Chloroquin-Retinopathie: Screening-Leitlinie (AWMF/DOG)
📋Auf einen Blick
- •Die maximale Tagesdosis liegt bei 5,0 mg/kg KG für Hydroxychloroquin und 2,3 mg/kg KG für Chloroquin.
- •Eine Basisuntersuchung mittels OCT, Perimetrie und Funduskopie soll in den ersten Therapiemonaten erfolgen.
- •Reguläre jährliche Kontrolluntersuchungen beginnen ab dem 5. Therapiejahr (bei Risikofaktoren früher).
- •OCT, Fundusautofluoreszenz (FAF) und multifokales ERG (mfERG) sind die empfohlenen objektiven Screening-Methoden.
- •Amsler-Test, Farbsinnprüfung und Fluoreszenzangiografie sind zur Früherkennung nicht geeignet.
Hintergrund
Der Einsatz von Chloroquin (CQ) und Hydroxychloroquin (HCQ) ist eine häufige und gut verträgliche Langzeittherapie bei Autoimmunerkrankungen. Eine der gravierendsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist jedoch die Entwicklung einer irreversiblen Schädigung des Photorezeptor-Pigmentepithelkomplexes (CQ-/HCQ-Retinopathie).
Ziel des Screenings ist nicht die Vermeidung der Retinopathie, sondern die frühestmögliche Erkennung vor dem Verlust von retinalen Pigmentepithelzellen (RPE). In diesem Stadium kann durch ein Absetzen der Medikation eine fortschreitende Sehverschlechterung verhindert werden. Eine etablierte Therapie für die Retinopathie existiert nicht.
Dosierung und Risikofaktoren
Das Risiko einer Retinopathie steigt mit der Therapiedauer (ca. 20 % nach 20 Jahren). Die Dosierung sollte streng gewichtsadaptiert erfolgen.
| Wirkstoff | Maximale Tagesdosis | Bemerkung |
|---|---|---|
| Hydroxychloroquin (HCQ) | 5,0 mg/kg KG | Geringeres Überdosierungsrisiko |
| Chloroquin (CQ) | 2,3 mg/kg KG | Höheres Risiko durch 250-mg-Tabletten |
Spezielle Risikofaktoren für eine raschere Entwicklung umfassen:
- Überschreitung der empfohlenen Tagesdosis
- Langzeitbehandlung (> 5 Jahre)
- Nierenerkrankungen mit reduzierter glomerulärer Filtrationsrate (GFR)
- Gleichzeitige Therapie mit Tamoxifen
Diagnostik
Die Manifestation der Retinopathie ist ethnienabhängig: Bei Kaukasiern beginnt sie meist perizentral, bei asiatischen und afrikanischen Patienten oft mittelperipher (außerhalb der großen Gefäßbögen).
| Verfahren | Stellenwert | Bemerkung |
|---|---|---|
| OCT | Empfohlen (1. Wahl) | Hochauflösender Volumenscan (mind. 20x20°). Zeigt Reduktion der Photorezeptor-Schichten. |
| FAF | Empfohlen | Zeigt regionale Veränderungen der Lipofuszin-Intensität. |
| mfERG | Empfohlen | Zeigt regionale Reduktion der Antwortamplituden. |
| Perimetrie | Eingeschränkt | Fehleranfällig bei initialen Skotomen, primär objektive Methoden nutzen. |
| Amsler-Test / Farbsinn | Nicht indiziert | Unzuverlässig zur Früherkennung. |
Hinweis: Bei Verdacht in der OCT sollte das Ergebnis mit einer zweiten objektiven Methode (FAF oder mfERG) verifiziert werden.
Screening-Intervalle
| Zeitpunkt | Zielgruppe | Empfohlene Untersuchungen |
|---|---|---|
| Basisuntersuchung | Alle Patienten (in den ersten Monaten) | Visus, Perimetrie, Funduskopie, OCT |
| Jährliche Kontrolle | Standardrisiko (ab dem 5. Therapiejahr) | Visus, Perimetrie, Funduskopie, OCT |
| Jährliche Kontrolle | Hohes Risiko (innerhalb der ersten 5 Jahre) | Visus, Perimetrie, Funduskopie, OCT |
Therapie bei Diagnose
Bei gesicherter Diagnose einer CQ-/HCQ-Retinopathie muss die Medikation zeitnah abgesetzt werden. Dies darf jedoch nicht abrupt, sondern nur in enger Absprache mit den behandelnden Rheumatologen/Dermatologen erfolgen, um eine Exazerbation der Grunderkrankung zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei Patienten asiatischer oder afrikanischer Herkunft darauf, das OCT und die FAF über die Makula hinaus auf die Region jenseits der großen Gefäßbögen auszuweiten, da sich die Retinopathie hier oft mittelperipher manifestiert.