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Synovialektomie: Aktuelle S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Indikation zur Synovialektomie bei rheumatoider Arthritis besteht bei therapierefraktärer Synovialitis und erfordert eine interdisziplinäre Abstimmung.
  • Vor dem Eingriff soll eine geeignete Bildgebung (bevorzugt MRT mit Kontrastmittel) zur Darstellung des Gelenkstatus erfolgen.
  • Für die histopathologische Diagnostik sollten 3 bis 6 Gewebeproben entnommen und ein Synovialitis-Score erhoben werden.
  • Die Radiosynoviorthese (RSO) ist eine etablierte Therapieoption, z.B. bei diffuser PVNS, hämophiler Arthropathie oder rheumatoider Arthritis.
  • Bei Arthrose, juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) und Kristallarthropathien gibt es derzeit keine generelle Empfehlung zur Synovialektomie.
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Hintergrund

Die Synovialektomie bezeichnet die operative Entfernung der Membrana synovialis (Gelenkinnenhaut). Die Synovialis besteht aus A-Synovialozyten (Makrophagen) und B-Synovialozyten (fibroblastenähnlich). Bei einer Synovialitis kommt es zu einer Zunahme der A-Synovialozyten und je nach Dauer zur Proliferation der B-Synovialozyten. Die Therapie zielt auf eine direkte Reduktion der Synovialozyten ab und kann offen, arthroskopisch oder durch nicht-operative invasive Verfahren wie die Radiosynoviorthese (RSO) erfolgen.

Prä- und perioperatives Management

Vor einer Synovialektomie ist eine umfassende Aufklärung über Behandlungsalternativen und Risiken erforderlich. Besonders bei inflammatorischen Grunderkrankungen besteht das Risiko eines postoperativen Funktionsverlustes.

  • Empfehlung: Zur Synovialektomie sollte ein individualisiertes perioperatives Patientinnen/Patienten-Management erfolgen (Starker Konsens).
  • Medikation: Chemisch-synthetische Immunsuppressiva (z.B. MTX) müssen in der Regel nicht abgesetzt werden. Orale Antikoagulantien sind vor dem Eingriff abzusetzen.
  • Prehabilitation: Frühzeitige physiotherapeutische Maßnahmen und Schulungen reduzieren das perioperative Risiko für Bewegungseinschränkungen.

Bildgebende Diagnostik

Vor dem Eingriff soll eine geeignete Bildgebung durchgeführt werden (Starker Konsens).

  • Erste Wahl: Kontrastmittelgestützte MRT (mit i.v. Gadolinium) zur direkten Synovialisdarstellung und OP-Planung.
  • Sonographie: B-Mode für Ergüsse und Synovialisproliferation; Farbdoppler für synoviale Hypervaskularisation.
  • Röntgen/CT: Zur Darstellung knöcherner Destruktionen, Erosionen oder freier Gelenkkörper (z.B. bei Chondromatose).

Histopathologische Diagnostik

Bei einer Synovialektomie soll eine histopathologische Begutachtung erfolgen, die einen Synovialitis-Score beinhaltet (Starker Konsens).

  • Es sollten 3 bis 6 Gewebeproben an Orten mit maximaler Ausprägung entnommen werden.
  • Die Proben müssen in getrennten Fraktionen in 5 % gepuffertem Formalin übersendet werden (Ausnahme: Verdacht auf Kristallarthropathien erfordert teils alkoholfixiertes Material).
  • Der Synovialitis-Score unterscheidet zwischen low-grade (Werte 1-4, z.B. bei Arthrose, Meniskopathie) und high-grade (Werte 5-9, z.B. bei Rheumatoider Arthritis, Psoriasisarthritis).

