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Prolongiertes Weaning: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Prolongiertes Weaning liegt vor bei >3 erfolglosen Spontanatemversuchen (SBT) oder >7 Tagen Beatmung nach dem ersten erfolglosen SBT.
  • Die Leitlinie etabliert eine neue Klassifikation (Kategorien 3a-c), die den Dekanülierungsstatus und die NIV-Pflichtigkeit berücksichtigt.
  • Eine tägliche Überprüfung der Weaning-Bereitschaft und zielorientierte Sedierung (RASS 0 bis -1) sind essenziell.
  • Die Critical-Illness-Polyneuropathie (CIP) und -Myopathie (CIM) sind häufige Ursachen für ein Weaning-Versagen.
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Hintergrund

Die maschinelle Beatmung ist ein zentraler Bestandteil der Intensivmedizin. Etwa 40–50 % der gesamten Beatmungszeit eines Intensivpatienten entfallen auf die Entwöhnung (Weaning). Während das Weaning bei den meisten Patienten unproblematisch verläuft, benötigen ca. 20 % ein prolongiertes Weaning.

Ein prolongiertes Weaning liegt nach internationalem Konsens vor, wenn die Entwöhnung erst nach mindestens drei erfolglosen Spontanatmungsversuchen (SBT) oder nach über sieben Tagen Beatmung nach dem ersten erfolglosen SBT gelingt.

Pathophysiologie des Weaning-Versagens

Das Weaning-Versagen ist meist multifaktoriell bedingt. Ein Missverhältnis zwischen ventilatorischem Bedarf und Eigenvermögen führt meist zu einer hyperkapnischen Insuffizienz.

Häufige Ursachen umfassen:

  • Atemmuskulatur: Critical-Illness-Myopathie (CIM), beatmungsinduzierte Zwerchfelldysfunktion (VIDD).
  • Nervale Steuerung: Critical-Illness-Polyneuropathie (CIP), Phrenicusparese.
  • Atemwege/Lunge: COPD (Obstruktion und Überblähung), Lungenödem, Fibrose.
  • Kardiovaskulär: Herzinsuffizienz (Weaning-induziertes Lungenödem durch veränderte intrathorakale Drücke).

Weaning-Klassifikation

Die Leitlinie unterteilt das prolongierte Weaning (Kategorie 3) in spezifische Untergruppen, um den Dekanülierungsstatus und die NIV-Pflichtigkeit (nicht-invasive Beatmung) abzubilden:

KategorieSubgruppeDefinition
3aErfolgreiches Weaning ohne Langzeit-NIVKomplettes Weaning von der invasiven Beatmung.
3aIMit Extubation/Dekanülierung.
3aIIOhne Dekanülierung (Tracheostoma bleibt).
3bErfolgreiches Weaning mit Langzeit-NIVWeaning von invasiver Beatmung, aber Fortsetzung einer außerklinischen NIV.
3bIOhne zusätzlichen Pflegebedarf.
3bIIMit zusätzlichem Pflegebedarf.
3cErfolgloses WeaningKeine Entwöhnung von der invasiven Beatmung möglich.
3cIAußerklinische Fortsetzung der invasiven Beatmung via Tracheostoma.
3cIITod des Patienten in der Klinik.

Kriterien für die Weaning-Bereitschaft

Die tägliche Überprüfung der Entwöhnbarkeit ist essenziell, um die Beatmungszeit zu verkürzen. Folgende Kriterien sollten erfüllt sein:

KategorieKriterien
KlinischAusreichender Hustenstoß, keine exzessive Sekretion, Rückbildung der Grunderkrankung, kein akuter Infekt.
HämodynamikStabilität (niedrig dosierte Katecholamine wie Noradrenalin <0,1 µg/kg/min sind keine Kontraindikation).
OxygenierungSpO2 ≥ 90 % bei FiO2 ≤ 0,4 (bei chronischer Insuffizienz > 85 %), PaO2/FiO2 > 150 mmHg, adäquater PEEP.
Pulmonale FunktionAtemfrequenz ≤ 35/min, Tidalvolumen > 5 ml/kg, RSBI < 105, keine signifikante respiratorische Azidose.
Mentaler StatusKeine Sedierung oder adäquate Funktion unter Sedierung (RASS 0 bis -1).

Sedierung und Spontanatemversuch (SBT)

Eine zu tiefe Sedierung verlängert die Beatmungsdauer unnötig. Die Leitlinie empfiehlt:

  • Zielorientierte Sedierung: Streben Sie einen wachen, kooperativen Patienten an (Ziel-RASS 0 bis -1).
  • Tägliches Screening: Kombination aus Weaning- und Sedierungsprotokoll.
  • Spontanatemversuch (SBT): Bei erfüllten Kriterien täglicher SBT (z. B. Pressure Support ≤ 8 cm H2O für 30 Minuten).
  • Abbruchkriterien für SBT: Tachypnoe, Dyspnoe, RSBI > 105, SpO2-Abfall, PaCO2-Anstieg mit Azidose (pH < 7,35), hämodynamische Instabilität.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie täglich ein strukturiertes Screening der Weaning-Bereitschaft durch und streben Sie eine zielorientierte Sedierung mit einem RASS von 0 bis -1 an, um die Beatmungsdauer zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Nach mindestens 3 erfolglosen Spontanatemversuchen (SBT) oder mehr als 7 Tagen Beatmung nach dem ersten erfolglosen SBT.
Ein Rapid Shallow Breathing Index (RSBI) von unter 105 (Atemfrequenz geteilt durch Tidalvolumen in Litern).
Es wird keine oder eine zielorientierte Sedierung mit einem Ziel-RASS von 0 bis -1 empfohlen, um den Patienten wach und kooperativ zu halten.
Häufige Ursachen sind die Critical-Illness-Polyneuropathie (CIP), die Critical-Illness-Myopathie (CIM) sowie die beatmungsinduzierte Zwerchfelldysfunktion (VIDD).

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