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Follikuläres Lymphom: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das follikuläre Lymphom ist das häufigste indolente Lymphom, oft charakterisiert durch die t(14;18)-Translokation.
  • Die Diagnose sollte primär durch eine Lymphknotenexstirpation gesichert werden.
  • In den lokalisierten Stadien I und II erfolgt in der Regel eine kurativ intendierte Strahlentherapie.
  • In fortgeschrittenen Stadien (III/IV) ohne Symptome ist "Watch & Wait" der Standard.
  • Bei Therapiebedürftigkeit (nach GELF-Kriterien) ist die Immunchemotherapie (z. B. R-CHOP, R-Bendamustin) die Erstlinientherapie.
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Hintergrund

Das follikuläre Lymphom (FL) ist das häufigste indolente Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) in Westeuropa. Es entsteht aus den B-Zellen der Keimzentren der Lymphknoten. Bei etwa 90 % der Fälle liegt eine balancierte Translokation t(14;18) vor, die zu einer Überexpression des BCL-2-Proteins und konsekutiv zur Hemmung der Apoptose führt.

Klinisches Bild

Über 80 % der Patienten werden erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Typische Symptome umfassen:

  • Neu aufgetretene, meist schmerzlose Lymphknotenvergrößerungen
  • B-Symptome (Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß)
  • Beeinträchtigung der Hämatopoese (z. B. Anämie mit Abgeschlagenheit)

Diagnostik

Die histologische Diagnose sollte primär durch eine Lymphknotenexstirpation erfolgen. Eine Feinnadelaspiration ist nicht ausreichend. Zum obligaten Staging gehören:

  • CT Hals/Thorax/Abdomen mit Kontrastmittel (PET-CT empfohlen bei lokalisierten Stadien)
  • Knochenmarkpunktion (Zytologie und Histologie)
  • Labor (inkl. Blutbild, LDH, Hepatitis B/C und HIV-Serologie)

Klassifikation und Prognose

Die Stadieneinteilung erfolgt nach der Ann-Arbor-Klassifikation:

StadiumKriterien
IBefall einer einzigen Lymphknotenregion oder ein lokalisierter extranodaler Herd
IIBefall von ≥2 Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells
IIIBefall von ≥2 Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells
IVDisseminierter Befall extralymphatischer Organe

Zur prognostischen Einschätzung dient der FLIPI-Score (Follicular Lymphoma International Prognostic Index). Jeder Faktor gibt einen Punkt:

Risikofaktor (je 1 Punkt)Parameter
Alter> 60 Jahre
StadiumAnn-Arbor III oder IV
Hämoglobin< 12 g/dl
Lymphknoten> 4 befallene Regionen
LaborLDH-Erhöhung

Bewertung: 0-1 Punkt = niedriges Risiko, 2 Punkte = intermediäres Risiko, 3-5 Punkte = hohes Risiko.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach dem Stadium und der klinischen Symptomatik.

Stadium I und II

In lokalisierten Stadien besteht ein kurativer Anspruch. Standard ist die lokale Bestrahlung (involved site, 24 Gy). Die Hinzunahme von Rituximab ist eine mögliche Therapieoption zur Senkung der Rezidivrate.

Stadium III und IV

Bei fehlender Symptomatik ist Watch & Wait (abwartendes Verhalten) indiziert. Eine Therapie wird erst bei Vorliegen der GELF-Kriterien eingeleitet:

KriteriumDefinition / Bemerkung
B-SymptomeGewichtsabnahme >10%/6 Mon., Fieber >38°C, Nachtschweiß
Hämatopoetische InsuffizienzHb < 10 g/dl und/oder Thrombozyten < 100.000/µl
Bulky disease> 7 cm im größten Durchmesser
DynamikRasch progrediente Lymphknotenvergrößerung
KomplikationenKompressionssyndrom, Pleuraerguss oder Aszites

Erstlinientherapie (Induktion): Standard ist die Immunchemotherapie (Anti-CD20-Antikörper + Chemotherapie). Gängige Protokolle sind:

  • R-CHOP oder Obi-CHOP
  • R-Bendamustin oder Obi-Bendamustin (erhöhtes Infektionsrisiko, Prophylaxe empfohlen)
  • R-CVP oder Obi-CVP
  • Rituximab-Monotherapie (bei geringer Tumorlast)

Erhaltungstherapie: Rituximab oder Obinutuzumab alle 8 Wochen für 2 Jahre bei Patienten mit Ansprechen auf die Erstlinien-Immunchemotherapie.

Rezidivtherapie

Vor jeder Rezidivtherapie sollte eine erneute Biopsie erfolgen, um eine Transformation in ein aggressives Lymphom auszuschließen. Therapieoptionen umfassen:

  • Tafasitamab + Lenalidomid + Rituximab
  • Rituximab + Lenalidomid
  • Bispezifische Antikörper (Mosunetuzumab, Epcoritamab, Odronextamab) ab dem 2. Rezidiv
  • CAR-T-Zelltherapie (Tisa-cel, Liso-cel, Axi-cel) bei mehrfach refraktären Verläufen
  • Zanubrutinib + Obinutuzumab

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei einem Rezidiv oder Progress stets eine erneute Biopsie (bevorzugt Exstirpation) durch, um eine sekundäre Transformation in ein aggressives Lymphom sicher auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Bei asymptomatischen Patienten im fortgeschrittenen Stadium (III/IV), solange keine GELF-Kriterien (wie B-Symptome oder Bulky Disease) erfüllt sind.
In etwa 90 % der Fälle liegt eine balancierte Translokation t(14;18) vor, die zu einer Überexpression des BCL-2-Proteins führt.
Standard ist die lokale Bestrahlung (involved site) mit 24 Gy, die einen kurativen Anspruch hat. Optional kann Rituximab ergänzt werden.
Alter > 60 Jahre, Stadium III/IV, Hämoglobin < 12 g/dl, > 4 befallene Lymphknotenregionen und eine LDH-Erhöhung.

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