ClariMedClariMed

Chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis (CNO): Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die CNO ist eine autoinflammatorische Erkrankung mit dem Leitsymptom Knochenschmerz, die meist im späten Kindes- und Jugendalter auftritt.
  • Die Diagnosestellung und Verlaufsbeurteilung erfolgt primär mittels kontrastmittelfreier Ganzkörper-MRT.
  • Eine Knochenbiopsie ist nicht regelhaft indiziert, sondern dient primär dem Ausschluss von Malignomen oder bakteriellen Infektionen.
  • Die Therapie erfolgt im Off-Label-Use, primär mit NSAR (z.B. Naproxen).
  • Bei strukturellen Wirbelsäulenschäden sind Bisphosphonate (Pamidronat) indiziert; Glukokortikoide werden hier nicht empfohlen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis (CNO), oft auch als Chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis (CRMO) bezeichnet, ist eine autoinflammatorische Knochenerkrankung. Pathophysiologisch liegt ein Ungleichgewicht von pro- und anti-inflammatorischen Zytokinen vor (gesteigerte Expression von IL-1, IL-6 und TNF-alpha bei reduzierter IL-10-Expression). Die Erkrankung tritt vorwiegend im späteren Kindes- und Jugendalter auf.

Klinik und Symptomatik

Das führende Symptom der CNO ist der Knochenschmerz, oft begleitet von Schwellungen und Bewegungseinschränkungen.

  • Prädilektionsstellen: Tibia, Femur (Meta- und Epiphysen), Becken, Clavicula, Wirbelsäule und Mandibula.
  • Befallsmuster: Oft multifokal (60-90 % der Patienten) und symmetrisch.
  • Extraskelettale Manifestationen: Arthritis (20-40 %), Hautbeteiligung (palmoplantare Pustulose, Akne conglobata), chronisch entzündliche Darmerkrankungen (bis zu 10 %).

Diagnostik

Die CNO ist primär eine Ausschlussdiagnose. Krankheitsspezifische Biomarker existieren nicht.

Diagnostik-SäuleMaßnahmen und Befunde
LaborAusschlussdiagnostik: Diff-Blutbild, LDH, Harnsäure, CRP, BSG, AP, Calcium, Phosphat. Tuberkulose-Screening (IGRA/Tine-Test). Ggf. ANA und HLA-B27 zur Phänotypisierung.
BildgebungGanzkörper-MRT (GK-MRT) ist der Goldstandard (STIR/TIRM-Sequenzen). Zeigt multifokale, symmetrische Knochenmarködeme. Skelettszintigraphie ist obsolet!
BiopsieNicht regelhaft indiziert. Dient dem Ausschluss von Malignomen oder Infektionen (besonders bei unifokalem oder atypischem Befall).

Differentialdiagnosen

Vor der Diagnose einer CNO müssen zwingend ausgeschlossen werden:

  • Bakterielle Osteomyelitis (inkl. Brodie-Abszess, Mykobakterien)
  • Maligne Erkrankungen (Ewing-Sarkom, Osteosarkom, Leukämie, Neuroblastom)
  • Langerhans-Zell-Histiozytose
  • Primäre Knochenstoffwechselerkrankungen (z.B. Hypophosphatasie)

Therapie

Für die CNO gibt es aktuell keine zugelassenen Medikamente (Off-Label-Use). Das Therapieziel (klinische Beschwerdefreiheit vs. radiologische Remission) muss individuell festgelegt werden.

Stufenschema und Medikamente

WirkstoffgruppeMedikamentDosierung (Kinder)Indikation & Bemerkung
NSARNaproxen10-15 mg/kg/d (in 2 ED)1. Wahl. Führt bei 40-70 % zur Besserung. Ggf. PPI-Schutz.
NSARIbuprofen30 mg/kg/d (in 3 ED)Alternative zu Naproxen.
SteroidePrednisolon1-2 mg/kg/d (max. 60 mg/d)Kurzzeitige Überbrückung (5-10 Tage). Nicht bei strukturellen Wirbelsäulenschäden!
csDMARDsMethotrexat10-15 mg/m² KOF/WocheBei NSAR-Versagen. Folsäure-Gabe beachten.
bDMARDsEtanercept / AdalimumabNach JIA-ZulassungBei NSAR-Versagen, hoher Inflammation, Arthritis, Haut-/Darmbeteiligung oder HLA-B27+ Axialbefall.
BisphosphonatePamidronat (i.v.)1 mg/kg/EDIndiziert bei strukturellen Wirbelsäulenschäden (Frakturen, Sinterungen) oder refraktären Verläufen. Vorab Zahnstatus erheben!

Prognose

Die Prognose ist bei frühzeitiger Therapie günstig. Etwa 40 % der Kinder erreichen nach 1-5 Jahren eine klinische Remission. Der Verlauf ist jedoch oft chronisch-rezidivierend. Regelmäßige klinisch-rheumatologische Kontrollen (alle 3-6 Monate) sowie MRT-Verlaufskontrollen sind essenziell, um strukturelle Schäden (z.B. Kyphosen, Skoliosen, Wachstumsstörungen) zu vermeiden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der Abklärung unklarer Knochenschmerzen auf die Skelettszintigraphie. Die Ganzkörper-MRT ist der Goldstandard ohne Strahlenbelastung. Denken Sie bei unifokalem Befall immer an eine Biopsie zum Malignom-Ausschluss.

Häufig gestellte Fragen

CRMO (Chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis) wurde früher synonym verwendet. CNO (Chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis) ist der modernere und umfassendere Begriff, da er auch unifokale Manifestationen einschließt.
Eine Biopsie ist nicht standardmäßig nötig. Sie wird empfohlen bei unifokalem Befall oder atypischer Lokalisation, um bakterielle Infektionen oder Malignome (wie Ewing-Sarkom oder Leukämie) sicher auszuschließen.
Bei strukturellen Schäden der Wirbelsäule sind intravenöse Bisphosphonate (z.B. Pamidronat) indiziert. Glukokortikoide werden in diesem Fall ausdrücklich nicht empfohlen.
Nein, derzeit gibt es keine zugelassenen Medikamente für die CNO. Alle medikamentösen Therapien (NSAR, DMARDs, Biologika, Bisphosphonate) erfolgen im Off-Label-Use.

Verwandte Leitlinien