Indikationen und spezielle Krankheitsbilder

ErkrankungEmpfehlung zur SynovialektomieBemerkung
Rheumatoide Arthritis / SpAIndiziert bei therapierefraktärem VerlaufInterdisziplinäre Indikationsstellung (Rheumatologie/Orthopädie)
Synoviale ChondromatoseIndiziert (vollständige Entfernung)Inklusive Entfernung aller freier Gelenkkörper
TSRZT (PVNS) lokalisiertIndiziert (vollständige Entfernung)Gilt für intra- und extraartikuläre Formen
TSRZT (PVNS) diffusIndiziert (Kombination OP + RSO)RSO ca. 6-8 Wochen postoperativ als Rezidivprophylaxe
Synoviales HämangiomIndiziert (vollständige Entfernung)Vermeidung von rezidivierendem Hämarthros
Septische ArthritisIndiziert bei begleitender SynovialitisArthroskopisch oder offen (Arthrotomie)
ArthroseKeine EmpfehlungDatenlage zur Wirksamkeit unzureichend
Juvenile idiopathische ArthritisKeine EmpfehlungEinzelfallentscheidung bei therapierefraktären Verläufen
Kristallinduzierte ArthritidenKeine EmpfehlungPrimär konservative Therapie

Radiosynoviorthese (RSO)

Die RSO ist die intraartikuläre Applikation kolloidaler beta-Strahler. Sie führt zur Phagozytose durch Synovialzellen, Zellnekrose und anschließender Fibrosierung. Die Indikationsstellung soll interdisziplinär erfolgen (Starker Konsens).

RadionuklidHalbwertszeitReichweiteIndizierte Gelenke
Erbium-1699,5 Tage0,3 mmAlle Finger- und Zehengelenke
Rhenium-1863,7 Tage1,2 mmHand-, Schulter-, Ellenbogen-, Hüft-, Sprunggelenke
Yttrium-902,7 Tage3,6 mmKniegelenk

Wichtig: Nach der RSO ist eine Ruhigstellung des behandelten Gelenkes für 48 Stunden mittels fester Schiene erforderlich.

Postoperatives Management

Nach stattgehabter Synovialektomie sollen zeitgerechte klinische Kontrollen mit standardisierten Methoden erfolgen (Starker Konsens).

  • Arthro-Synovialektomie: Ruhigstellung so kurz wie möglich. Eine Teilbelastung wird für ca. 4-6 Wochen empfohlen, bis ausreichend Synovia vorhanden ist.
  • Teno-Synovialektomie: Frühzeitige Mobilisation zur Wiederherstellung der Gleitfähigkeit des Sehnengewebes.
  • Rehabilitation: Multidisziplinärer Ansatz mit Physiotherapie, Lymphdrainage, Ergotherapie und ggf. CPM-Schienen.

💡Praxis-Tipp

Entnehmen Sie für eine aussagekräftige histopathologische Diagnostik immer 3 bis 6 Gewebeproben aus den Arealen mit der stärksten makroskopischen Veränderung und versenden Sie diese in getrennten Fraktionen an die Pathologie.

Häufig gestellte Fragen

Nein, chemisch-synthetische Immunsuppressiva wie MTX müssen in der Regel vor dem Eingriff nicht abgesetzt werden. Orale Antikoagulantien sollten hingegen pausiert werden.
Die RSO sollte als Rezidivprophylaxe etwa 6 bis 8 Wochen nach der operativen Synovialektomie durchgeführt werden, wenn die Wundheilung vollständig abgeschlossen ist.
Nach der Injektion des Radionuklids ist eine Ruhigstellung des behandelten Gelenkes für 48 Stunden mittels einer festen Schiene erforderlich. Bettruhe ist jedoch nicht zwingend notwendig.
Die kontrastmittelgestützte MRT (mit intravenösem Gadolinium) ist die Bildgebung der ersten Wahl, da sie die Synovialis, weichteilige Sekundärfolgen und den OP-Zugang am besten darstellt.
Nein, die Leitlinie gibt derzeit keine Empfehlung zur Anwendung der Synovialektomie bei Osteoarthrose, da die Datenlage zur Sicherheit und Wirksamkeit äußerst beschränkt ist.

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