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Muskuloskelettale Schmerzen bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Anamnese von Trauma und Überlastung steht an erster Stelle der Diagnostik.
  • Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Malaise sind absolute Alarmsignale für systemische oder maligne Erkrankungen.
  • Bei nächtlichen Beinschmerzen muss vor der Diagnose 'Wachstumsschmerzen' ein Malignom ausgeschlossen werden.
  • Eine Laboruntersuchung (inkl. LDH, Blutbild) ist bei Verdacht auf systemische Ursachen obligatorisch.
  • Das Alter des Kindes liefert entscheidende differenzialdiagnostische Hinweise (z.B. Coxitis fugax bei Kleinkindern).
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Hintergrund

Etwa die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen klagt im Laufe ihrer Entwicklung über Schmerzen am Bewegungsapparat. Die Differenzierung ist komplex, da das Spektrum von harmlosen Wachstumsbeschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Malignomen reicht. Der diagnostische Algorithmus zielt auf eine systematische und rationale Abklärung ab.

Anamnese und klinische Untersuchung

Als Erstes soll immer nach einem vorangegangenen Trauma oder einer Überlastung gefragt werden. Sind diese ausgeschlossen, hilft eine gezielte Anamnese, unnötige invasive Diagnostik zu vermeiden.

Alarmsignale (Red Flags): Fieber, Nachtschweiß, Blässe, Malaise, Fatigue, Leistungsknick, Wachstums-/Gedeihstörungen und/oder unbeabsichtigter Gewichtsverlust sollen immer als Alarmsignale interpretiert werden und zu einer weiteren Diagnostik veranlassen.

Differenzialdiagnosen nach Ätiologie

1. Mechanische und nicht-entzündliche Ursachen

DiagnoseTypisches AlterLeitsymptomeDiagnostik
FrakturJedes AlterTrauma, Schwellung, DruckschmerzRöntgen in 2 Ebenen
Coxitis fugax3.-8. LebensjahrHinken, kurzer Verlauf (<3 Wochen)Sonografie (Erguss)
M. Perthes5.-6. LebensjahrHinken, langer Verlauf (>3 Wochen)MRT, Röntgen
Epiphysiolysis capitis femoris (ECF)10.-14. LebensjahrOft übergewichtig, Leisten-/KnieschmerzRöntgen (Lauenstein)
M. Osgood-Schlatter10.-14. LebensjahrSportlich aktiv, Knieschmerz bei BelastungKlinisch, Röntgen

2. Malignome

Lokalisierte Knochenschmerzen sollen durch bildgebende Diagnostik abgeklärt werden, da sie ein frühes Leitsymptom für Knochentumoren sein können.

DiagnoseLeitsymptomeDiagnostik
Leukämie (ALL/AML)Diffuse Schmerzen (oft nachts), Blässe, HepatosplenomegalieLabor (LDH erhöht, Zytopenie), Knochenmarkpunktion
OsteosarkomMeist >10 Jahre, lokalisierter Schmerz (Metaphysen)Röntgen, MRT, Biopsie
Ewing-SarkomMeist >10 Jahre, lokalisierter Schmerz (Diaphysen, Becken)Röntgen, MRT, Biopsie

3. Bakterielle Infektionen

Bei akut aufgetretener, lokalisierter und belastungsabhängiger Schmerzsymptomatik mit Functio laesa soll ätiologisch zunächst sowohl ein Trauma als auch eine infektiologische Genese berücksichtigt werden.

DiagnoseLeitsymptomeDiagnostik
Akute bakterielle Arthritis/OsteomyelitisHohes Fieber, Pseudoparalyse, Rubor, DolorLabor (CRP, Leukozytose), Sono, MRT, Punktion
Subakute bakterielle OsteitisIntermittierende Schmerzen, oft nach InfektMRT, Punktion/Biopsie

4. Rheumatische Erkrankungen und NBO

DiagnoseLeitsymptomeDiagnostik
Juvenile idiopathische Arthritis (JIA)Chronisch (>6 Wochen), MorgensteifigkeitLabor (ANA, RF), Sono, MRT
Nicht-bakterielle Osteitis (NBO)Schulkinder, rezidivierende KnochenschmerzenMRT, Ganzkörper-MRT

Diagnostik

Labordiagnostik

Bei Verdacht auf eine systemische Erkrankung soll eine labordiagnostische Abklärung erfolgen. Bei rein mechanischer Genese kann darauf meist verzichtet werden.

  • Blutbild & Differenzialblutbild: Zytopenien können auf Leukämien hinweisen.
  • LDH: Erhöhung bei Malignomen oder Rheuma.
  • CRP & Leukozyten: Erhöht bei bakteriellen Infektionen.
  • CK: Erhöht bei Muskeldystrophien oder Myositiden.
  • ANA & Rheumafaktor: Nur sinnvoll bei klinischem Verdacht auf Rheuma (nach Ausschluss von Infektion/Malignom).

Bildgebung

Bei auffälligem Untersuchungsbefund, Begleitsymptomatik oder pathologischen Laborwerten soll weiterführend eine bildgebende Diagnostik erfolgen.

  • Röntgen: Basisdiagnostik (in 2 Ebenen). Bei Trauma angrenzende Gelenke abbilden.
  • Sonografie: Beurteilung von Weichteil- und Gelenkprozessen (z.B. Gelenkerguss).
  • MRT: Hoch sensitiv für Knochenmarködeme, Osteomyelitis, NBO und unklare Befunde.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei unklaren muskuloskelettalen Schmerzen immer die LDH und das Differenzialblutbild. Ein normales Blutbild schließt eine Leukämie nicht aus, weshalb bei klinischem Verdacht eine Knochenmarkpunktion vor einer Glukokortikoid-Gabe zwingend ist.

Häufig gestellte Fragen

Fieber, Nachtschweiß, Blässe, Malaise, Leistungsknick und ungewollter Gewichtsverlust deuten auf systemische oder maligne Erkrankungen hin und erfordern umgehende Diagnostik.
Benigne nächtliche Beinschmerzen (Wachstumsschmerzen) sind eine Ausschlussdiagnose. Vorher müssen insbesondere bei atypischer Präsentation (z.B. tagsüber, einseitig) Malignome und andere organische Ursachen ausgeschlossen werden.
Die Basis ist die Nativröntgenaufnahme der symptomatischen Region in zwei Ebenen. Bei einer Trauma-Anamnese sollen außerdem die benachbarten Gelenke abgebildet werden.
Die Coxitis fugax betrifft meist Kinder im 3.-8. Lebensjahr und heilt spontan nach wenigen Tagen bis Wochen. Der M. Perthes betrifft oft 5.-6. Jährige und zeigt eine lange Anamnese (> 3 Wochen) mit beginnender Muskelatrophie.

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