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Management schwieriger Atemweg Kind: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die flexibel-endoskopisch geführte Intubation (FeI) gilt als Goldstandard beim erwartet schwierigen Atemweg im Kindesalter.
  • Die Spontanatmung soll bei der Narkoseeinleitung erhalten bleiben, bis eine kontrollierte Ventilation zweifelsfrei möglich ist.
  • Als Notfalltechniken zur Oxygenierung dienen THRIVE, optimierte Maskenbeatmung, Rachentubus und supraglottische Atemwegshilfen (SGA).
  • Die Versorgung sollte in spezialisierten Zentren mit kinderanästhesiologischer Expertise erfolgen.
  • Nach erfolgreicher Sicherung ist eine detaillierte Dokumentation inklusive Anästhesie-Ausweis für die Eltern empfohlen.
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Hintergrund

Der erwartet schwierige kindliche Atemweg ist definiert als eine akut auftretende oder anatomisch fixierte Atemwegsanomalie. Dies kann zu einer Atemwegsobstruktion, schwierigen Maskenbeatmung, schwierigen Laryngoskopie oder schwierigen Intubation führen. Im Zweifel sollte bei entsprechender Konstellation stets von einem erwartet schwierigen Atemweg ausgegangen werden.

Klinische Zeichen und Prädiktoren

Vor jeder Anästhesie sollen die kindlichen Atemwegsverhältnisse evaluiert werden. Folgende klinische Zeichen weisen auf einen mutmaßlich schwierigen Atemweg hin:

KategorieKlinische Zeichen
WeichteilpathologienTumore, Abszesse, Narben, Z.n. Bestrahlung/Verbrennung, Pterygium colli
Knöcherner GesichtsschädelUnterkieferhypoplasie, Retro-/Mikrognathie, Gesichtsasymmetrien, eingeschränkte Mundöffnung
Mund-, Zungen-, ZahnanatomieMikrostomie, Makroglossie, Überbiss
HWS-AnomalienEingeschränkte Beweglichkeit, zerviko-thorakale Kyphose, HWS-Instabilität
AtemwegsobstruktionenStridor, Obstruktives Schlafapnoe Syndrom (OSAS)

Organisatorisches Vorgehen

Die Behandlung soll in einem Zentrum mit spezieller kinderanästhesiologischer Expertise erfolgen.

  • Vor einer Verlegung soll ein Arzt-Arzt-Gespräch stattfinden.
  • Der Transport bei kompromittierten Kindern soll durch einen kinderanästhesiologisch/kinderintensivmedizinisch erfahrenen Arzt begleitet werden (ITW, ITH oder RTW mit Arztbegleitung).

Notfallmäßige Versorgung

Bei unaufschiebbaren Indikationen oder akuter Dekompensation kommen primär vier Techniken zur überbrückenden Oxygenierung zum Einsatz:

TechnikBeschreibung / Bemerkung
THRIVEBinasale Hochfluss-Sauerstoff-Gabe (erwärmt/angefeuchtet). Erfordert offenen oberen Atemweg.
GesichtsmaskenbeatmungOptimierte Kopflagerung, ggf. Esmarch-Handgriff, Einsatz von Wendl- oder Guedel-Tubus.
RachentubusNasopharyngeal platzierter Trachealtubus. Erlaubt CPAP und assistierte/kontrollierte Beatmung.
Supraglottische Atemwegshilfe (SGA)Z.B. Larynxmaske. Vorsicht bei pharyngealen/laryngealen Prozessen (Abszess, Tumor).

Wichtig: Eine funktionelle Atemwegsobstruktion (z.B. Laryngospasmus) soll als Ursache einer Cannot-ventilate/oxygenate-Situation ausgeschlossen werden, bevor ein transtrachealer Zugang (eFONA) erwogen wird.

Strategien zur Atemwegssicherung

Die flexibel-endoskopisch geführte Intubation (FeI) gilt als Goldstandard.

  • Auf Grund fehlender Kooperation kann eine Analgosedierung bis zur Allgemeinanästhesie durchgeführt werden.
  • Die Spontanatmung soll erhalten bleiben, bis zweifelsfrei sichergestellt ist, dass eine kontrollierte Ventilation gelingt.
  • Ein intravenöser Zugang sollte frühzeitig etabliert werden. Bei inhalativer Einleitung muss Material für eine intraossäre Kanülierung bereitliegen.
  • Videolaryngoskopie bietet keine Erfolgsgarantie, kann aber ergänzend zur FeI eingesetzt werden.

Extubation

Die Extubation birgt hohe Risiken und soll innerhalb der Kernarbeitszeiten unter optimalen Bedingungen stattfinden.

  • Bei Zweifeln an einer suffizienten Oxygenierung nach Extubation sollte eine "reversible Extubation" über einen Tubuswechsler (Airway Exchange Catheter) erwogen werden.
  • Bei Schwellungszuständen: Laryngoskopische Kontrolle, abschwellende Medikamente und Adrenalin-Inhalation bereithalten.

Dokumentation

Spätestens nach erfolgreicher Sicherung sollte die bestmögliche Sicht auf die laryngealen Strukturen dokumentiert werden. Dem Patienten bzw. den Eltern soll ein detaillierter Anästhesie-Ausweis ausgehändigt werden.

💡Praxis-Tipp

Erhalten Sie bei der Narkoseeinleitung unbedingt die Spontanatmung des Kindes aufrecht, bis Sie sicher sind, dass eine Maskenbeatmung oder Ventilation über eine supraglottische Atemwegshilfe problemlos funktioniert.

Häufig gestellte Fragen

Die flexibel-endoskopisch geführte Intubation (FeI) gilt als Methode der Wahl.
Binasale Hochfluss-Sauerstoff-Gabe (THRIVE), optimierte Maskenbeatmung, nasopharyngealer Rachentubus und supraglottische Atemwegshilfen.
Erst wenn zweifelsfrei sichergestellt ist, dass eine kontrollierte Ventilation (z.B. über Maske oder SGA) gelingt.
Innerhalb der Kernarbeitszeiten unter optimalen Bedingungen. Bei Risiko einer respiratorischen Insuffizienz sollte eine 'reversible Extubation' über einen Tubuswechsler erfolgen.

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