ClariMedClariMed

Fremdkörper bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine Fremdkörperaspiration nicht aus; die Bronchoskopie ist der Goldstandard.
  • Knopfzellen im Ösophagus sind ein absoluter Notfall und müssen sofort endoskopisch entfernt werden.
  • Bei Knopfzellen im oberen Ösophagus soll innerhalb der ersten 12 Stunden Sucralfat oder Honig (nicht bei Säuglingen < 1 Jahr) gegeben werden.
  • Instabile Kinder mit Aspirationsverdacht müssen unverzüglich, ggf. unter Reanimation, in ein Endoskopiezentrum transportiert werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Aspiration und Ingestion von Fremdkörpern gehören zu den bedeutsamen Gründen für akute Notfallvorstellungen im Kindesalter. Etwa zwei Drittel der betroffenen Kinder sind jünger als 3 bis 4 Jahre. Ursächlich sind oft die entwicklungstypische orale Exploration, fehlende Zähne und eine noch eingeschränkte Schluckkoordination.

Fremdkörper-ArtTypische BeispieleBesonderheiten und Risiken
Organische FremdkörperNüsse, Samen, KarottenHäufigste Ursache bei Aspiration (60-81%). Führen zu chronischen Entzündungen.
Knopfzell-BatterienLithium-BatterienLebensbedrohlich im Ösophagus! Schwere Verätzungen durch Stromfluss möglich.
Spitze GegenständeFischgräten, Nadeln, ZahnstocherHohes Perforationsrisiko in allen Darmabschnitten. Sofortige Bergung indiziert.
MagneteNeodym-Magnete (Spielzeug)Gefahr von Darmperforationen, Fisteln und Volvulus bei Ingestion mehrerer Magnete.
Quellende MaterialienSupraabsorbierende PolymereQuellen bis zum 60-fachen Volumen auf. Endoskopische Bergung oft erschwert.

Symptomatik

Die Symptome können vielfältig sein oder komplett fehlen. Ein unauffälliger Befund schließt einen Fremdkörper nicht aus.

  • Aspiration: Plötzlich einsetzender Husten, Tachypnoe, Dyspnoe, exspiratorisches Giemen oder Stridor. Oft asymptomatisches Intervall nach initialem Hustenanfall.
  • Ingestion: Erbrechen, Schluckbeschwerden, Hypersalivation (Speicheln), Engegefühl, Brust- oder Bauchschmerzen. Bei Lage im oberen Ösophagus oft auch Atembeschwerden.

Diagnostik

Die Diagnostik richtet sich nach der Anamnese und der Art des vermuteten Fremdkörpers. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine Fremdkörperaspiration nicht aus, da die meisten aspirierten Objekte (z.B. Nüsse) nicht röntgendicht sind.

Verdacht aufEmpfohlene DiagnostikBemerkung
Akute AspirationTracheo-BronchoskopieSensitivste und wichtigste Maßnahme.
Aspiration (röntgendicht)Röntgen-ThoraxNur wenn eine wertvolle zusätzliche Aussage erwartet wird.
Ingestion (röntgendicht)Röntgen (Epipharynx bis Symphyse)a.p.-Aufnahme, ggf. ergänzt durch Abdomen in Seitenlage.
Ingestion (spitz/Perforation)Computertomografie (CT)Zur Lokalisation und Darstellung von Komplikationen.

Therapie und Endoskopie

Die Dringlichkeit der endoskopischen Bergung hängt von der Art und Lokalisation des Fremdkörpers.

  • Instabile Patienten: Lässt sich ein Kind bei Aspirationsverdacht nicht stabilisieren, soll es sofort (auch unter Reanimation) in eine kompetente Endoskopieeinrichtung transportiert werden.
  • Stabile Patienten (Aspiration): Bei unbeeinträchtigten Kindern soll die Bronchoskopie innerhalb von 24 Stunden unter optimalen Bedingungen erfolgen.
  • Knopfzellen im Ösophagus: Stellen einen absoluten Notfall dar und müssen unmittelbar entfernt werden. Innerhalb der ersten 12 Stunden soll eine Vorbehandlung mit Sucralfat oder Honig erfolgen (kein Honig bei Säuglingen < 1 Jahr).
  • Knopfzellen im Magen: Zeitnahe Endoskopie unter optimalen Bedingungen zur Bergung und Inspektion des Ösophagus auf Läsionen.
  • Spitze Gegenstände: Sollen sofort geborgen werden, solange sie im Mund-Rachenraum oder per Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) erreichbar sind.

Interdisziplinäre Organisation

Die Leitlinie fordert klare lokale Absprachen zur Zuständigkeit und zu Standardabläufen. Die Bereitstellung einer geeigneten Ausrüstung und die Expertise des Personals sind entscheidend, um die Mortalität und Komplikationsrate zu senken.

💡Praxis-Tipp

Geben Sie bei verschluckten Knopfzellen im Ösophagus sofort Honig oder Sucralfat (sofern das Kind >1 Jahr alt ist und die Ingestion <12h zurückliegt). Verlassen Sie sich zum Ausschluss einer Aspiration niemals auf ein unauffälliges Röntgenbild!

Häufig gestellte Fragen

Nein. Die meisten aspirierten Fremdkörper (wie Nüsse) sind nicht röntgendicht. Bei begründetem Verdacht muss immer eine Bronchoskopie erfolgen.
Im Ösophagus sofort (absoluter Notfall). Hat sie den Magen erreicht, sollte die Endoskopie zeitnah unter optimalen Bedingungen erfolgen.
Nur wenn sicher ausschließlich weiche, nicht quellende Nahrungsmittel (z.B. geschälter Apfel) aspiriert wurden, kann unter klinischer Beobachtung abgewartet werden.
Ein a.p. Röntgen-Thorax und Abdomen vom Epipharynx bis zur Symphyse.

Verwandte Leitlinien