ClariMedClariMed
Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2021Neurologie

Epilepsie bei Kindern: Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer Epilepsie sollte primär klinisch und durch einen Epilepsie-Spezialisten erfolgen.
  • Bei unklaren paroxysmalen Ereignissen wird die Videoaufzeichnung durch Angehörige dringend empfohlen.
  • Nach klinischer Diagnose ist ein Standard-EEG indiziert; bei unauffälligem Befund folgt ein Schlaf-EEG.
  • Das MRT ist die Bildgebung der Wahl (Ausnahme: gut ansprechende genetische generalisierte Epilepsien).
  • Bei pharmakoresistenter Epilepsie (Versagen von 2 Antiepileptika) sollte eine ketogene Diät angeboten werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Epilepsie ist die häufigste schwere neurologische Erkrankung bei Kindern. Gemäß der ILAE-Definition (2014) liegt eine Epilepsie vor bei:

  • Mindestens zwei unprovozierten Anfällen im Abstand von >24 Stunden
  • Einem unprovozierten Anfall und einem Rezidivrisiko von mindestens 60 % in den nächsten 10 Jahren
  • Diagnose eines Epilepsie-Syndroms

Die Diagnose sollte stets durch einen Epilepsie-Spezialisten (z. B. pädiatrischer Neurologe) gestellt werden.

Diagnostik

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Bei unklaren paroxysmalen Ereignissen sollte, wenn sicher möglich, ein Video des Anfalls durch Angehörige aufgezeichnet und fachärztlich beurteilt werden.

Elektroenzephalografie (EEG)

Das Standard-EEG ist kein primärer diagnostischer Test zum Ausschluss einer Epilepsie, sondern dient der Klassifikation nach klinischer Diagnosestellung.

StufeMaßnahmeBemerkung
1. WahlStandard-Wach-EEG (20-30 Min.)Zur initialen Syndromklassifikation
2. WahlSchlaf-EEGBei unauffälligem Standard-EEG. Als Schlafentzugs-EEG, Melatonin-induziertes Schlaf-EEG oder 24h-Langzeit-EEG

Bildgebung (MRT)

Das MRT ist die Bildgebung der Wahl und sollte bei fast allen Patienten durchgeführt werden. Ausnahmen bilden typische kindliche Epilepsien (z. B. CECTS oder genetische generalisierte Epilepsien), die gut auf Medikamente ansprechen.

  • Standard: 1,5-Tesla-MRT mit speziellen Epilepsie-Protokollen
  • Eskalation: Bei pharmakoresistenter fokaler Epilepsie und unauffälligem/unklarem 1,5-T-MRT sollte ein 3-Tesla-MRT erwogen werden.

Genetische Diagnostik

Eine genetische Testung (Gen-Panel oder chromosomaler Microarray) sollte erwogen werden, wenn die Ätiologie durch Anamnese, Untersuchung, Stoffwechseltests oder Bildgebung nicht geklärt werden kann.

Pharmakologische Therapie

Die Wahl des Antiepileptikums (AED) richtet sich nach der Anfallsart und dem Epilepsie-Syndrom. Valproat darf bei Mädchen im gebärfähigen Alter nur eingesetzt werden, wenn keine Alternative besteht und ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm etabliert ist.

Fokale Epilepsie

StufeTherapieBemerkung
1. WahlCarbamazepin ODER LamotriginGleichwertige Wirksamkeit
2. WahlLevetiracetam, Oxcarbazepin, ValproatBei Unverträglichkeit/Ineffektivität der 1. Wahl
Add-onu.a. Clobazam, Gabapentin, Topiramat, Zonisamid (>6 J.), Perampanel (>12 J.)Bei Versagen der Monotherapie

Generalisierte Epilepsien & Syndrome

Syndrom1. WahlAdd-on / 2. Wahl
AbsencenEthosuximid ODER ValproatLamotrigin (2. Wahl)
Lennox-GastautValproatRufinamid, Clobazam, Lamotrigin, Topiramat, Cannabidiol
Dravet-SyndromValproat ODER TopiramatStiripentol, Clobazam, Cannabidiol
BNS-Epilepsie (West)Hormontherapie (ACTH/Prednisolon) ODER VigabatrinBei Tuberöser Sklerose: Vigabatrin als 1. Wahl

Hinweis: Bei Tuberöser Sklerose mit refraktären Anfällen kann Everolimus (ab 2 Jahren) als Add-on erwogen werden.

Nicht-medikamentöse Therapie: Ketogene Diät

Eine ketogene Diät (fettreich, kohlenhydratarm) sollte bei pharmakoresistenter Epilepsie (Versagen von zwei Antiepileptika) angeboten werden.

  • Dauer: Mindestens 3 Monate testen, um die Wirksamkeit zu beurteilen.
  • Sonderindikationen: Bei Glukosetransporter-1-Defekt (Glut1D) und Pyruvatdehydrogenase-Mangel (PDCD) ist die ketogene Diät die Therapie der 1. Wahl und sollte so früh wie möglich begonnen und bis ins Erwachsenenalter fortgeführt werden.

Aufklärung und Transition

  • SUDEP: Das Risiko eines plötzlichen unerwarteten Todes bei Epilepsie (SUDEP) muss zum Zeitpunkt der Diagnose (oder zeitnah) in einem persönlichen Gespräch mit den Eltern/dem Jugendlichen thematisiert werden.
  • Transition: Der Übergang in die Erwachsenenmedizin sollte frühzeitig, strukturiert und edukativ geplant werden.

💡Praxis-Tipp

Bitten Sie Eltern bei unklaren paroxysmalen Ereignissen aktiv um Videoaufnahmen mit dem Smartphone. Dies ist oft aufschlussreicher als ein isoliertes Standard-EEG und beschleunigt die korrekte Diagnosestellung.

Häufig gestellte Fragen

Bei typischen kindlichen Epilepsien wie der kindlichen Absence-Epilepsie, juvenilen myoklonischen Epilepsie oder CECTS (Rolando-Epilepsie), sofern diese gut auf Medikamente ansprechen.
Ethosuximid oder Natriumvalproat gelten als Erstlinientherapie bei kindlichen Absencen.
Bei pharmakoresistenter Epilepsie nach dem Versagen von zwei Antiepileptika. Bei Glut1-Defekt oder PDCD ist sie sogar Therapie der ersten Wahl.
Hormontherapie (ACTH oder Prednisolon) oder Vigabatrin. Liegt dem West-Syndrom eine Tuberöse Sklerose zugrunde, ist Vigabatrin das Mittel der Wahl.
Das EEG dient nicht dem Ausschluss einer Epilepsie, sondern der Klassifikation des Syndroms, nachdem die Diagnose primär klinisch gestellt wurde.

Verwandte Leitlinien