Autismus-Spektrum-Störung (ASS): Diagnostik & Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2016 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2016)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die SIGN-Leitlinie 145 behandelt die Erkennung, Diagnostik und Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) über die gesamte Lebensspanne. ASS ist eine komplexe Entwicklungsstörung, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet ist.

Die Prävalenz liegt bei etwa 1 Prozent der Bevölkerung, wobei Jungen deutlich häufiger diagnostiziert werden als Mädchen. Die Leitlinie betont, dass sich die Symptomatik je nach Alter, Geschlecht und intellektuellen Fähigkeiten stark unterscheiden kann.

Eine frühzeitige Diagnose und individuell angepasste Interventionen können Betroffenen helfen, ihr Potenzial bestmöglich auszuschöpfen. Dabei wird ein multidisziplinärer Ansatz unter Einbeziehung von Angehörigen und Betreuern als optimaler Weg beschrieben.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik

Laut Leitlinie wird für die Diagnose die Verwendung der aktuellen Version von ICD oder DSM empfohlen (starke Empfehlung). Ein populationsweites Screening auf ASS wird nicht empfohlen.

Stattdessen sollte im Rahmen der regulären Gesundheitsüberwachung auf Warnsignale geachtet werden. Bei Verdacht wird eine umfassende Beurteilung durch ein multidisziplinäres Team empfohlen.

Dabei sollte beachtet werden, dass Mädchen mit ASS ein anderes Symptomprofil aufweisen können als Jungen. Die Leitlinie empfiehlt folgende genetische Basisdiagnostik (First Tier) bei Verdacht auf ASS:

UntersuchungIndikation
Drei-Generationen-FamilienanamneseAlle Patienten
Klinische UntersuchungFokus auf dysmorphe Merkmale
Chromosomale Microarray-AnalyseAlle Patienten
DNA-Test auf Fragiles XRoutinemäßig nur bei männlichen Patienten

Nicht-medikamentöse Therapie bei Kindern

Es wird empfohlen, elternvermittelte Interventionsprogramme für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen in Betracht zu ziehen. Für die Unterstützung der Kommunikation können laut Leitlinie folgende Ansätze erwogen werden:

  • Picture Exchange Communication System (PECS)

  • Visuelle Umgebungsunterstützungen (z. B. Bilder oder Objekte)

  • Interventionen zur Förderung der sozialen Kommunikation

Bei Angststörungen bei Kindern mit durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten kann eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) erwogen werden. Die Leitlinie rät strikt von der gestützten Kommunikation (Facilitated Communication) ab.

Nicht-medikamentöse Therapie bei Erwachsenen

Psychosoziale Interventionen sollten zur Behandlung von Begleiterkrankungen in Betracht gezogen werden. Auch bei Erwachsenen wird von der gestützten Kommunikation abgeraten.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende medikamentöse Therapieoptionen für spezifische Begleitsymptome bei ASS:

WirkstoffIndikationAnmerkung
Atypische Antipsychotika (z. B. Risperidon, Aripiprazol)Schwere Reizbarkeit und HyperaktivitätKurzzeitige Anwendung (8 Wochen); Überprüfung nach 3-4 Wochen empfohlen
MethylphenidatBegleitende ADHS-SymptomeTestdosis zur Überprüfung der Verträglichkeit wird empfohlen
MelatoninTherapieresistente EinschlafstörungenNur nach erfolgloser Verhaltenstherapie; regelmäßige Überprüfung erforderlich
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)Begleitende Depression oder AngststörungNicht zur Behandlung von ASS-Kernsymptomen empfohlen

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Antipsychotika zur Behandlung der Kernsymptome von Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern und Jugendlichen einzusetzen. Ebenso wird der Einsatz von Sekretin zur Behandlung von ASS-Symptomen nicht empfohlen.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sollen nicht für die Kernsymptome (z. B. repetitive Verhaltensweisen) verwendet werden.

Die gestützte Kommunikation (Facilitated Communication) wird aufgrund ethischer Bedenken und fehlender Wirksamkeit bei allen Altersgruppen strikt abgelehnt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Hinweis der Leitlinie ist, dass Mädchen mit ASS häufig andere Symptomprofile zeigen als Jungen und oft bessere Bewältigungsstrategien besitzen. Dies kann dazu führen, dass ASS bei Mädchen übersehen oder erst später diagnostiziert wird. Zudem wird betont, dass herausforderndes Verhalten oft auf mangelnde Fähigkeiten oder Umweltfaktoren zurückzuführen ist und als Bewältigungsstrategie des Individuums verstanden werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie kann Autismus von erfahrenen Fachkräften bereits im Alter von 2 bis 3 Jahren zuverlässig diagnostiziert werden. Bei jüngeren Kindern können die typischen Verhaltensweisen noch unauffällig sein.

Ein populationsweites Screening auf Autismus-Spektrum-Störungen wird nicht empfohlen. Stattdessen wird eine erhöhte Wachsamkeit im Rahmen der regulären kindlichen Gesundheitsüberwachung angeraten.

Die Leitlinie stellt klar, dass es keine medikamentösen Therapien für die Kernsymptome von ASS gibt. Medikamente wie Antipsychotika oder Melatonin werden nur für spezifische Begleitsymptome wie Reizbarkeit oder Schlafstörungen empfohlen.

Es wird empfohlen, zunächst verhaltenstherapeutische Maßnahmen und eine gute Schlafhygiene anzuwenden. Erst wenn diese nicht ausreichen, kann ein Versuch mit Melatonin erwogen werden.

Die Leitlinie fand keine ausreichende Evidenz für den Nutzen von gluten- oder kaseinfreien Diäten zur Verbesserung der ASS-Symptomatik. Gastrointestinale Beschwerden sollten wie bei Kindern ohne ASS behandelt werden.

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Quelle: SIGN 145: Assessment, Diagnosis and Interventions for Autism Spectrum Disorders (SIGN, 2016). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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