme und Rettungsoperation.
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Hintergrund

Die Patellafraktur macht circa 1 % aller Skelettverletzungen aus. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Ursächlich sind meist direkte Traumata (z. B. Anprall am Armaturenbrett) oder seltener indirekte Traumata (plötzliche Beugung bei voll kontrahiertem Musculus quadriceps femoris).

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst die klinische Untersuchung (Tasten einer Delle, Prüfung der aktiven Streckfähigkeit) und Röntgenaufnahmen.

DiagnostikumIndikation / Bemerkung
Röntgen (2 Ebenen)Standard-Basisdiagnostik
CT-UntersuchungBei multifragmentären Frakturen oder Trümmerfrakturen (Frakturausmaß wird im Röntgen oft unterschätzt)
SonographieFakultativ (Frakturnachweis, Beurteilung des Streckapparates und Erguss)
MRTNur ausnahmsweise (Ausschluss Stressfrakturen, Knorpelschäden); nicht zur primären Frakturdiagnostik

Klassifikation

Die Einteilung erfolgt standardmäßig nach der AO-Klassifikation (Patella = 34):

TypBeschreibungSubtypen
AExtraartikulärA1: Avulsionsfraktur (proximal, distal, lateral, medial)
BPartiell intraartikulär / sagittale FrakturB1: längs lateral, B2: längs medial
CKomplett intraartikulär / frontale bzw. coronare FrakturC1: quer, C2: quer mit Keil, C3: komplexe Trümmerfraktur

Therapieentscheidung

Die Wahl zwischen konservativer und operativer Therapie hängt maßgeblich von der Dislokation und der Funktion des Streckapparates ab.

TherapieformIndikation
KonservativErhaltene aktive Streck-Hebefähigkeit UND keine relevante Dislokation (< 2 mm) oder Gelenkstufe (< 2 mm)
OperativFehlende Streck-Hebefähigkeit, Dislokation ≥ 2 mm, Gelenkstufe ≥ 2 mm, offene Frakturen

Operative Therapie

Ziel ist eine übungsstabile Osteosynthese zur Ermöglichung einer frühfunktionellen Nachbehandlung.

  • Zuggurtungs-Osteosynthese: Häufiges Verfahren (2 axiale Kirschner-Drähte + ventraler Zuggurtungsdraht in 8-er Tour). Ein intraoperatives Durchbewegen zum Vorspannen wird empfohlen.
  • Schraubenosteosynthese: Ein perkutanes Vorgehen führt zu besseren Resultaten.
  • Anteriore Plattenosteosynthese: Winkelstabile Plattensysteme sind biomechanisch überlegen. Bei distaler Polbeteiligung wird eine Hakenplatte empfohlen.
  • Patellektomie: Die primäre oder frühsekundäre (Teil-)Patellektomie ist eine absolute Ausnahme und gilt als Rettungsoperation. Ein Rekonstruktionsversuch sollte immer angestrebt werden.

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie klinisch immer die aktive Streck-Hebefähigkeit des Beines – sie ist das wichtigste Kriterium für die Entscheidung zwischen konservativer und operativer Therapie. Unterschätzen Sie zudem Trümmerfrakturen im Röntgen nicht und veranlassen Sie großzügig ein CT.

Häufig gestellte Fragen

Wenn die aktive Streck-Hebefähigkeit erhalten ist und die Frakturfragmente weniger als 2 mm disloziert sind (keine Gelenkstufe ≥ 2 mm).
Nein, ein MRT ist zur primären Frakturdiagnostik nicht erforderlich. Bei komplexen Trümmerfrakturen wird stattdessen ein CT empfohlen.
Die (Teil-)Patellektomie gilt als absolute Ausnahme und Rettungsoperation, wenn eine Rekonstruktion der Gelenkfläche unmöglich ist.

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